Menge wechselt von Woche zu Woche

Kritik an der Verteilung der Impfstoffmenge durch das Land

Die Impfungen in den Solinger Hausarztpraxen sind mit einem hohen Beratungs- und Organisationsaufwand verbunden. Foto: Michael Schütz
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Die Impfungen in den Solinger Hausarztpraxen sind mit einem hohen Beratungs- und Organisationsaufwand verbunden.

In vielen Solinger Arztpraxen stehen derzeit die Telefone nicht still. Grund ist die hohe Zahl der Anrufe von Patienten, die sich nach Impfungen und Impfterminen erkundigen.

Solingen. Noch sind die Vakzine aber ein knappes Gut. „Wir würden mehr impfen, wenn wir mehr Impfstoff zur Verfügung hätten“, berichtet Dr. Julius Rath, einer von zwei Sprechern der Solinger Kassenärztlichen Vereinigung.

Die Bereitschaft der Ärzte in der Stadt sei hoch – trotz des hohen Aufwands. Denn zu den zahlreichen Anrufen kommen intensive Beratungen, berichtet der niedergelassene Internist und Kardiologe. Aufgrund der – wenn auch sehr seltenen – schweren Nebenwirkungen, die der Astrazeneca-Wirkstoff verursacht hat, sei die Unsicherheit groß. „Natürlich ist die Aufklärung deutlich aufwendiger. Aber wir wollen alle dazu beitragen, möglichst viele Menschen zu impfen.“

Dass die Hausärzte nun vermehrt Astrazeneca verimpfen sollen, darin sieht Dr. Rath einen Vorteil: Der Wirkstoff sei trotz der Unsicherheiten gut. „Die Hausärzte können die Menschen einschätzen, kennen das Risiko und Vorbefunde.“ Rath bittet im Namen all seiner Kollegen um Geduld. „Wir priorisieren die Patienten so, wie wir das für richtig halten – und die meisten Patienten sind dafür auch dankbar.“

Dr. Julius Rath ist ein Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung.

In den Praxen gibt es auch deshalb erhöhten Beratungsbedarf, weil sich viele Patienten eher eine Impfung mit dem Biontech-Vakzin wünschten, berichten Ärzte. Einige sind zudem irritiert über die Verteilung. Denn das Solinger Impfzentrum soll wie berichtet ab Ende April vom Land nur noch Impfstoff von Biontech erhalten. Das Vakzin von Astrazeneca soll dagegen verstärkt über die Apotheken an die Hausarztpraxen geliefert werden.

„Es ist eine Frechheit, jetzt alles wieder über den Haufen zu werfen.“

Dr. Bernd Koslowski

Über diese Regelung ist Dr. Bernd Koslowski entsetzt. Er hätte kein Verständnis dafür, falls er Zweitimpfungen mit Astrazeneca machen müsste. „Die Vakzine zu mischen, dafür gibt es keinen wissenschaftlichen Hintergrund, das sollte ohne Not nicht passieren.“ Da die Impfungen in den vergangenen zwei Wochen mit Biontech durchgeführt wurden und die Praxen Erfahrung mit der Aufbereitung der Impfdosen haben, sei es sinnvoll, zukünftig weiter damit zu impfen. „Es ist eine Frechheit, jetzt alles wieder über den Haufen zu werfen.“

Udo Stock ist der organisatorische Leiter des Impfzentrums.

Davon betroffen seien möglicherweise auch vereinbarte Impftermine, denn das Vakzin von Astrazeneca könne nicht für Patienten unter 60 Jahren eingesetzt werden. Von einer Ausnahmeregelung – nach individueller Beratung kann Astrazeneca auch für jüngere Patienten eingesetzt werden – will er keinen Gebrauch machen, da die Haftungsfrage völlig ungeklärt sei.

„Wir Hausärzte impfen parallel zum normalen Betrieb, das erfordert viel Planung und Organisation“, betont Koslowski. Diese organisatorischen Herausforderungen bestätigt auch Dr. Christoph Zenses. „Es gibt derzeit jede Woche eine neue Information, was von den Praxen bestellt werden kann.“ Diese Woche etwa sei nur sehr wenig Impfstoff angekommen. „Wenn das Verhältnis und die Menge der Impfstoffe jede Woche wechseln, müssen wir Termine wieder umlegen oder Rezepte umschreiben. Das ist alles schwer zu planen.“

Klar ist: Bei Personen ab 60 Jahren, die eine Erstimpfung mit Astrazeneca erhalten haben, soll auch die Zweitimpfung mit Astrazeneca erfolgen – vorbehaltlich medizinischer Gründe. Bei Personen unter 60 Jahren, die eine Erstimpfung mit Astrazeneca erhalten haben, erfolgt eine Zweitimpfung entsprechend der Empfehlung der Ständigen Impfkommission mit einem mRNA-Impfstoff (Biontech oder Moderna) in einem Abstand von zwölf Wochen. Das berichtet der Leiter des Solinger Impfzentrums, Udo Stock, mit Verweis auf einen aktuellen Erlass des Gesundheitsministeriums.

Selbst wenn die Hausärzte nun bald vermehrt impfen können, geht Stock davon aus, dass auch das Solinger Impfzentrum noch eine Weile gebraucht wird. Im Moment habe das Gesundheitsministerium NRW nur verbindliche Lieferzusagen bis zum 2. Mai. „Es müsste im zweiten Quartal aber noch eine Menge Impfstoff kommen“, erklärt Stock.

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