Gastronomie nach Corona

Solinger Lokale öffnen jetzt ganz schnell

Petra Meis, Tochter Katrin Lucassen und Schwiegersohn Ulf Lucassen – mit Hund Lasse – freuen sich darauf, dass der Betrieb in der Gaststätte Rüdenstein bald wieder losgeht. Foto: Christian Beier
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Petra Meis, Tochter Katrin Lucassen und Schwiegersohn Ulf Lucassen – mit Hund Lasse – freuen sich darauf, dass der Betrieb in der Gaststätte Rüdenstein bald wieder losgeht.

Vom Wartestand in den Schnellzug: Gastronomen sind durch schnelle Lockerungen der Corona-Regeln und fehlende Vorgaben verunsichert.

  • Die Solinger Gastro-Szene wird nun kurzfristig eine Menge Fahrt aufnehmen.
  • Laut Dehoga ist ein Drittel der Betriebe in NRW vor dem Aus
  • Ein Hygienekonzept muss vorgelegt werden.

Von Timo Lemmer

Solingen. Sie dürfen! Aber wie genau? Nachdem die Landesregierung am Mittwochabend erklärt hatte, dass Gastronomen zu großen Teilen ab Montag wieder öffnen dürfen, setzte sich die Unsicherheit für die Solinger Gastronomen erst einmal fort – denn eine genaue Vorgabe, unter welchen Bedingungen geöffnet werden darf, fehlte auch noch am Freitag.

„Wir werden nicht sofort Strafen aussprechen, wenn etwas nicht passt.“

Jan Welzel, Ordnungsdezernent

Das Fehlen klarer Anweisungen vom Land ist auch der Stadt Solingen ein Dorn im Auge. Ordnungsdezernent Jan Welzel (CDU) beruhigt daher Gastronomen, die ab Montag öffnen wollen: „Wir werden nicht sofort Strafen aussprechen, wenn etwas nicht passt. Im Gegenteil: Wir wollen zunächst beratend tätig werden und mit den Inhabern nach Lösungen suchen, wie die Hygiene- und Abstandsregeln umgesetzt werden können.“ Sicherlich sei es aber richtig, die Abstände von 1,5 Metern zwischen den Gästen dort zu gewährleisten, wo das möglich und nötig sei. Im Zweifel müsse man mit Klebestreifen auch Distanzen markieren. Auf der Internetseite der Stadt werde der Krisenstab selbst noch am Wochenende wichtige Informationen zu dem Thema für Gastronomen veröffentlichen, sobald diese vom Land vorliegen. Welzel bittet, dort regelmäßig nach Infos zu schauen.

Solingen: Lockerungen der Corona-Maßnahmen bringt Unsicherheiten für Gastronomen

Die Solinger Gastro-Szene wird nun kurzfristig eine Menge Fahrt aufnehmen. Vom quälend langen Wartestand, als keine Lockerungen der Corona-Maßnahmen in Sicht waren, ging es nun quasi direkt in den Schnellzug – und das mit weiteren Unsicherheiten. Einige Gastronomen kündigten im Internet bereits an, nicht direkt am Montag öffnen zu wollen – das gab es beispielsweise von Pasta Fresca in Wald oder dem New Orleans in Ohligs zu lesen.

Petra Meis und ihr Team der Gaststätte Rüdenstein hatten am Tag der Entscheidung bis spät abends auf Mails des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) gewartet und starteten am Folgetag früh mit den Vorbereitungen - auf Grundlage von Dehoga-Plänen. Meis, die dem freiwilligen Zusammenschluss in Solingen vorsitzt, sagt: „Der Vorlauf ist kurz. Jetzt muss jeder sehen, wie er damit umgeht und wann er wieder aufmacht.“

Solingen: Dehoga: Ein Drittel Betriebe in NRW steht vor Aus

So oder so: Die Lockerungen sind da. Die Lage war aber auch ernst: Ein Drittel der 51 000 Betriebe in NRW stünde laut Dehoga vor dem finalen Aus. Die neue Lage gibt den Betrieben bitternötige Luft zum Atmen, ist aber nicht für alle Geschäfte der große Wurf. Meis erinnert beispielsweise an kleine Läden um die 100 Quadratmeter, bei denen die enge, lauschige Atmosphäre einen wichtigen Teil des Genusses ausmacht. Da sei dann die Frage, ob auf halbierter Fläche mit halbem Umsatz überhaupt die Pacht getragen werden könne.

Die vergangenen Schließungen könnten wie ein Brandbeschleuniger wirken, stand die Branche doch ohnehin schon unter Druck. „Es hat mit der Pandemie allein nicht zu tun, aber es könnte einigen Läden den Rest gegeben“, weiß Meis. Entweder, weil es finanziell nicht mehr geht oder weil Lust und Vertrauen weg sind. Sie beunruhigt das stark, die Vielfalt könnte aussterben. Den traditionsreichen Familienbetrieb am Rüdenstein bedrohe es indes nicht, „wenn es mal zwei, drei Monate keine Einnahmen gibt“.

Die Grundstimmung ist nun aber deutlich aufgehellter als vor einigen Tagen. Der langersehnte Fahrplan ist da, die Öffnung kommt nun sogar schon rasch. Vorbei also die Zeiten, wo nur ein Take-Away-Geschäft möglich war. Meis wird ihre Gaststätte Rüdenstein ab Mittwoch öffnen. Bereits am Sonntag läuft der Verkauf von Kaffee und Kuchen oder Bratwurst und Kaltgetränken im Außenbereich zum Mitnehmen – wie zuletzt auch schon. „Wir starten am Mittwoch durch“, erklärt Meis. Sie freut sich, vielen ihrer Kollegen geht es nicht anders. Die Last ist geringer geworden, alle Sorgen sind aber nicht verflogen. Das betont auch die Dehoga: Der Großverband pocht laut Pressemitteilung weiter auf ein Rettungspaket.

Das sind die Vorgaben

Klar ist, dass ein Hygienekonzept vorgelegt werden muss. Ministerpräsident Armin Laschet hatte zudem bereits im Fernsehen erklärt: Es wird auch ohne Reservierung gehen, wenn Tische frei sind – die Daten müssen zur Rückverfolgung aber hinterlegt werden.

Als führende Tageszeitung in Solingen sehen wir uns in der Verantwortung, auch in schwierigen Zeiten den lokalen Handel und lokale Gastronomen und Unternehmen zu unterstützen und Sie – die Solingerinnen und Solinger – über die Angebote in unserer Stadt auf dem Laufenden zu halten. Wer bietet einen Lieferservice in Solingen, wer einen Onlineshop? Eine Zusammenfassung finden Sie hier. 

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ST-Mitarbeiterin Daniela Neumann nimmt Cafés, Bistros, Restaurants und Gaststätten in Solingen unter die Lupe. Dabei entstanden ist eine bunte Serie über den Solinger Mittagstisch im Test.

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