Dreistufiger Ausbauplan

Corona: Kliniken verdoppeln Intensivbetten

Die Klinik Bethanien hat eine Infektionsambulanz. Foto: cb
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Die Klinik Bethanien in Solingen hat eine Infektionsambulanz.

Der Solinger Krisenstab stellt einen dreistufigen Ausbauplan vor. Ein starker Anstieg von Infektionen mit dem Coronavirus wird im Mai erwartet. Schon jetzt gibt es schwere Verläufe.

  • Der Krisenstab der Stadt Solingen stellte am Montag ein Drei-Stufen-Programm vor.
  • So wird die Zahl der Intensivbetten in Solingen nahezu verdoppelt.
  • Experten rechnen in Solingen mit einem Höhepunkt der Pandemie im Mai.

Von Anja Kriskofski

Solingen. Mit einem dreistufigen Ausbauplan reagiert der Krisenstab der Stadt Solingen auf die weitere Ausbreitung des Coronavirus. In einem ersten Schritt wird derzeit die Zahl der Intensivbetten in den drei Solinger Kliniken verdoppelt. Zudem sollen fast 300 Betten für die stationäre Versorgung von Patienten mit Covid-19 bereit gehalten werden. Schon jetzt gebe es schwere Verläufe, berichtete Prof. Dr. Winfried Randerath, Chefarzt in der Klinik Bethanien. Dort lägen derzeit sieben Menschen mit Covid-19 auf der Intensivstation, die alle beatmet werden müssten. Drei von ihnen würden sogar über ein externes Verfahren mit Sauerstoff versorgt.

In Bethanien gebe es inzwischen nicht nur Patienten über 60 Jahre, die an der Lungenkrankheit leiden. „Es sind auch Jüngere in den 50ern dabei.“ Die Patienten müssten lange im Krankenhaus behandelt werden. Und: Am Montag sei erstmals ein Arzt des Krankenhauses positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden, sagte Randerath. „Er ist zum Glück nicht schwer erkrankt.“

Solingen: Klinikum und Bethanien räumen weitere Bereiche frei

„Nach den Erkenntnissen des Robert-Koch-Instituts müssen wir davon ausgehen, im Mai eine hohe Zahl von Erkrankten zu haben“, sagte Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) bei einer Video-Pressekonferenz am Montagabend. Die Stadt will deshalb gewappnet sein. Im Krankenhaus Bethanien, im Städtischen Klinikum und in der St. Lukas Klinik würden nicht nur die Intensivplätze für schwerst Erkrankte von 51 auf 112 mehr als verdoppelt. Zur Stufe 1 des Ausbauplans gehöre zudem, 297 weitere Betten für Covid-19-Patienten freizuhalten - 278 davon mit Sauerstoffversorgung. Das zusätzliche Personal werde aus dem Pool der medizinischen Helfer zugewiesen, die sich auf den Aufruf gemeldet haben.

Wenn nötig, könnten in einem weiteren Schritt (Stufe 2) 100 weitere Betten in Bethanien und im Klinikum eingerichtet werden – in „kliniknahen“ Bereichen. Das Klinikum habe dafür bereits seinen „Blauen Salon“ frei geräumt, berichtete der Medizinische Geschäftsführer Prof. Dr. Thomas Standl. Sollten auch diese zusätzlichen Kapazitäten nicht ausreichen, würde Stufe 3 in Kraft treten, erläuterte der Leiter des Krisenstabs, Ordnungsdezernent Jan Welzel (CDU). Dann wäre es denkbar, den großen Konzertsaal im Theater und Konzerthaus für die Notversorgung zu nutzen.

Am Ausbauplan beteiligt sich auch die Praxisklinik im Südpark. Deren elf Anästhesisten und 60 medizinische Mitarbeiter könnten bei Bedarf in Bethanien eingesetzt werden. „Die Schulungen finden derzeit statt“, berichtete Geschäftsführer Achim Bertram.

Die St. Lukas Klinik stellt für die Versorgung von Covid-19-Patienten 29 Betten zur Verfügung, davon 14 auf der Intensivstation. Bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie dürfe man jedoch auch nicht die Patienten mit anderen Erkrankungen aus den Augen verlieren, betonte der Geschäftsführer der Kplus Gruppe, Andreas Degelmann: „Unaufschiebbare Operationen zum Beispiel in der Onkologie müssen durchgeführt werden.“ Auch die Stroke Unit für Schlaganfallpatienten sei immer voll ausgelastet.

Oberbürgermeister und Ordnungsdezernent bedankten sich für die Mitwirkung der Kliniken: „Das ist nicht selbstverständlich. So etwas geht nur im Miteinander“, sagte Welzel. Ein Lob richtete der Leiter des Krisenstabs auch an die Solinger: „Die Bevölkerung ist sehr diszipliniert. Ich bitte, davon nicht abzuweichen. Die schwierigste Zeit ist noch nicht vorbei.“

Coronavirus in Solingen: Die aktuellen Zahlen

Bei 83 Menschen ist aktuell (Stand Montag) eine Infektion mit dem Sars-CoV-2-Virus nachgewiesen. 16 Patienten werden stationär behandelt. Das teilte die Stadtverwaltung mit. Seit Beginn der Pandemie gab es in Solingen 144 bestätigte Fälle, drei mehr als am Vortag. 60 Menschen sind wieder genesen, ein Mann starb an Covid-19. In häuslicher Quarantäne befinden sich derzeit 246 Personen, 882 konnten diese verlassen.

Alle aktuellen Nachrichten finden Sie in unserem Live-Blog zum Coronavirus in Solingen.

Standpunkt: Pandemie erhöht den Druck

Von Anja Kriskofski

anja.kriskofski @solinger-tageblatt.de

So furchtbar die Corona-Pandemie ist – sie bringt auch Positives hervor. Ein Beispiel ist die bessere Zusammenarbeit bei der Versorgung der Kranken. Bei der Pressekonferenz des Oberbürgermeisters waren gestern nicht nur Vertreter von Städtischem Klinikum, St. Lukas Klinik und Fachkrankenhaus Bethanien dabei. Am Ausbauplan ist auch die Praxisklinik im Südpark beteiligt. Kooperationen zwischen den einzelnen Häusern gab es schon zuvor. So arbeiten Klinikum und St.  Lukas Klinik unter anderem bei der Behandlung von Hirnerkrankungen zusammen. 

Auch Kontakte zwischen Klinikum und Praxisklinik gibt es. Die Pandemie erhöht nun den Druck auf die Häuser mit ihren ganz unterschiedlichen Trägern, sich auszutauschen. Für die Patienten ist es nur von Vorteil, wenn die Kliniken bei der Bekämpfung der Lungenkrankheit Covid-19 an einem Strang ziehen

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