Auswirkungen der Pandemie

Corona lässt viele zur Flasche greifen - Diese Hilfsangebote gibt es in Solingen

Die Vereinsamung in der Corona-Pandemie hat das Problem der Alkoholsucht verstärkt.
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Die Vereinsamung in der Corona-Pandemie hat das Problem der Alkoholsucht verstärkt.

Guttempler-Gemeinschaft hat Gruppenangebot eingestellt – Caritas baut Suchtberatung aus.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Soziale Vereinsamung, fehlende Kontakte, Geldsorgen oder Angst um Gesundheit und Job – in der Corona-Pandemie haben mehr Menschen als sonst versucht, ihre Probleme im Alkohol zu ertränken. Dementsprechend groß ist die Nachfrage nach Beratungs- und Hilfsangeboten rund um das Thema Suchtbekämpfung. Das bestätigen die verschiedenen Anbieter in der Stadt.

Bei den Selbsthilfegruppen gibt es jedoch eine Reduzierung der Angebote. Die Guttempler-Gemeinschaft hat ihre Gruppe zum Jahreswechsel offiziell aufgelöst. „Wir gehören damit nicht mehr den Guttemplern an“, erklärt die ehemalige Schriftführerin der Gruppe, Angelika Höfer, den offiziellen Schritt.

Zwar plane die Gruppe, sich intern auch weiterhin zu treffen – „an unseren Zielen hat sich ja nichts geändert, wir leben weiterhin abstinent“ – das offene Selbsthilfeangebot sei aber eingestellt. In den Statuten der Guttempler-Gemeinschaft NRW habe sich die Solinger Gruppe „nicht mehr wiedergefunden“, wird der Schritt erklärt. Betroffene in Notsituationen könnten sich aber weiterhin unter der Rufnummer 5 51 94 bei ihr melden und würden dann weitervermittelt, betont Angelika Höfer.

Ein telefonischer Kontakt sei in der Regel auch der erste Schritt, den von Alkoholsucht Betroffene gehen, um Hilfe bei den Beratungsangeboten der Caritas zu erhalten, erklärt Gabriele Kirchner, Caritas-Fachbereichsleiterin für Beratung und Begleitung. Während der gesamten Zeit der Pandemie habe man die Hilfsangebote durchlaufen lassen, teilweise digital, teilweise telefonisch oder präsent in größeren Räumen.

Caritas hat Aufgabe der Stadt teilweise übernommen

Personell hat die Caritas sogar aufgestockt. Mit Jannes Hecht gibt es seit Anfang des Jahres einen neuen Abteilungsleiter für Suchthilfe und Suchtberatung der Caritas Wuppertal/Solingen. Der Psychologische Psychotherapeut, der unter anderem in einer Suchtklinik beruflich tätig war, habe viel Erfahrung im Bereich Suchthilfe, so Kirchner.

Leiter der Selbsthilfegruppen sind auch in schweren Zeiten erreichbar.

Weil das städtische Suchthilfe-Angebot beim Gesundheitsamt angesiedelt ist, dort aber in den vergangenen Monaten alle personellen Ressourcen für die Pandemie-Bekämpfung gebraucht wurden, hat die Stadt die Arbeit der Caritas mit einer weiteren halben Stelle aufgestockt. „Wir merken überall, dass es durch Corona viel mehr Betroffene und Anfragen gibt“, so Kirchner. Die Caritas bietet Einzel-, Familien- und Gruppengespräche an. So gibt es beispielsweise eine Motivations- und Beratungsgruppe als Vorbereitung auf eine Therapie und um die genaue Form der Sucht abzuklären.

Kinder haben hohes Risiko, später selbst Sucht zu entwickeln

In Präsenzform in der Beratungsstelle an der Ahrstraße in Ohligs laufen zudem die Spielergruppe für pathologische Glücksspieler, die Angehörigengruppe und die Nachsorgegruppe. Für Kinder aus suchtbelasteten Familien, die ein erhöhtes Risiko haben, später selbst eine Sucht-Erkrankung zu entwickeln, gibt es im Familienhilfezentrum die Drachenflieger-Gruppe. Den Beruf durch die Alkoholsucht nicht zu verlieren oder eine neue Tätigkeit zu finden, sei ein wichtiger Wirkungsfaktor in der Behandlung, betont Gabriele Kirchner. „Deshalb arbeiten wir auch eng mit dem Jobcenter zusammen.“

Die Nachfrage nach all diesen Angeboten für Betroffene sei groß. „Es ist beispielsweise auch seit Monaten sehr schwer, in der Fachklinik Langenfeld, dem Versorgungskrankenhaus bei Entgiftungsaufgaben, einen Platz für eine Entgiftungstherapie zu finden“, skizziert Gabriele Kirchner die aktuellen Engpässe.

Hilfsangebote

Sprechstunde: Die Caritas Solingen bietet eine offene Sprechstunde telefonisch donnerstags von 15.30 bis 16.30 Uhr unter Tel. 23 13 49-30; www.caritas-wsg.de

Jugendliche: Neben Stadt und Caritas bietet die Jugend- und Drogenberatung Hilfe besonders für jüngere Konsumenten.

Selbsthilfe: Selbsthilfe-Angebote in Solingen bietet das Blaue Kreuz; www.blaueskreuz-solingen.de

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