Befragung in Jugendeinrichtungen

Corona: Das sind die Folgen für Kinder und Jugendliche in Solingen

Werden in Solingen bald wieder Schüler in den Klassenräumen sitzen?
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Die Pandemie, die Lockdowns und nun die Energiekrise: Besorgniserregend sind die Auswirkungen auf viele Kinder und Jugendliche in Solingen, zeigen aktuelle Erhebungen.

Besorgniserregende Ergebnisse: Auswertung einer Befragung in Jugendeinrichtungen hat große Defizite bei Kindern in Solingen zutage gebracht.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Die negativen Auswirkungen von Corona-Pandemie und Lockdowns auf Kinder und Jugendliche haben Lehrer und Kinderärzte schon lange festgestellt. Jetzt hat die Stadt die Träger der Kinder- und Jugendarbeit gebeten, die Folgen der Pandemie, aber auch die befürchteten Auswirkungen der Energiekrise auf Kinder und Jugendliche aus ihrer pädagogischen Praxis darzustellen.

Die besorgniserregenden Ergebnisse mit Blick auf Sozialverhalten und Gesundheitszustand werden am 28. November im Jugendhilfeausschuss (17 Uhr, Raum 3, Theater und Konzerthaus) vorgestellt.

Zukunftsängste und die Zunahme psychischer Erkrankungen sind ein großes Thema. Dramatisch sei, dass psychische Erkrankungen zugenommen haben, aber aufgrund mangelnder Therapieplätze nicht zeitnah behandelt werden können.

Fast alle Träger berichten, dass Konflikte von Kindern und Jugendlichen schlechter bewältigt werden können. Es komme vermehrt zu verbalen und körperlichen Auseinandersetzungen. Auffälliges und unsicheres Verhalten in großen Gruppen – auch das sei eine Auswirkung davon, dass Freundschaften in der Pandemie zerbrochen seien, skizziert die Verwaltungsvorlage.

Kontakte im realen Leben sind seltener geworden

Pädagogen, aber auch Kinderärzten ist das unselbstständige Verhalten vieler Kinder aufgefallen. Einige Kinder können nicht eigenständig mit Messer und Gabel essen, ältere Kinder und Jugendliche seien nicht in der Lage, ihr Zimmer während der Ferienfreizeit aufzuräumen.

Die Pandemie und die lange Zeit der Lockdowns haben auch das Medienverhalten verändert. Es werde größtenteils über soziale Medien kommuniziert, Gespräche in Echtzeit im realen Leben seien weniger geworden. Neben dem verstärkten Medienkonsum beobachten einige Träger auch, dass vermehrt Alkohol und Drogen konsumiert werden.

Die Verschlechterung der motorischen Fähigkeiten ist eine weitere Auffälligkeit, gekoppelt mit erhöhtem Bewegungsdrang. „Die laufen manchmal durch die Halle und schreien einfach drauf los“, beschreibt ein Jugendwart des Solinger Sportbundes.

Mehr Kinder haben besorgniserregendes Übergewicht

Auch bei den im Sommer eingeschulten Erstklässlern hatte das Ärztinnen-Team bei den Schuleingangsuntersuchungen Alarm geschlagen. „Der Anteil der adipösen Kinder hat sich von 6,7 Prozent im Jahr 2019 auf jetzt 9,0 Prozent erhöht“, so Stadt-Sprecher Daniel Hadrys.

Mehr jugendliche Schulschwänzer und Schulverweigerer

Auch ältere Jugendliche stehen vor großen Problemen. Denjenigen, die sich im Übergang zwischen Schule und Beruf befinden, fehlen oft Praktika und damit berufliche Orientierung. Auch die Zahl der Jugendlichen, die Schule nur unregelmäßig oder gar nicht mehr besuchen, sei als Folge fehlender Strukturen oder Überforderung im Homeschooling gestiegen.

Viele Jugendzentren und Beratungsstellen haben auf die dramatischen Auswirkungen reagiert und die Einzelfallberatung in der Einrichtung ausgebaut. Der CVJM beispielsweise hat einen neuen Eltern-Kind-Nachmittag eingeführt, bei dem sich Eltern und Kinder im unbeschwerten Spiel wieder näherkommen können.

So reagieren einige Einrichtungen

Um Konflikte zu vermeiden und Ruhe in das Miteinander zu bringen, haben einige Einrichtungen die Gruppengrößen, auch bei der Hausaufgabenhilfe, reduziert. Das Haus der Jugend bietet Sozialkompetenztrainings für seine Besucherinnen und Besucher an, und der Mädchentreff des Internationalen Bundes (IB) hat seine Mitarbeiter zum Thema „Prävention von Gewalt im Internet“ geschult.

Große Sorge gibt es bei vielen Trägern aber auch beim Blick auf kostenpflichtige Angebote wie Ferienfreizeiten oder den Ferien(s)pass des BDKJ. Viele fürchten, dass sie die Preise erhöhen müssen, was dazu führt, dass weniger Familien sich das Angebot leisten können. „Demgegenüber steht aber ein erhöhter Bedarf an Ferien- und Freizeitangeboten insbesondere für Kinder und Jugendliche aus Familien mit geringem Einkommen“, so Jugend-Dezernentin Dagmar Becker (Grüne).  

Energiekrise

Sorge: Viele Träger haben Sorge, dass finanzielle Einsparungen in Folge der Energiekrise und die Reduzierung von Angeboten oder Öffnungszeiten drohen.

Notwendigkeit: Sie sehen aber großen Bedarf nach erweiterten Öffnungszeiten, etwa um Kindern und Jugendlichen auch an den Wochenenden Aufenthaltsmöglichkeiten in warmen Räumen und Freizeitangebote zu bieten.

Die aktuelle Corona-Lage in Solingen sowie geltende Regeln immer im Überblick.

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