Pandemie

Neuer Arbeitsplatz: Schnelltestzentrum

Studierende wie (v. l.) Carla Walther, Carolin Tödter und Christoph Adrian arbeiten zusammen mit dem Betreiber des Testzentrums, Alexander Klein, in der Alten Maschinenhalle des Gründer- und Technologiezentrums. Foto: Christian Beier
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Studierende wie (v. l.) Carla Walther, Carolin Tödter und Christoph Adrian arbeiten zusammen mit dem Betreiber des Testzentrums, Alexander Klein, in der Alten Maschinenhalle des Gründer- und Technologiezentrums.

Corona hat den Markt verändert – besonders für Minijobber.

Von Moritz Jonas

Solingen. Corona hat unser Leben verändert – das gilt auch für den Arbeitsmarkt. Viele Jobs vor allem in der Gastronomie und der Eventbranche sind nahezu gänzlich weggebrochen. Aber gerade diese Bereiche sind für Studenten äußerst wichtig, um neben dem Studium ihren Lebensunterhalt mit Minijobs bestreiten zu können. Möglichkeiten, die jetzt fehlen. Aber es haben sich durch die Pandemie neue Felder erschlossen: zum Beispiel in den Corona-Testzentren und an den Corona-Servicetelefonen.

Im Gründer- und Technologiezentrum würden vornehmlich studentische Hilfskräfte eingesetzt, erzählt Betreiber Alexander Klein, „egal ob bei der Abstrichnahme, an der Rezeption oder im Labor“. Vornehmlich seien die Studenten aus der Gastro- oder Eventbranche zum Testzentrum gewechselt, weil sie ihre alten Jobs verloren hätten. Klein ist in jedem Fall sehr froh über die zusätzliche Unterstützung und weitere Mitstreiter sind immer gerne gesehen: „Wir suchen immer wieder nach neuen Hilfskräften für alle Bereiche“, sagt Klein.

Auch Gastronom Andreas Heibach beschäftigt in seinem Testzentrum im Walder Stadtsaal Studenten. „Rund die Hälfte meiner Angestellten sind Studenten. Die meisten habe ich aus meiner Gastronomie übernommen, aber einige sind auch durch Mundpropaganda zu uns gekommen“. Auch Heibach setzt die jungen Helfer in allen Bereichen des Testzentrums ein, egal ob im Büro oder bei den Testungen. Natürlich würden sie zuvor von den Ärzten geschult.

„Das ist wirklich belastend, weil mein Freund die Miete für unsere Wohnung nun komplett alleine tragen muss.“

Renee Schleifenbaum, Studentin

Die Beweggründe für die Arbeit der Studenten seien allerdings nicht immer nur finanziell motiviert: „Sicher spielt Geld auch eine Rolle aber die meisten freuen sich einfach, Teil der Lösung zu sein und helfen zu können“, sagt Heibach. Im Stadtsaal würden perspektivisch auch noch weitere Hilfskräfte gesucht, sagt er. „Die Leute, die Lust, haben, zu helfen, können sich immer gerne bei uns melden, wobei wir zurzeit ganz gut besetzt sind.“

Aber er gehe davon aus, dass in naher Zukunft noch mehr Unterstützung gebraucht werde. Gerade dann, wenn er seinen Biergarten wieder öffnen kann. Denn dann brauche er seine Gastro-Leute natürlich wieder dort. Das Testzentrum würde Heibach allerdings gerne solange weiterführen, wie es gebraucht würde, und es sich noch nicht lohnt den Stadtsaal wieder für Veranstaltungen zu öffnen. „Perspektivisch brauchen wir also auf jeden Fall noch helfende Hände. Ich muss aber auch so ehrlich sein und sagen, dass ich keine Garantie geben kann, wie lange die Leute ihren Job bei uns im Testzentrum haben werden, denn irgendwann kommt die Zeit, da wird das Testzentrum nicht mehr gebraucht werden“, erklärt Heibach.

Aber nicht nur die Testzentren bieten in diesen Zeiten eine gute Anlaufstelle für Studenten, auch für Corona-Hotlines werden immer wieder Leute gesucht Bei einer solchen ist auch die 21-jährige Solingerin Vanessa Beumer untergekommen. Sie studiert zurzeit Pädagogik der Kindheit und Familienbildung. Durch Corona hatte sie ihren Job als Honorarkraft in der Kinderbetreuung verloren. Nun ist sie seit Anfang des Jahres bei der Hotline beschäftigt. „Ich bin wirklich froh, den Job gefunden zu haben. Ich wohne zwar noch zu Hause und muss keine Miete zahlen, aber ich habe auch laufende Kosten wie zum Beispiel mein Auto“, erklärt Beumer. Zudem lasse sich der Job super mit der Uni vereinbaren.

Die Solingerin Renee Schleifenbaum hatte bisher weniger Glück bei der Jobsuche. Die 20-jährige Studentin der Sozialwissenschaften, hat genau wie Beumer ihren Job in der Kinderbetreuung verloren. Bisher blieben all ihre Bewerbungen aber ohne Erfolg. „Das ist wirklich belastend, weil mein Freund die Miete für unsere Wohnung nun komplett alleine tragen muss, dabei würde ich ihn wirklich gerne unterstützen, aber das geht jetzt nicht“, sagt Schleifenbaum.

Zahlen

Minijobs: 2019 lag in Solingen die Zahl der geringfügig Entlohnten im gewerblichen Bereich im Alter bis 25 Jahren noch bei 2240 Beschäftigten. 2020 waren es dann nur noch 1707 Beschäftigte.

Testzentren: In Solingen gibt es mehr als 40 Schnelltestangebote.

Standpunkt: Folgen kaum abzusehen

andreas.tews@solinger-tageblatt.de

Kommentar von Andreas Tews

Fast jeder kann von sich behaupten, dass die Corona-Pandemie tiefgreifende Auswirkungen auf das eigene Leben hat. Die einen beklagen, dass sie nur wenige Freunde oder Kollegen treffen können, andere vermissen den Besuch im Konzert oder im Fußballstadion, und nicht wenige würden auch gerne einmal wieder unbeschwert eine Gaststätte besuchen. Gerade in der zuletzt genannten Branche sind die Folgen für die Menschen groß – für die Inhaber und für die oft geringfügig Beschäftigten. Sie müssen um ihre Existenz bangen und sind zudem zur Untätigkeit gezwungen. Dies hat auch Auswirkungen auf die Psyche. Auch bei vielen Kindern und Jugendlichen sind mentale Folgen zu befürchten, weil sie seit einem Jahr nur sporadisch zur Schule gehen und kaum Gelegenheit haben, Gleichaltrige zu treffen, in ihrem Verein Sport zu treiben oder gemeinsam mit anderen Musik zu machen. Die Folgen der Pandemie gehen weit über die materiellen hinaus. Ihr Ausmaß ist noch kaum abzusehen. Bei der Herkulesaufgabe, diese zu überwinden, werden sowohl der Staat als auch die Gesellschaft gefordert sein.

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