Dritte Welle ist da

Coronavirus-Mutationen: Infektionen nehmen zu

Krankenhausmitarbeiter hält zwei Corona Teströhrchen in den Händen.
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Die Stadt Solingen hat alle Proben der positiven Corona-Tests auf Virusmutationen hin untersucht (Symbolfoto).

Die Corona-Pandemie befindet sich in der dritten Welle – und in einer entscheidenden Phase. Die Stadt Solingen hat nun genaue Zahlen dazu geliefert.

Solingen. Für die Stadt Solingen betont Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) stets, es werde viel getestet, um „vor der Lage“ zu sein. Die Lage, das ist die dritte Welle. Die Inzidenzzahl, also der 7-Tage-Wert an neuen Infizierten, steigt. Besorgniserregend ist der steigende Anteil der Mutationen. In Solingen ist es vor allem die britische Variante B.1.1.7. Die Stadt liefert dazu jetzt genaue Zahlen.

Stand Dienstag, 16. März, gab es 1722 positive Tests, die bislang in diesem Jahr vorgenommen worden sind, teilt das Statistikamt Solingen mit. Sie wurden alle auf Varianten hin untersucht. 528 waren positiv auf eine Virusvariante getestet worden, davon fast alle (525) auf die Variante B.1.1.7. – den Verlauf des Anstiegs belegt die Grafik.

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Die Stadt nennt für die erste Märzwoche Zahlen: Tatsächlich ist von 27,3 Prozent der positiven Testergebnisse insgesamt der Ansteckungsort unbekannt. Unter den bekannten Orten entfallen die Infektionen mit den Quoten von 71,3 Prozent auf die privaten Haushalte, 19,9 Prozent auf Schulen und Kitas. 4,4 Prozent entfielen auf den Arbeitsplatz.

In der laufenden Woche hat sich das deutlich verschoben. Bei den positiven Testergebnissen sind bei 76,9% die Infektionsorte bekannt. Der größte Anteil fällt davon auf das häusliche Umfeld mit 92,5 Prozent – ein deutlicher Anstieg zur Vorwoche. 7,5 Prozent haben sich demnach am Arbeitsplatz angesteckt; Schulen und Kitas nennen keine neuen Fälle.

Solingen: Die meisten Corona-Infektionen finden zu Hause statt

Das hat ganz aktuell dramatische Konsequenzen. Nach Angaben des Gesundheitsamts der Stadt steckten sich bei einer vorhandenen Virusmutation durchschnittlich nicht nur deutlich mehr Personen innerhalb der Haushalte an. Auch der Anteil an Haushalten, in denen sich alle Haushaltsmitglieder infizieren, sei signifikant höher. Das Fazit laute: „Beides spricht eindeutig für eine höhere Infektiosität der Virusmutationen.“

Die Zahlen der Stadt machen deutlich: Mit der Verbreitung der Mutationen wird die dritte Welle befeuert. In einem Vier-Personen-Haushalt mit Corona-Ausbruch entfallen durchschnittlich 2,6 Infektionen auf den Ursprungstyp des Virus, aber ist die britische Variante im Spiel, dann sind es bereits 3,1 Infektionen.

Wir müssen Kontakte vermeiden und viel impfen.

Prof. Winfried Randerath, Bethanien

Vor einer beginnenden dritten Welle hatte bereits vor zwei Wochen Winfried Randerath gewarnt. Der Medizinprofessor ist Chefarzt der Lungenfachklinik Bethanien und seit Beginn der Pandemie als vorsichtiger Mahner aufgefallen. Er ist so etwas wie das Solinger Gesicht und die Stimme in Sachen Corona. Zugleich legt Randerath großen Wert auf die wissenschaftliche Begleitung seiner Covid-Patienten und die Auswertung der Testzahlen.

Politisch äußert sich der Mediziner höchstens in der Sache. Den Impfstopp mit Astrazeneca hält er in Bezug auf die sehr wenigen Fälle mit Komplikationen und Todesfolgen – im Vergleich zum gesellschaftlichen Gewinn – für falsch. Er wägt da ab: „Wenn sich die Leute infizieren, ist das schlimmer als der Impfstoff.“ Zwar sei richtig, dass dieses Impfmittel teils heftige Grippesymptome auslöse, wie er es auch beim geimpften Bethanien-Personal beobachtet habe. Das zeige aber auch: „Das Immunsystem reagiert.“ Genau das sei Sinn der Impfung.

Solingen: Randerath: Kita-Öffnungen derzeit „nicht nachvollziehbar“

Zudem findet er die Öffnung der Schulen und Kitas angesichts der steigenden Inzidenzen „nicht nachvollziehbar“. Sein Gebot der Stunde lautet: „Wir müssen alles weiter auf Vermeidung von Kontakten setzen und vor allem viel impfen.“ Von voller Fahrt kann dabei längst nicht die Rede sein. Das Land NRW liefert nach Solingen seit Anfang März wöchentlich nur 887 Impfdosen Biontech. Astrazeneca- und Moderna-Impfdosen kommen momentan nicht an.

Sorgen machen Winfried Randerath auch die Beobachtungen in der Bethanien-Ambulanz. Dort würden sich selbst Monate nach ihrer Covid-Erkrankung noch Patienten einfinden, die wenig Luft bekämen und über starke Müdigkeit klagten. „Darunter sind viele junge Leute.“

Mut mache aber die Wirkung der Impfung bei den Senioren, erklärt Stadtsprecher Thomas Kraft. In der Gruppe der 80- bis 89-Jährigen würden 18,3 Prozent Mutationen ermittelt. Bei den noch Älteren 11,8 Prozent. Bei den 10- bis 19-Jährigen sind es dagegen 40,1 Prozent.

Behandlung im Krankenhaus

Solinger, die schwer an Covid-19 erkranken, landen meist in Bethanien. Nach einem Jahr habe man zwar „besser gelernt, mit den Patienten umzugehen“ – doch medizinische Fortschritte mit einer gesicherten Heilung gebe es noch nicht, erklärt Klinikleiter Prof. Winfried Randerath. Der Einsatz von Kortison-Präparaten helfe in der Praxis bei der Behandlung von Covid-Verläufen in manchen Fällen. „Das ist aber kein Wundermittel.“ An neuen Medikamenten werde geforscht – eingesetzt werden sie noch nicht.

Alle aktuellen Nachrichten zum Thema Coronavirus in Solingen finden Sie in unserem Corona-Blog.

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