Coronavirus

Ärzte entscheiden über vierte Impfung

Dr. Wolfgang Pauls ist einer der acht Mediziner, die derzeit regelmäßig als Impfärzte im Impfzentrum im Einsatz sind.
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Dr. Wolfgang Pauls ist einer der acht Mediziner, die derzeit regelmäßig als Impfärzte im Impfzentrum im Einsatz sind.

Für den zweiten Booster bei Personen zwischen 60 und 70 Jahren gibt es noch keine Stiko-Empfehlung. Diese Personengruppen sollten dennoch eine Impfung bekommen.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Die EU-Gesundheitsbehörden empfehlen allen Bürgern ab 60 Jahren die vierte Impfung gegen das Coronavirus, die Ständige Impfkommission (Stiko) hat die Empfehlung für den zweiten Booster bislang für alle über 70 Jahren, Menschen mit Vorerkrankungen und medizinisches Personal ausgesprochen. Sich aber schon früher den zweiten Booster geben zu lassen, ist auch in Solingen Thema im Impfzentrum und in den Arztpraxen.

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Von den 200 bis 300 Solingerinnen und Solingern, die sich derzeit pro Woche im Impfzentrum im ehemaligen P&C-Gebäude impfen lassen, erhalten etwa 60 Prozent schon ihren zweiten Booster. „Etwa zehn Prozent sind Erstimpfungen, zehn Prozent Zweitimpfungen und 20 Prozent die erste Booster-Impfung“, skizziert Stadt-Sprecher Daniel Hadrys die Situation.

Diese Personen sollten eine vierte Impfung erhalten

Ob aber die vierte Impfung derzeit nur an Personen über 70 Jahre oder Vorerkrankte vergeben wird, das werde in Solingen nicht einheitlich gehandhabt, weiß Dr. Stefan Kochen, Leiter des Ärztenetzwerks Solimed. „Einige Kollegen halten sich streng an die Stiko-Empfehlung, die aber vermutlich demnächst auch auf Personen ab 60 Jahren erweitert wird“, so Kochen. „Wir in unserer Praxis sind Impf-Befürworter und impfen auch ab 60 Jahre.“ Bei jüngeren Menschen, etwa nach einer Brustkrebs-Erkrankung, sei der Booster zudem auch sehr sinnvoll.

Grundsätzlich sei die vierte Impfung bei Jüngeren eine Risiko-Nutzen-Abwägung. „Aber bei den hohen Fallzahlen, die als Dunkelziffer sicherlich bei 3000 oder 4000 liegen, wird auch die Gefahr einer Infektion und von Long-Covid und damit der Nutzen durch die Impfung wieder größer“, rechnet Dr. Kochen vor.

Grundsätzlich seien die Menschen, die beispielsweise schon vor sechs Monaten ihre dritte Impfung erhalten haben, aber immer noch „sehr gut gegen schwere Krankheitsverläufe geschützt“. „Andererseits wissen wir, dass man sich mit der Omikron-Variante auch vier Wochen nach einer Infektion schon wieder anstecken kann. Ich würde deshalb auch Jüngere ein viertes Mal impfen, etwa Lehrer, Erzieher und Personen mit vielen Sozialkontakten, aber das ist derzeit noch jenseits der normalen Empfehlung.“ Grundsätzlich liege die Impfung immer in der individuellen Verantwortung jedes Arztes, der letztlich auch die
juristische Verantwortung trage.

Im Impfzentrum wird die vierte Impfung regulär Menschen ab 70 Jahren gegeben. „Aber wenn gewünscht, impfen wir auch ab 60“, geht Dr. Dagobert Januschke davon aus, dass die dementsprechende Stiko-Empfehlung bald kommt. Der medizinische Leiter des Impfzentrums koordiniert die acht Impfärzte, die dort abwechselnd an drei Tagen pro Woche im Einsatz sind. Das Angebot im Impfzentrum wird noch bis zum 31. August vorgehalten. „Danach wird es stationäre und mobile Impfstellen geben, wo genau, gibt die Stadt noch bekannt“, so Daniel Hadrys.

173 Mitarbeiter wurden im Klinikum zum vierten Mal geimpft

Weit verbreitet ist die vierte Impfung schon bei dem medizinischen Personal in den Kliniken und Praxen. „Viele unserer Mitarbeitenden sind bereits zum vierten Mal geimpft“, erklärt Cerstin Tschirner, Sprecherin der Kplus Gruppe. Große Impftage wie in der Vergangenheit würden nicht mehr angeboten. „Man bekommt jetzt unproblematisch Termine im Impfzentrum oder kann die Impfung über den Hausarzt bekommen“, so Tschirner. Das Vorgehen sei mit der Mitarbeitervertretung so abgestimmt.

Da man im Städtischen Klinikum schon sehr früh, im August 2021, mit den dritten Impfungen begonnen hat, habe man dort auch ab Januar bereits die vierten Impfungen verimpft, erklärt Klinikum-Sprecherin Karin Morawietz. 173 Mitarbeiter wurden im Klinikum zum vierten Mal geimpft, andere bei den Hausärzten. Ein deutlich größerer Anteil sei entsprechend der aktuellen Empfehlung durch eine durchgemachte Covid-Infektion noch aktuell geschützt.

Impfungen

Impfzentrum: Impfungen ohne Termin mittwochs und freitags von 10 bis 18 Uhr, samstags von 10 bis 16 Uhr. Verimpft werden Vakzine von Biontech und Moderna.

Kinderimpfung: Kinder von 5 bis 11 Jahre werden ohne Termin samstags von 10 bis 16 Uhr geimpft.

Mobile Impfaktionen: „Wir wollen jetzt wieder mit Impfaktionen beginnen, etwa am Bahnhof oder bei McDonald’s“,
erklärt Robert Krüger, organisatorischer Leiter des Impfzentrums. So sei man beispielsweise beim Christopher-Street-Day
am 30. Juli im Südpark mit einem Impfstand dabei.

Standpunkt von Simone Theyßen-Speich: Impfansturm entzerren

simone.theyssen-speich@solinger-tageblatt.de

Seit anderthalb Jahren laufen Kampagnen und Aktionen, damit sich möglichst viele gegen Corona impfen lassen. Da ist es nachvollziehbar, wenn Menschen, die sich jetzt mit der vierten Impfung zusätzlich schützen möchten, erstaunt sind, weil nicht alle Ärzte Personen unter 70 Jahren impfen.

Sicherlich muss die Impfentscheidung letztendlich vom Arzt getroffen werden, der sie im Zweifel auch verantworten muss. Aber da die EU-Gesundheitsbehörden die vierte Impfung empfehlen, sollte sie zumindest Menschen ab 60 Jahren zugängig sein.

Erst noch auf einen angepassten Omikron-Impfstoff zu warten, ist riskant. Unklar ist, wann er kommt und ob er tatsächlich wirksamer gegen die dann vorherrschende Mutation ist. Auf jeden Fall kann jede Impfung jetzt einen möglichen Ansturm auf die Impfzentren im Herbst entzerren. Die müssen Ende August ja auch erstmal wieder geschlossen werden – bis zur nächsten Öffnung bei der nächsten Welle.

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