Pandemie

Coronavirus: Bethanien testet täglich 120 Menschen

Bethanien hat für die Infektions-Ambulanz einen eigenen Wartebereich in Zelten sowie spezielle Parkplätze eingerichtet.
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Bethanien hat für die Infektions-Ambulanz einen eigenen Wartebereich in Zelten sowie spezielle Parkplätze eingerichtet.

Prof. Dr. Winfried Randerath erklärt, warum ein Coronatest nicht sofort aussagekräftig ist.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Die Lungenfachklinik ist derzeit die zentrale Anlaufstelle zum Thema Corona. „Dort werden alle Tests, die von den Hausärzten oder dem Gesundheitsamt empfohlen werden, durchgeführt“, erklärt Stadt-Sprecherin Birgit Wenning. Die Stadt Solingen oder das Gesundheitsamt führen keine Tests durch.

Zwischen 100 und 120 Personen testet das Bethanien-Team von Chefarzt Prof. Dr. Winfried Randerath derzeit jeden Tag. „Das sind Solinger, die ambulant zu uns kommen, aber auch Patienten, die stationär bei uns aufgenommen sind und Symptome eines Infekts zeigen“, so der Facharzt.

Die Klinik müsse durchaus restriktiv mit den Tests sein. „Die Materialien sind knapp. Derzeit bekommen wir zwar etwa 100 Test-Sets pro Tag geliefert, es ist aber unklar, ob es in diesem Umfang weitergeht“, sagt Randerath.

Deshalb muss man sich in Bethanien darauf beschränken, die Menschen zu testen, bei denen es einen wirklichen Grund gibt. Die Kriterien dafür seien ganz klar vom Robert-Koch-Institut festgelegt, erklärt Randerath.

Solingen: Wer wird getestet?

Getestet werden: 

1. Menschen, die Symptome haben und aus einem Gebiet mit hoher Coronafrequenz eingereist sind, etwa aus Italien oder den Skigebieten Tirols.

2. Menschen, die Symptome haben und persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, die positiv auf Covid-19 getestet ist. 

3. Menschen mit Verdacht auf Lungenentzündung oder eine andere schwere Infektion, auch wenn kein Kontakt zu einem Infizierten oder einem Risikogebiet bestand.

Ob jemand getestet wird, liegt nach wie vor im Ermessen des Hausarztes, der im Verdachtsfall als Erster telefonisch kontaktiert werden soll. „Der Hausarzt nimmt dann Kontakt zum Gesundheitsamt auf“, erklärt Birgit Wenning. Um die vielen Anfragen zu beantworten, ist der Stadtdienst Gesundheit derzeit personell deutlich aufgestockt worden, etwa mit Mitarbeitern aus anderen, momentan geschlossenen, Bereichen der Stadt Solingen.

Wann ist ein Test sinnvoll?

Es sei verständlich, dass viele Solinger in Sorge sind und sich aus einem Sicherheitsbedürfnis heraus testen lassen möchten, räumt der Lungen-Facharzt ein. Einen Test zu machen, etwa einen Tag nachdem man mit einem Corona-Infizierten in Kontakt stand, bringe aber noch gar keine Aussage. „Wer Kontakt hatte, muss ohnehin Quarantäne halten, das wird vom Gesundheitsamt veranlasst.“

Wann können Symtome auftreten?

Wer sich also am „Tag 1“ ansteckt, hat am „Tag 2“ noch keine vermehrten Keime im Körper, die in einem Test festgestellt werden könnten. „Es kann ein paar Tage, sogar bis zu 14 Tage, die sogenannte Inkubationszeit, dauern, bis Symptome auftreten“, so Randerath. Wenn, dann sei ein Test bestenfalls am Ende der 14-tägigen Quarantänezeit sinnvoll. „Das sollte dann in Absprache mit dem Gesundheitsamt geschehen.“

Was sind die Symptome?

Die Symptome, auf die man im Verdachtsfall achten soll, sind Fieber, Husten, Lungenprobleme, Halskratzen, aber auch Durchfall kann ein Symptom von Covid-19 sein.

An der Lungenfachklinik Bethanien in Aufderhöhe hat der Malteser Hilfsdienst mit Zelten einen Wartebereich für Menschen, die getestet werden sollen, aufgebaut. „Nach ersten Anlaufschwierigkeiten am Montag ist der Ablauf jetzt sehr gut“, erklärt der Chefarzt. Es gebe kaum noch Wartezeiten. „Damit die Menschen mit möglichst großem Abstand warten können, hat die Feuerwehr zwei weitere Zelte aufgebaut.

Im ersten Zelt erfolgt die Anmeldung, An der zweiten Station werden Blutdruck, Puls, Fieber und Sauerstoff gemessen. Dann erfolgt die Untersuchung durch den Arzt, der auch den Abstrich macht. Anfangs lag das Ergebnis bereits am nächsten Tag vor. Wegen der großen Nachfrage dauert es jetzt zwei Tage. „Wir bitten die Getesteten, nicht anzurufen, wir melden uns an dem Tag, an dem das Testergebnis eintrifft“, bittet Randerath, die Leitungen nicht zu blockieren.

Reihum wechseln sich auch die Solinger Kinderärzte ab, um nachmittags Kinder in Bethanien zu testen. Die Anzahl sei noch nicht sehr hoch und ist in den etwa 120 Tests pro Tag eingeschlossen. 

In unserem Live-Blog finden Sie aktuelle Informationen zu Entwicklungen rund um das Coronavirus in Solingen. Der Blog wird laufend aktualisiert.

SELBSTTESTS

INTERNET Derzeit werden im Internet auch Test-Sets für den Eigengebrauch angeboten.

EMPFEHLUNG Prof. Dr. Winfried Randerath rät von der Nutzung ab. „Die geben keine Sicherheit. Es ist unklar ob die Tests ein Prüfsiegel haben und ob Anwendung und der richtige Test-Zeitpunkt korrekt sind.“

Standpunkt: Es geht nur mit Solidarität

simone.theyssen-speich@solinger-tageblatt.de

Ein Kommentar von Simone Theyßen-Speich

Corona ist das beherrschende Thema – in den Familien, am Arbeitsplatz, bei Gesprächen unter Freunden, die jetzt ja nur noch am Telefon oder per WhatsApp stattfinden, – und derzeit auch in unserer Zeitung. Natürlich gibt es Spekulationen darüber, welche Maßnahmen noch erforderlich sein werden, bevor das Virus eingedämmt werden kann. 

Aber immer mehr setzt sich auch die Einsicht durch, dass die derzeitige Situation nur mit großem Einsatz aller, gegenseitiger Rücksichtnahme und Solidarität gemeistert werden kann. Dazu gehört, zum Test nach Bethanien nur dann zu gehen, wenn es vom Gesundheitsamt vorgegeben wird. Dazu gehört, Absperrbänder an den Spielplätzen nicht abzureißen, um Kinder trotzdem dort spielen zu lassen. Und dazu gehört ein dickes Dankeschön an alle Mitarbeiter in den Kliniken, bei der Stadt und alle sonstigen Helfer, die derzeit Großartiges leisten.

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