Pandemie

Solingen: Holpriger Start ins Distanzlernen

Seit dieser Woche lernen die meisten Solinger Schüler wieder ausschließlich zu Hause. Für die Jahrgänge 1 bis 6 gibt es eine Notbetreuung an den Schulen. Foto: Christian Beier
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Seit dieser Woche lernen die meisten Solinger Schüler wieder ausschließlich zu Hause. Für die Jahrgänge 1 bis 6 gibt es eine Notbetreuung an den Schulen.

Solinger Schulen setzen auf Unterricht über Videokonferenzen, Lernplattformen und telefonischen Kontakt.

Von Anja Kriskofski

Solingen. An vielen Solinger Schulen hat am Montag der Distanzunterricht begonnen. Einige starten erst am Mittwoch, um das Lernen zu Hause noch vorzubereiten. Der Auftakt verlief nicht ohne Probleme. So waren einige der Lernplattformen wie Sdui der Vielzahl der Zugriffe nicht gewachsen. Auch manches Videokonferenz-System funktionierte nicht. „Es hat etwas geruckelt“, sagte Alexander Lübeck, Direktor des Humboldtgymnasiums. „Aber der Einstieg war besser als gedacht.“

Vorläufig bis 31. Januar hat das NRW-Schulministerium Distanzunterricht angesetzt. Nur für die Jahrgänge 1 bis 6 gibt es eine Notbetreuung. Das Lernen zu Hause setzen die Schulen unterschiedlich um: mit durchgängigem Unterricht via Videokonferenz, einzelnen Onlinestunden, Lernplattformen oder Materialpaketen mit ausgedruckten Arbeitsblättern.

An der Alexander-Coppel-Gesamtschule liefen am Montag noch die Vorbereitungen. Nach Problemen mit zwei Lernplattformen habe die Schule nun Microsoft Teams eingeführt, berichtete Schulleiter Andreas Tempel. Von der Software, mit der auch Videokonferenzen möglich sind, hat die Stadt Solingen 10 000 Lizenzen angeschafft. „Nach Sdui und Logineo ist es bereits das dritte System, in das sich die Kollegen einarbeiten müssen. Wir brauchten die Zeit, damit das ab Mittwoch laufen kann.“ Zudem seien abgespeckte Stundenpläne erstellt worden. Ab Mittwoch sollen die Schüler mit einer Mischung aus Videokonferenzen und digitalen Aufgaben unterrichtet werden.

Auch am Humboldtgymnasium setzt das Kollegium auf eine Kombination aus Videokonferenzen und Aufgaben, die über die Lernplattform Moodle ausgetauscht werden. Die Kommunikation laufe wie an vielen Schulen über Sdui, erklärt Schulleiter Lübeck. Wegen Überlastung sei das am Montag aber nicht gut gelaufen. Beim Videokonferenz-System Bigbluebutton habe es teils Probleme mit der Kamera-Zuschaltung gegeben.

Die Humboldtschüler arbeiteten bis Ende Januar nun mit Wochenplänen, orientiert am Stundenplan. Sie sollten täglich ab 8.30 Uhr anfangen zu arbeiten – je nach Vorgabe des Lehrers bei Moodle oder in einer Videokonferenz, beschreibt Lübeck die Rahmenbedingungen. Feedback der Lehrer gebe es unter anderem über Chats.

Solingen: Lehrer sollen nachhaken, damit Schüler nicht abtauchen

Die Friedrich-Albert-Lange-Schule startete am Montag ebenfalls mit dem Distanzunterricht. Lehrer und Schüler hatten allerdings mit Problemen bei der deutschlandweiten Schulcloud HPI zu kämpfen. „Sie ist heute bereits zweimal zusammengebrochen“, berichtete Schulleiter Peter Wirtz am Montagmittag. Die Videokonferenzen über MS Teams hätten jedoch funktioniert.

Ob der Unterricht online am Bildschirm stattfindet oder ob Projektaufgaben und Lehrmaterial über die Plattform bereitgestellt werden, entscheide jeder Lehrer selbst. Von der Schulpflegschaft – der Elternvertretung – soll es Ende der Woche eine Rückmeldung geben, wie das erneute Distanzlernen klappt. „Nach all der Zeit haben wir auch einen guten Blick dafür, bei welchen Schülern wir genauer hingucken müssen.“ Wenn keine Rückmeldung kommt, soll per Telefon nachgefragt werden.

„Das Allerwichtigste ist, dass wir den Kontakt zu den Kindern halten“, sagt auch Sabine Riffi, Rektorin der Grundschule Uhlandstraße und eine der Sprecherinnen der Schulform. Auch an ihrer Schule gebe es Videokonferenzen, „aber in einem für Grundschulkinder angemessenen Rahmen.“ So gebe es pro Woche in der Regel drei Online-Kontakte in kleinen Gruppen. Dort soll Organisatorisches ebenso besprochen werden wie Unterrichtsthemen.

„Wer bei diesen Terminen nicht dabei sein kann, muss nicht verzweifeln“, betont Riffi. Auch am Telefon sei vieles möglich, zum Beispiel der Klassenlehrerin etwas vorzulesen. „Das wird alles von Woche zu Woche sicher besser laufen. Wir müssen alle sehr flexibel sein.“ 

In der vergangenen Woche sahen sich die Schulen gut auf den digitalen Unterricht auf Distanz vorbereitet.

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Notbetreuung

Für Schüler der Jahrgänge 1 bis 6 gibt es eine Notbetreuung. An den weiterführenden Schulen sind dafür jedoch nur wenige Kinder angemeldet: An der Alexander-Coppel-Gesamtschule waren es am Montag 4, am Humboldtgymnasium 15, an der Fals 12. An der Grundschule Uhlandstraße würden derzeit 59 Schüler betreut, so Rektorin Sabine Riffi.

Standpunkt

anja.kriskofski@solinger-tageblatt.de

Ein Kommentar von Anja Kriskofski

Für Schüler, Lehrer und Eltern bringt das neue Jahr ein Déjà-vu. Wie im Frühjahr 2020 sind die Schulen erneut geschlossen. Ein Vergleich der Infektions- und Todeszahlen heute mit damals zeigt, dass das wohl nötig ist. Ist beim Distanzunterricht nun alles wie im ersten Lockdown? Nein. Schulen und Familien sind nun besser vorbereitet. Die Stadt Solingen hat dafür gesorgt, dass bedürftige Kinder und Jugendliche mit einem Leih-Tablet ausgestattet wurden. Die Schulen haben ebenfalls Geräte angeschafft, mit der Spendenaktion „Hey, Alter!“ haben Ehrenamtliche für weitere Unterstützung in Form von gebrauchten Computern und Laptops gesorgt. Und die Kollegien haben pädagogische Konzepte für das Distanzlernen erarbeitet. Alles super also? Nein. Der Start am Montag verlief holprig, viele Lernplattformen und Videokonferenz-Systeme müssen ihre Tauglichkeit im massenhaften Praxistest erst beweisen. Doch selbst wenn sie laufen, können sie nicht ersetzen, was Schule ausmacht: den persönlichen Kontakt zwischen Lehrern und Schülern, den Austausch von Kindern und Jugendlichen untereinander. Nach zehn Monaten Pandemie fehlt das besonders.

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