Corona-Krise

Kliniken in Solingen arbeiten an neuen Besuchsregeln

Nach wie vor gelten im Klinikum in Solingen noch strenge Besuchsregeln.
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Nach wie vor gelten im Klinikum in Solingen noch strenge Besuchsregeln.

Angehörige kritisieren, dass Einschränkungen noch nicht gelockert wurden.

  • In Solinger Kliniken gelten die Lockerungen der Besuchsregeln noch nicht.
  • Die Kliniken müssen zunächst klären, wie sie ihre Patienten vor einer möglichen Ansteckung mit dem neuartigen Coronavirus schützen können.
  • Auch im Solinger Umland gelten teilweise noch strenge Besuchsregeln.

Von Anja Kriskofski

Solingen. Seit mehr als zehn Tagen liegt die Schwiegermutter von Matthias Kunde nach einer Notoperation im Klinikum Solingen. Die Angehörigen dürften die 75-Jährige jedoch nicht besuchen, berichtet Kunde. „Dabei sind seit dem 20. Mai Besuche in den Krankenhäusern in NRW unter Einschränkungen wieder gestattet.“ Das Städtische Klinikum habe das jedoch eine Woche später immer noch nicht umgesetzt, ärgert er sich. Das gilt auch für die beiden anderen Solinger Häuser. „Die Kliniken arbeiten gemeinsam an einer veränderten Besuchsregelung mit erweiterten Möglichkeiten, die einheitlich gelten soll“, teilt Stadt-Pressesprecher Thomas Kraft auf Anfrage mit. Die Abstimmungen seien noch nicht abgeschlossen. Mit der neuen Regelung sei jedoch im Laufe der Woche zu rechnen.

Matthias Kunde kritisiert, dass Krankenhaus-Patienten und ihren Angehörigen Bürgerrechte vorenthalten würden. „Ist es nicht etwas zynisch, wenn Tattoo-Studios geöffnet sind, aber alte und kranke Familienmitglieder in Isolation versetzt werden?“ Die Psyche sei bekanntermaßen für die Genesung ganz wichtig. Dass das Klinikum die neue Verordnung noch nicht umgesetzt habe, empfinde er als schlechtes Management der Geschäftsführung. „Sie hatte doch Zeit, um sich darauf vorzubereiten.“

„Das geht nicht von einem Tag auf den anderen.“
Karin Morawietz, Pressesprecherin

Auf der Internetseite der Landesregierung heißt es: „Ab dem 20. Mai sind Besuche in Krankenhäusern, Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen wieder zulässig.“ Voraussetzung dafür seien individuelle, einrichtungsbezogene Hygiene- und Infektionsschutzkonzepte, um Patienten, Bewohner und Personal vor dem Coronavirus zu schützen. Besucher müssten registriert und einem Kurzscreening unterzogen werden, heißt es weiter.

Stadtsprecher Kraft bittet um Geduld. Die Kliniken müssten klären, was verantwortbar sei und welche Maßnahmen zum Schutz der Patienten ergriffen werden müssten. Die Lockerung des Besuchsverbots bedeute großen logistischen Aufwand, erklärt Klinikum-Pressesprecherin Karin Morawietz auf Anfrage. „Das geht nicht von einem Tag auf den anderen.“ Derzeit werde der Zugang zum Klinikum für Patienten und Mitarbeiter über drei unterschiedliche Wege geleitet. Das wieder umzustellen, erfordere Vorbereitung.

Bis dahin seien weiterhin nur Besuche bei Patienten auf der Palliativ- und auf der Intensivstation sowie für Eltern in der Kinderklinik und auf der Neugeborenenstation möglich. Diese sollten angemeldet werden, sagt Morawietz. Die Klinikum-Mitarbeiter müssten weiterhin viel Erklärungsarbeit leisten, berichtet sie.

Auch in der St. Lukas Klinik könnten weiterhin nur Palliativ- und Intensivpatienten besucht werden, sagt Stefanie Amann, Sprecherin der Kplus Gruppe. „Das gilt für einen Besucher für eine Stunde pro Tag.“ In den Krankenhäusern der Gruppe in Haan und Hilden wird genauso verfahren, während in den Kplus-Kliniken in Leverkusen-Wiesdorf und Opladen die Besuchsregeln bereits gelockert wurden.

Die Lockerung steht auch in Wuppertal bevor. In der Nachbarstadt stimmen sich die Kliniken wie in Solingen untereinander ab. Das Bethesda-Krankenhaus in Elberfeld informiert auf seiner Homepage, dass das generelle Besuchsverbot noch bis Mittwoch gelte. Voraussichtlich ab dem morgigen Donnerstag seien Patientenbesuche wieder möglich, heißt es.

In unserem Live-Blog finden Sie alle Informationen rund um das Coronavirus in Solingen. Der Blog wird laufend aktualisiert.

Corona-Zahlen

Mit 245 bestätigten Infizierten bleibt die Zahl seit vergangenem Samstag konstant. Acht Personen sind nachgewiesen infiziert, fünf Patienten werden stationär behandelt, die übrigen ambulant betreut. 229 Menschen sind genesen. Acht mit dem Coronavirus infizierte Menschen sind gestorben. In Quarantäne befinden sich 39 Personen, 1785 konnten die Quarantäne verlassen.

Standpunkt: Lockerung mit Umsicht

anja.kriskofski@solinger-tageblatt.de

Ein Kommentar von Anja Kriskofski

Wer als Patient derzeit im Krankenhaus liegt, ist doppelt belastet. Zum einen, weil er krank ist und zum anderen, weil er keinen Besuch empfangen darf. Dass das generelle Besuchsverbot infolge der Corona-Pandemie, von dem nur einige wenige ausgenommen waren, nun gelockert wird, ist richtig. Da ist es verständlich, dass Angehörige und Patienten angesichts der Ankündigung aus Düsseldorf täglich auf die Umsetzung vor Ort warten. Sie haben keine Zeit zu verlieren. Doch gerade in so sensiblen Bereichen wie Krankenhäusern müssen Lockerungen mit Umsicht und guter Planung geschehen. 

Die jüngsten Covid-19-Ausbrüche in einer Frankfurter Gemeinde und in einem Restaurant in Ostfriesland haben gezeigt, dass das Coronavirus weiterhin da ist – und wie hochansteckend es ist. In einer Klinik darf eine solche Verbreitung erst recht nicht passieren. Die Solinger Krankenhäuser hätten jedoch gut daran getan, Patienten und ihre Angehörigen über die anstehende Lockerung zu informieren. Ein Hinweis, dass an einer neuen Regelung gearbeitet wird, die aber noch etwas Zeit brauche – den Betroffenen wäre damit sehr geholfen.

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