Einnahmeausfälle

Corona reißt Millionen-Loch in VHS-Kasse

Ein Kursraum der Bergischen VHS an der Mummstraße.
+
Ein Kursraum der Bergischen VHS an der Mummstraße.

Die Bergische Volkshochschule kämpft wie andere städtische Tochtergesellschaften mit Einnahmeausfällen.

Von Andreas Tews

Die Zahlen, mit denen sich der städtische Beteiligungsausschuss gestern befasste, haben es in sich. Sie machen deutlich, dass die Folgen der Corona-Krise nicht nur in die Stadtkasse ein großes Loch reißen, sondern auch die Bilanzen kommunaler Tochtergesellschaften verhageln. Aus den Unterlagen für die Sitzung geht unter anderem hervor, dass die Städte Solingen und Wuppertal bei der gemeinsamen Bergischen Volkshochschule (VHS) mit einem Defizit von knapp 6 Millionen Euro rechnen. Damit fällt der Zuschussbedarf um rund 2,2 Millionen Euro höher aus als geplant.

Die VHS hatte bereits vor der Corona-Krise finanzielle Herausforderungen zu meistern. Die Ausgaben – und damit auch das Defizit – steigen seit Jahren an. Bis 2024 wird mit weiteren Verschlechterungen gerechnet. Entlastung erhofft man sich mittelfristig durch eine Verjüngung der fest angestellten Belegschaft – etliche ältere Mitarbeiter scheiden in den kommenden Jahren aus – und durch Mehreinnahmen bei den Gebühren. Die sollen nach Angaben der VHS-Leitung durch ein wohnortnäheres Angebot erreicht werden, neue Zielgruppen wolle man sich auch durch neue Formate für junge Menschen und ein Sommerkursprogramm erschließen. Gebührenerhöhungen seien nicht geplant.

Von dem Minus, das die Volkshochschule Jahr für Jahr einfährt, muss die Stadt Solingen 30 Prozent tragen. Den Rest übernimmt Wuppertal. Die befürchtete Corona-Lücke belastet den Haushalt der Klingenstadt demnach voraussichtlich um 660 000 Euro.

Als Grund für die aktuellen Zahlen nennt die Verwaltung, dass die Bildungseinrichtung ihren Kursbetrieb ab Mitte März einstellen musste. Daran habe auch die eingeschränkte Wiederaufnahme der Angebote ab Mai nichts Entscheidendes verändert. Auch in Zukunft rechnet die Leitung der Bildungseinrichtung mit Einnahmen, die „auf längere Sicht“ unter dem Jahresplan für 2020 liegen. Dies sei auf die Abstandsregeln zurückzuführen, die auch die VHS einhalten müsse. „Es wird erwartet, dass die Teilnehmerzahlen auch aufgrund möglicher Sorgen um das Ansteckungsrisiko oder aus privaten finanziellen Gründen deutlich zurückgehen werden“, heißt es in dem Bericht des Rathauses an die Politiker des städtischen Beteiligungsausschusses.

Positiv schlage hingegen zu Buche, dass wegen der wegfallenden Angebote weniger Honorare gezahlt werden mussten. Bei den Personal- und Mietkosten sei gegenüber den Ursprungsplanungen aber mit keiner großen Veränderung zu rechnen. Um die Verluste abzufangen biete die Volkshochschule verstärkt Online-Kursangebote an.

Ähnliche Signale sendeten vor Wochen die Stadtwerke. Dort wirken sich die coronabedingten Einnahmeausfälle beim Fahrscheinverkauf aus. Seit der Lockerung der pandemiebedingten Beschränkungen stiegen die Fahrgastzahlen zwar wieder an. Es waren aber vor allem Abokunden und weniger Gelegenheitsfahrer, die in die Busse zurückkehrten. Bis zum Jahresende rechnet der Verkehrsbetrieb gegenüber Vor-Corona-Zeiten gerade einmal mit 85 Prozent des Fahrgastaufkommens. Dies bringe finanzielle Einbußen mit sich.

