Pandemie

Corona-Tests: Nachweise müssen vorgezeigt werden

Die Corona-Teststation am Klinikum wird von pm2am betrieben, die zunächst keine 3 Euro für die Schnelltests erheben werden.
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Die Corona-Teststation am Klinikum wird von pm2am betrieben, die zunächst keine 3 Euro für die Schnelltests erheben werden.

Die Corona-Bürgertest sind nicht mehr für alle kostenlos. Das sorgt für Probleme und mehr Organisationsaufwand. So wollen die Teststellen den Anspruch auf eine kostenlose Testung kontrollieren.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Die Corona-Inzidenz liegt seit einer Woche über 1000, am Freitag bei 1030,8. Und das städtische Gesundheitsamt geht von einer hohen Dunkelziffer aus. Seit am Donnerstag die kostenlosen Bürgertests weggefallen sind, wird die Testbereitschaft vermutlich sinken – und damit auch die Inzidenz. „Der Inzidenz-Wert bildet dann nicht mehr das reale Infektionsgeschehen ab, valide Aussagen zur Fallzahlentwicklung sind dann kaum möglich“, so Stadtsprecherin Stefanie Mergehenn.

Das befürchtet auch Dr. Georgios Sofianos, Oberarzt in der Lungenfachklinik Bethanien. „Bei steigenden Fallzahlen weniger zu testen, ist schlecht“, bringt er es auf den Punkt. Denn er sieht auch im täglichen Klinikalltag die wieder wachsende Zahl an Corona-Patienten. „In dieser Woche hatten wir 13 Covid-Patienten im Haus, vier davon auf der Intensivstation. „Das sind wieder deutlich mehr als vergangene Woche.“

Krankenhäuser stellen für Besucher eine Bescheinigung aus

Wer seine Angehörigen im Krankenhaus besuchen möchte, muss nach wie vor – auch bei vorliegendem Impfnachweis – einen tagesaktuellen negativen Corona-Test vorlegen. „Nach der geltenden Corona-Schutzverordnung, die noch bis zum 28. Juli gilt, sind wir verpflichtet, bei Besuchern in Kliniken und Pflegeheimen einen Test vorlegen zu lassen“, erklärt Cerstin Tschirner, Sprecherin der Kplus Gruppe, zu der auch die St. Lukas Klinik gehört. Dort werden derzeit acht Covid-Patienten behandelt, alle auf der Isolierstation – steigende Tendenz.

Die neue Regel bringt auch für die Kliniken zusätzlichen Aufwand. „Da Besucher, die bei uns einen Patienten besuchen möchten, das bei der Teststation ja glaubhaft nachweisen müssen, stellen wir auf Wunsch eine Bescheinigung über den Besuch aus“, erklärt Cerstin Tschirner. Das gelte auch für die Altenheime der Kplus Gruppe. Das sei ein zusätzlicher Aufwand für die Häuser, in denen die Personal-Situation gerade ohnehin schwierig sei. Viele Mitarbeiter seien selbst infiziert, dazu kämen andere Erkrankungen und die Urlaubszeit.

Im Klinikum sind 50 bis 100 Mitarbeiter gleichzeitig infiziert

Im Klinikum fallen derzeit zeitgleich 50 bis 100 Mitarbeiter aus, weil sie positiv getestet sind. Die Zahl der Covid-Patienten liege im Schnitt zwischen 20 und 30. „Das sind bei uns meist Patienten, die wegen anderer Krankheiten behandelt werden und positiv getestet sind, darunter auch Kinder und Schwangere“, erklärt der Medizinische Direktor Prof. Dr. Thomas Standl. Er ist froh, dass die Besucher für die Kliniken den Schnelltest nach wie vor kostenfrei bekommen.

Mit dem zusätzlichen organisatorischen Aufwand ist auch das Testzentrum der Alexander-Apotheke jetzt beschäftigt. „Wir kontrollieren alles genau, machen uns ja sonst haftbar“, legt Inhaber Alexander Bauer großen Wert auf korrekte Dokumentation. Konkret heißt das in seinem Testzentrum auf dem Neumarkt, dass der Schwangerenpass, der positive PCR-Test für eine Freitestung oder das Besuchsschreiben vom Altenheim vorgelegt werden müssen, wenn man einen Gratis-Test haben möchte. „Bei den 3-Euro-Tests lassen wir uns beispielsweise die Konzertkarte zeigen“, so Bauer. Der Aufwand sei enorm. Das sieht auch Dr. Robert Weindl so. In der Chirurgischen Gemeinschaftspraxis bieten sie schon länger keine Teststation mehr an. „Wir sind ja verpflichtet, alle Patienten auch ohne Test zu behandeln, der ist nur bei Operationen verpflichtend“, so Weindl.

Hier finden Sie Teststationen in Solinen

Corona-Tests

Gratis-Tests: Kostenlose Tests bekommen Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können, Schwangere im ersten Schwangerschaftsdrittel, Kinder bis fünf Jahre, Besucher von Kliniken und Pflegeheimen und Menschen, die den Beleg nach einer Corona-Infektion brauchen.

3-Euro-Tests: Diese sind für Besucher von Familienfeiern, Konzerten oder anderen Veranstaltungen, ebenso für Menschen mit roter Corona-Warn-App. Ansonsten muss der Test voll bezahlt werden.

Anbieter: Sie erhalten statt bislang 11,50 nun 9,50 Euro pro Test: Zu den 3 Euro kommen also 6,50 Euro vom Bund.

Standpunkt von Simone Theyßen-Speich: Verantwortung gefragt

simone.theyssen-speich@solinger-tageblatt.de

Natürlich ist es richtig, dass der Staat bei all den anderen Kosten für die Bekämpfung der Corona- und sonstiger Krisen nicht ewig Milliarden für die Tests zuschießen kann. Aber ebenso richtig ist es, dass Tests neben den Impfungen wichtig sind, um immer neue Infektionen und damit auch die Gefahr von Mutationen in den Griff zu bekommen.

Also ist sie jetzt wieder gefragt, die Eigenverantwortung jedes Einzelnen. Es sollte ja auch möglich sein, dass jeder auf sich achtet und bei Symptomen oder auch zwischendurch einen Test macht – die gibt es ja auch in guter Qualität und erschwinglich in jedem Supermarkt.

Wenn die Bereitschaft zu verantwortungsbewusstem Verhalten sich selbst und anderen gegenüber jetzt nicht greift, dann sinkt zwar die offizielle Inzidenz, aber die Zahl der Infektionen und Klinik-Patienten wird wieder wachsen. Und dann wird der Staat wieder mit Maßnahmen eingreifen. Das kann keiner wollen.

Lesen Sie auch: Städtisches Klinikum bietet wieder Kreißsaalführungen an.

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