Pandemie

Corona: Maskenpflicht wirft Fragen auf

Solimed-Sprecher Dr. Stephan Kochen setzt in seiner Praxis auf FFP2-Masken für alle – Beschäftigte wie Patienten.
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Solimed-Sprecher Dr. Stephan Kochen setzt in seiner Praxis auf FFP2-Masken für alle – Beschäftigte wie Patienten.

Für Beschäftigte in Praxen und Patienten gelten in NRW unterschiedliche Regeln.

Von Kristin Dowe

Solingen. Seit Samstag, 1. Oktober, sind die neuen Corona-Regeln in Kraft, die bei der Maskenpflicht erneut Verwirrung stiften. So gilt laut Corona-Schutzverordnung des Landes NRW für Beschäftigte in Arztpraxen, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen weiter die Pflicht zum Tragen einer medizinischen OP-Maske. Eine FFP2-Maske ist für Beschäftigte aber nicht vorgeschrieben.

Der Bund schreibt hingegen in den Bereichen, für die er zuständig ist, eine FFP2-Maske für Patienten in Arztpraxen und ähnlichen Einrichtungen vor, ebenso aber für Beschäftigte von Pflegediensten und alle, die Krankenhäuser, Pflegeheime und teilstationäre Einrichtungen betreten. Dort gilt die Pflicht zur FFP2-Maske also gleichermaßen für Besucher wie für Beschäftigte, während in Arztpraxen für Patienten (FFP2-Maske) und Beschäftigte (OP-Maske) in NRW aktuell abweichende Vorschriften angewandt werden.

„Diese unterschiedlichen Regelungen sind mit Blick für die praktische Anwendung bedauerlich“, räumt Miriam Skroblies, Sprecherin des NRW-Gesundheitsministeriums, ein. Bisher habe es in NRW einheitliche Regelungen gegeben. Da die Bundesregelungen jedoch an sich in Teilen widersprüchlich seien, gebe es eine Einheitlichkeit ohnehin nicht mehr.

Die Praxen seien nicht das einzige Beispiel. So sei die Maskenpflicht im überregionalen Schienenverkehr verschärft worden – FFP2-Masken für Fahrgäste, OP-Masken für Beschäftigte. Im Luftverkehr dagegen wurde die Maskenpflicht abgeschafft.

Ministerium setzt auf großzügige Ausnahmeregelungen

Im Nahverkehr in NRW reicht weiter eine OP-Maske aus. „Eine mögliche Verschärfung auf Landesebene wäre aus Sicht des Ministeriums nicht begründbar gewesen“, so Skroblies. Das gelte auch für die Arztpraxen. Gerade für hochbetagte Menschen, aber auch für Beschäftigte, bringe das dauerhafte Tragen einer FFP2-Maske oft körperliche und, mit Blick auf den Arbeitsschutz, arbeitsrechtliche Schwierigkeiten mit sich. „Das Ministerium hat daher den Behörden mitgeteilt, dass Ausnahmeregelungen in jedem Fall großzügig ausgelegt werden können“, so Skroblies.

Auf pragmatische Lösungen angesichts der komplizierten Zuständigkeitsfragen bei Bund und Ländern setzt der Großteil der Solinger Ärztinnen und Ärzte, berichtet Dr. Stephan Kochen, Sprecher des Solinger Praxisnetzwerks Solimed. „Was unsere Praxis betrifft, machen wir von unserem Hausrecht Gebrauch und verpflichten nicht nur die Patienten, sondern auch unsere Beschäftigten zum Tragen einer FFP2-Maske. Dieses Vorgehen ist in den meisten Solinger Praxen Standard.“

In den ersten Tagen der neuen Regelung seien zunächst viele Patienten nur mit einer medizinischen Maske erschienen. „Natürlich ist das etwas mühselig. Es dauert in der Regel ein wenig, bis die Menschen die neuen Regeln verinnerlicht haben.“ Zur Information sei noch eine Plakataktion der Kassenärztlichen Vereinigung geplant.

Standpunkt von Kristin Dowe: Vertrauen stärken

kristin.dowe@solinger-tageblatt.de

Der Föderalismus in Deutschland mag in mancherlei Hinsicht Vorteile haben – Einigungen in einer Pandemie zu erzielen gehört jedoch nicht dazu. So ist es schwer vermittelbar, warum für Beschäftigte in Arztpraxen nach Landesrecht eine medizinische Maske ausreicht, Patienten aber nach dem Willen des Bundes eine FFP2-Maske benötigen. Von den Unterschieden bei der Maskenpflicht zwischen Nah- und Fernverkehr mal ganz zu schweigen.

Zwar mag die Art der Maske auf den ersten Blick unwesentlich erscheinen, doch stärkt ein solches Klein-Klein bei den Zuständigkeiten zwischen Bund und Ländern nicht gerade das Vertrauen in die ohnehin immer wieder umstrittenen Corona-Maßnahmen.

Viele Solinger Praxen gehen hier einen pragmatischen Weg, indem sie von ihrem Hausrecht Gebrauch machen und die FFP2-Maske auch für Beschäftigte zum Standard erheben. Dennoch wären einheitliche Richtlinien mit Blick auf den Herbst wünschenswert. Dies würde die Orientierung erleichtern und das Vertrauen in Maßnahmen stärken.

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