Corona-Pandemie

Nur wenige Solinger Apotheken wollen impfen

Apothekerin Hayat Bouzian ist bereits für Grippeimpfungen geschult und wird auch bei Corona-Impfungen unterstützen.
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Apothekerin Hayat Bouzian ist bereits für Grippeimpfungen geschult und wird auch bei Corona-Impfungen unterstützen.

Auch in Apotheken soll bald geimpft werden. Doch das Interesse der Solinger Apotheker ist eher gering. Grund dafür sind unter anderem fehlende Impfstoffe und die große Belastung für die Mitarbeiter.

Von Anja Kriskofski

Solingen. Um noch mehr Menschen gegen das Corona-Virus zu immunisieren, sollen auch die Apotheken in die Impfungen einsteigen. In dieser Woche sollen die ersten Schulungen stattfinden, teilt die Apothekerkammer Nordrhein mit. Doch das Interesse der Apotheker in der Klingenstadt ist eher verhalten. Viele verweisen darauf, dass schon für die Arztpraxen nicht genug Impfstoff zur Verfügung stehe. „Was hat es für einen Sinn, den vorhandenen Impfstoff auf noch mehr Schultern zu verteilen, wenn wir schon für die Ärzte nicht genug bekommen?“, fragt Kreisvertrauensapotheker Christian Veithen. „Das ist in meinen Augen falsch.“ Wie viele Solinger Apotheken Corona-Impfungen anbieten werden, könne er nicht sagen.

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Mit den Impfungen unterstützen wir die Arztpraxen.

Hayat Bouzian angestellte Apothekerin

Einer, der mitimpfen möchte, ist Apotheker Necattin Topel von der Merscheider Apotheke. Die angestellte Apothekerin Hayat Bouzian sei bereits für die Grippeimpfung geschult worden. Im Rahmen eines Modellprojekts können sich Versicherte bestimmter gesetzlicher Kassen in Apotheken gegen Influenza immunisieren lassen. Bouzian darf auch Corona-Vakzine verimpfen. „Damit unterstützen wir die Arztpraxen“, sagt die Apothekerin. Sie sehe das nicht als Konkurrenz.

Ihr Chef Necattin Topel geht davon aus, dass die Impf-Kontingente an die Apotheken noch gesteigert werden. „Für die Impfung bei uns müssen dann Termine vereinbart werden.“ Kunden könnten sich bereits auf einer Warteliste vormerken lassen.

Probleme bei einer Impfung in der Apotheke

Kreisvertrauensapotheker Veithen will nicht impfen. „Ärzte haben das gelernt und wissen auch mit Problemen umzugehen. Ich als Apotheker sehe mich dazu nicht in der Lage. “ In seiner St. Michael Apotheke an der Grünewalder Straße fehlten zudem geeignete Räume. Und: Der Impfstoff reiche bereits jetzt nicht aus, argumentiert er. Bestelle eine Praxis 50 Dosen Biontech über seine Apotheke, bekomme er oft nur 15 geliefert.

Auch Apotheker Alexander Bauer (Alexander Apotheke, Turm-Apotheke) verweist darauf, dass man bereits jetzt Impfstoffe für die zu beliefernden Arztpraxen kürzen müsse. „Wir machen deshalb bei den Impfungen nicht mit.“ Hinzu komme, dass sein Personal bereits jetzt stark beansprucht sei. „Ich will nicht noch eine neue Baustelle aufmachen.“

Apotheker Peter Scholl, Inhaber von Mühlenhof- und Hubertus-Apotheke, spricht ebenfalls von einer extremen Belastung bei seinem Team. „Wir haben so schon jede Menge zu tun.“ Zwar habe man die notwendige Schulung bereits für die Grippeimpfung absolviert. „Aber es muss noch viel Organisatorisches geklärt werden. Da wurde vieles mit heißer Nadel gestrickt.“

Ob er sich an den Corona-Schutzimpfungen beteiligt, wolle er entscheiden, wenn alle Rahmenbedingungen feststünden. „Und wenn ich den Ärzten damit nichts wegnehme.“ Denn auch er bekomme weniger Biontech-Impfstoff, als die Praxen bei ihm bestellen.

In NRW ist das Interesse der Apotheker groß

Die Apothekerkammer schätzt, dass Ende Januar 4000 Apotheker und Apothekerinnen in ganz NRW für Corona-Impfungen geschult seien. Das Interesse an den kostenlosen Schulungen sei groß, heißt es in einer Pressemitteilung. Derzeit würden noch Detailfragen geklärt. „Wir gehen davon aus, dass die entsprechenden Formulare und Anwendungen Ende dieser Woche stehen. Anschließend können die Apotheken Impfstoff ordern – wobei sie den Ärzten und Impfzentren keine Kontingente wegnehmen – und direkt mit dem wichtigen Kampf gegen das Virus beginnen“, erklärt Dr. Stefan Derix, Geschäftsführer der Apothekerkammer Nordrhein.

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Schulungen

Laut Apothekerkammer Nordrhein können bis Ende Januar bis zu 1400 Apotheker und Apothekerinnen für die Corona-Schutzimpfung geschult werden. In Westfalen-Lippe gebe es rund 1200 Plätze. 1400 Apotheker und Apothekerinnen in NRW seien bereits für das Modellprojekt Grippe-Schutzimpfung geschult worden.

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