„Wir müssen sehen, wie viel Unterstützung wir über Schutzschirme erhalten“, sagte der Vorsitzende des Beteiligungsausschusses, Carsten Voigt (CDU), gegenüber dem ST. Einen Teil des Einnahme-Rückgangs muss das Unternehmen aber wohl selbst ausgleichen. Die Stadtwerke sind unter dem Dach der städtischen Beteiligungsgesellschaft eingegliedert, die Defizite ihrer Betriebe eigenständig mit Hilfe von Gewinnen anderer Töchter auffangen soll – was ihr seit Jahren immer schwerer fällt.

Beteiligungsgesellschaft

Krise: Die Folgen der Corona-Krise wirken sich auch auf die Betriebe aus, die – anders als die VHS – unter dem Dach der städtischen Beteiligungsgesellschaft (BSG) eingegliedert sind. Dennoch ist die BSG nach Angaben von Rathaussprecherin Birgit Wenning-Paulsen derzeit nicht akut gefährdet.

Zukunft: Die Politik sucht seit Jahren nach einer langfristigen Lösung, um die Beteiligungsgesellschaft vor einer möglichen Insolvenz zu bewahren. Zeit gewonnen hatte man vor drei Jahren durch eine Umgliederung. So wurde die Zahlungsfähigkeit bis voraussichtlich 2030 gesichert.

Standpunkt: Politischer Kraftakt

Von Andreas Tews

Die Bergische Volkshochschule ist nur eines von mehreren Beispielen für städtische Tochtergesellschaften, die es finanziell ohnehin schwer haben und die durch die Corona-Krise noch mehr in Bedrängnis geraten sind.

andreas.tews@solinger-tageblatt.de

So sehr die 660 000 Euro auch schmerzen, um die der städtische Haushalt durch das zusätzliche Loch bei der VHS belastet wird – bei der städtischen Beteiligungsgesellschaft, unter deren Dach andere kommunale Betriebe wie die Stadtwerke, die Wirtschaftsförderungsgesellschaft oder die Bergischen Symphoniker eingegliedert sind, geht es um ganz andere Summen und damit um noch höhere Risiken für die Stadt. 

Die Zahlungsfähigkeit der BSG ist nach derzeitigen Berechnungen zwar bis 2030 gesichert. Jeder Einnahmeeinbruch – ob coronabedingt oder nicht – verkürzt diese Frist aber und erhöht damit den Handlungsdruck auf die Politik. Die sucht seit Jahren – bisher vergeblich – nach einer nachhaltigen Lösung. Für die notwendigen Entscheidungen – es wird ein politischer Kraftakt – hat sie aber nicht mehr viel Zeit. Das muss allen Beteiligten bewusst sein. 

An der Bergischen Volkshochschule sind nach der Corona- und der Sommerpause die Kurse wieder losgegangen. Auch im Bereich Familienbildung finden Krabbelgruppen, Sportangebote für Kinder und Kochkurse unter besonderen Hygienebedingungen statt.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Corona: Solingen rutscht wieder unter die kritische Marke von 50 - Impfungen in Burg und Südpark
Corona: Solingen rutscht wieder unter die kritische Marke von 50 - Impfungen in Burg und Südpark
Corona: Solingen rutscht wieder unter die kritische Marke von 50 - Impfungen in Burg und Südpark
Land ändert Verordnung: Corona-Regeln werden nicht verschärft
Land ändert Verordnung: Corona-Regeln werden nicht verschärft
Land ändert Verordnung: Corona-Regeln werden nicht verschärft
Geplantes Musikfestival ist wegen Corona abgesagt
Geplantes Musikfestival ist wegen Corona abgesagt
Geplantes Musikfestival ist wegen Corona abgesagt
Live-Blog: Eschbachstraße bleibt vorerst gesperrt
Live-Blog: Eschbachstraße bleibt vorerst gesperrt
Live-Blog: Eschbachstraße bleibt vorerst gesperrt

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare