Coronavirus

Bei den Intensivbetten wird es enger

Intensivpfleger Marek Wodicka ist im Klinikum im Vollschutz auch in den Coronazimmern der Intensivstation im Einsatz. Archivfoto: Michael Schütz
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Intensivpfleger Marek Wodicka ist im Klinikum im Vollschutz auch in den Coronazimmern der Intensivstation im Einsatz.

Corona-Patienten, die stationär behandelt werden müssen, werden deutlich jünger.

Solingen. Zum Wochenende ist die Zahl der Menschen, die wegen einer Covid-19-Erkrankung im Krankenhaus behandelt werden müssen, und die Zahl der Verstorbenen gestiegen. Die drei Solinger Kliniken schlagen noch keinen Alarm, aber die Situation auf den Intensivstationen wird langsam enger.

In der Lungenfachklinik Bethanien, die den Großteil der Solinger Covid-19-Patienten betreut, waren – Stand Freitagmorgen – 25 Intensivbetten belegt, davon 14 mit Corona-Fällen. Insgesamt hat man in der Aufderhöher Klinik 34 Intensivzimmer, auf denen 34 Patienten einzeln isoliert werden können. „Bei der Deutschen Gesellschaft für Intensivmedizin haben wir aber nur 30 Betten angegeben“, erklärt Oberarzt Georgios Sofianos. Bei noch höherer Belegung werde es mit dem Personal eng. „Aber für einige Tage könnten wir auch auf 33 oder 34 Patienten hochgehen“, so Sofianos.

„Noch ist alles händelbar.“

Georgios Sofianos, Bethanien-Oberarzt

Auf der Intensivstation sind alle Zimmer mit Schleusen abgesichert, der Corona-Bereich mit seinen 16 Betten ist baulich getrennt. Auch weitere Bereiche der Station hat man schon abgetrennt, um sie notfalls für infektiöse Patienten nutzen zu können. „Wenn die Zahlen weiter hochgehen, müssen wir ausweiten“, so der Oberarzt. Aber 50 Corona-Patienten – bei doppelt belegten Zimmern – seien mit dem aktuellen Personal nicht zu stemmen. Es gebe aber schon Gespräche mit der Stadt, um kurzfristig ärztliches und pflegerisches Personal aufstocken zu können. Denn nicht die fehlende Technik, sondern der Personalmangel stelle im Notfall den Engpass dar. Verschärft auch dadurch, dass im vergangenen Jahr der Schlüssel von zweieinhalb Intensiv-Patienten pro Pfleger auf jetzt zwei geändert wurde.

„Die aktuelle Kapazität der Intensivstation mit etwa 13 Prozent freien Betten zeigt, dass die Situation langsam enger wird“, so Sofianos. „Aber noch ist alles händelbar.“ Weitere Covid-Patienten, die nicht so schwer erkrankt sind, liegen auf der Infektionsstation von Bethanien. Am Freitag waren es 29 – nicht nur aus Solingen, sondern auch von außerhalb.

In Absprache mit den anderen Kliniken versuche der Rettungsdienst, Corona-Patienten primär nach Bethanien zu bringen. „Der Austausch der Häuser ist da sehr gut.“

Auffällig ist, dass die Corona-Patienten auf den Intensivstationen jünger werden. „Im Schnitt sind sie 60 bis 70 Jahre alt und damit zehn Jahre jünger als zu Beginn der Pandemie“, so der Oberarzt. Auch 30- und 40-Jährige mussten schon behandelt werden. „Das bedeutet aber auch, dass die jüngeren Patienten eine längere Liegedauer auf der Intensivstation haben“, betont Dr. Annette Heibges, Leiterin des Stadtdienstes Gesundheit.

Solingen: Klinikum kann Intensivkapazitäten im Notfall deutlich aufstocken

Das Städtische Klinikum hat aktuell 32 Intensivbetten. „Die beatmungspflichtigen Covid-Patienten werden auf der Operativen Intensivstation behandelt, wo 16 Betten zur Verfügung stehen“, erklärt der Medizinische Geschäftsführer Prof. Dr. Thomas Standl. Auch eine Ausweitung auf die Internistische Intensivstation sei möglich. Die Bettenkapazitäten können bei Bedarf auch aufgestockt werden. „Bei den Intensivkapazitäten kann innerhalb von wenigen Tagen eine Aufstockung auf 48 Betten erfolgen.“ Dafür reiche die technische Ausstattung.

Am Freitag gab es im Klinikum keinen intensivpflichtigen Corona-Patienten. Acht bis zehn Covid-Patienten sind aber auf der Isolier- und Infektionsstation. „Auch auf anderen Stationen gibt es vereinzelte Patienten in Quarantäne“, so Prof. Standl.

Auch im Klinikum sei die Personalbesetzung der Engpass. „Wir setzen auf maximale Flexibilität, um personelle Engpässe aufzufangen, etwa durch qualifiziertes Personal aus dem Anästhesie- und OP-Bereich.“ Da bereits 1000 Klinikum-Mitarbeiter geimpft wurden, seien Engpässe durch erkranktes Personal oder Mitarbeiter in Quarantäne deutlich zurückgegangen. „Zusammen mit Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen konnten auch vorsichtige Lockerungen, etwa der Besuch der Väter auf der Neugeborenenstation, eingeführt werden.“

In der Ohligser St. Lukas Klinik sind derzeit alle zehn Intensivbetten belegt – allesamt Patienten ohne Corona-Infektion, weist Kplus-Sprecherin Cerstin Tschirner auch auf zahlreiche andere schwere Erkrankungen hin, die behandelt werden müssen. Von den zwölf Betten der Schlaganfallstation sind elf belegt. „Maximal können wir auf 16 Beatmungsplätze erweitern.“

Standpunkt

simone.theyssen-speich@solinger-tageblatt.de

Kommentar von Simone Theyßen-Speich

Die Zahl der Menschen, die aktuell mit einer schweren Covid-19-Erkrankung stationär behandelt werden müssen, und die damit verbundene Auslastung – oder Überlastung – der Intensivstationen, ist eine wichtige Messzahl beim Kampf gegen die Pandemie. Diese muss man verstärkt im Auge behalten, damit das Gesundheitssystem und alle, die darin Tag für Tag arbeiten, nicht kollabieren. Die Zahl ist ebenso wichtig wie der R-Wert, also die Feststellung, wie viele andere Menschen ein Infizierter ansteckt. Auch die Quarantänezahl ist bedeutend, gibt sie doch einen Anhaltspunkt dafür, wie viele Menschen vom städtischen Gesundheitsamt betreut und wie viele Kontakte nachverfolgt werden müssen. Und die Todeszahl, die zuletzt stagnierte – am Wochenende in Solingen aber wieder stieg – ist ein vorsichtiges Indiz dafür, dass jetzt auch jüngere Menschen schwer erkranken, aber die Mortalität in dieser Altersgruppe nicht so hoch ist. All diese Zahlen müssen berücksichtig werden bei Diskussionen über neue Konzepte, Lockerungen oder Verschärfungen. Der tägliche angstvolle Blick alleine auf die Inzidenz reicht da nicht mehr aus.

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