Corona-Pandemie

In Restaurants gilt seit heute 2G-plus: Gastronomen fürchten Umsatzeinbruch

Petra Meis befürchtet, dass die Gastronomie durch 2G-plus Laufkundschaft verliert.
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Petra Meis befürchtet, dass die Gastronomie durch 2G-plus Laufkundschaft verliert.

Die Umsätze und Übernachtungszahlen in Solingens Gastronomien sind 2021 stark gesunken. Ab Donnerstag, 13. Januar, gilt dort 2G-plus. Das könnte zu noch weniger Gästen führen.

Solingen. Den Solinger Gastronomen drohen durch die neuen Corona-Regeln weitere wirtschaftliche Schwierigkeiten. „Das verunsichert alle. Wir befürchten, dass uns die Laufkundschaft verloren geht, weil Spontanbesuche in der Gastronomie für viele nicht mehr möglich sind“, berichtet Petra Meis, Inhaberin der Gaststätte Rüdenstein und Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Solingen. Ab Donnerstag müssen Gäste in der Gastronomie 2G plus nachweisen, also zusätzlich zum vollständigen Impfschutz einen negativen Test haben – für Branchen wie Fitness- oder Sonnenstudios gilt das schon länger.

Neu: Für Geboosterte entfällt die Testpflicht. Die Stadt gab die Zahl der Boosterimpfungen in Solingen am Mittwoch mit 78.000 an, knapp zwei Drittel der vollständig Geimpften haben demnach eine Auffrischungsimpfung erhalten. Ebenfalls keinen Test brauchen Personen, die nach vollständiger Immunisierung in den letzten drei Monaten von einer Infektion genesen sind.

Das sind die neuen Corona-Regeln ab dem 13. Januar

Erste Betriebe haben auf die Regeländerung reagiert: „Für uns haben wir beschlossen, ab nächster Woche erst einmal nur freitags, samstags und sonntags zu öffnen“, erklärt Petra Meis. Sie hofft, dass sich die Infektionszahlen und damit die Vorschriften im Frühjahr wieder bessern. Von der Möglichkeit, vor Ort beaufsichtigte Selbsttest durchzuführen, werden wohl einige keinen Gebrauch machen – „zu aufwendig“, findet Petra Meis. Isabel Hausmann, stellvertretende Geschäftsführerin des Dehoga Nordrhein, sieht eine Chance für Gastronomen abseits von Testzentren. Es seien noch Details zu klären, etwa zur Haftung, aber: „Für Gäste wäre das angenehm und könnte zu spontanen Besuchen animieren.“

Das muss zwangsweise dazu führen, dass Preise neu kalkuliert werden.

Isabel Hausmann, Dehoga, über Energie- und Personalkosten

Und Gäste braucht die gebeutelte Gastronomie: 2021 sei noch härter als 2020 gewesen, erklärt Isabel Hausmann. „Die Umsatzverluste von Januar bis Mitte Dezember 2021 lagen in der Gastronomie bei 41 Prozent minus im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2019.“ Auch die Übernachtungszahlen sind eingebrochen (siehe unten).

Die Gastwirte haben mit weiteren Schwierigkeiten zu kämpfen. „Die Kosten für Strom und Gas gehen durch die Decke, die Personalkosten werden sich erhöhen, wenn 12 Euro Mindestlohn umgesetzt werden. Alle weiteren Lohntarifgruppen stehen somit auch auf dem Prüfstand“, erklärt Isabel Hausmann. „Das muss zwangsweise dazu führen, dass Preise neu kalkuliert werden.“ Beim Personal seien Kosten aber nur ein Aspekt. „Grundsätzlich macht der Personalmangel vielen Kollegen zu schaffen. Auch wir planen für den Sommer vorsichtig, da wir noch nicht wissen, ob wir genug Mitarbeiter bekommen“, ergänzt Petra Meis.

Der Dehoga sieht einen Grund dafür auch in der öffentlichen Wahrnehmung: „Leider haben wir Mitarbeiter verloren, die in andere Branchen abgewandert sind. Manche zögern zurückzukommen, wenn das Gastgewerbe immer als Pandemietreiber dargestellt wird und der Arbeitgeber durch die vielen Auflagen, Absagen und drohenden Schließungen an Attraktivität verliert“, erklärt Isabel Hausmann.

Es bestehe auch eine große Unsicherheit, inwieweit sich die Branche wieder erhole: Das Messegeschäft müsse wieder anlaufen für Hotels und für die Gastronomie, auch das Veranstaltungsgeschäft, von dem viele Gastwirte profitieren, werde langfristig geplant und brauche Vorlauf.

Gastronomen bleiben positiv

Dennoch resignieren die Gastronomen nicht: „Natürlich haben Betriebe aufgegeben, aber nicht wesentlich mehr als sonst. Es finden sich immer wieder neue Betreiber – obwohl hier das Risiko besteht, keine Überbrückungshilfe zu bekommen“, sagt Hausmann. 2021 hatten sich die Umsätze nach dem Lockdown positiv entwickelt. Was nicht geschehen dürfe: Verunsicherung durch die Verbreitung von Szenarien, was als Nächstes kommen könnte.

„Das Virus verschwindet nicht, deshalb sollten sich alle impfen lassen, die es können, damit für alle die Vielfalt der Gastronomie und Hotellerie erhalten bleibt, die Mitarbeiter einen sicheren Arbeitsplatz haben und die Gastronomen eine auskömmliche Existenz“, betont Isabel Hausmann. Und wie blickt Petra Meis in die Zukunft? „Natürlich positiv, denn irgendwie haben wir es immer geschafft!“

Übernachtungen

Die Zahlen des Statistischen Landesamts NRW zu den Übernachtungen liegen bis Oktober vor: „Hier hatten wir 16,1 Prozent weniger Besucher als im gleichen Zeitraum 2020. Im Vergleich zu Januar bis Oktober 2019 war die Zahl der Gäste um 57,1 Prozent niedriger“, so Isabel Hausmann vom Dehoga.

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