Corona-Situation in Australien

„Die Regierung hat einen guten Job gemacht“

Dirk Koch lebt seit 1997 in Australien. Inzwischen wohnt er mit seiner Partnerin Tracy Morris in Bateau Bay an der Central Coast. Foto: Dirk Koch
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Dirk Koch lebt seit 1997 in Australien. Inzwischen wohnt er mit seiner Partnerin Tracy Morris in Bateau Bay an der Central Coast.

Der gebürtige Solinger Dirk Koch berichtet von der Corona-Situation in seiner Wahlheimat Australien.

Von Moritz Jonas

Solingen/Sydney. Dirk Koch lebt nun schon seit 24 Jahren in Australien, seit 21 Jahren besitzt er sogar die australische Staatsbürgerschaft. Geboren ist der gelernte Postbote allerdings in Solingen. Zurzeit blickt er aus der Ferne sorgenvoll auf die Corona-Krise in der alten Heimat, während sich die Lage in Australien dank harter Maßnahmen weitestgehend entspannt hat.

„Im Moment ist die Situation gut unter Kontrolle“, beschreibt Koch die aktuelle Lage auf dem fünften Kontinent. Koch arbeitet in Sydney und lebt in Bateau Bay an der Central Coast. Beide Städte liegen im Bundesstaat New South Wales, im gesamten Staat wurde nun schon seit mehr als 30 Tagen kein einziger positiver Corona-Fall mehr gemeldet. Und auch im Rest des Landes sind die Zahlen der positiv bestätigten Fälle verschwindend gering. In ganz Australien gibt es aktuell gerade einmal 36 bestätigte Fälle. Dank dieser minimalen Fallzahlen ist dort auch ein alltägliches Leben nahezu ohne jegliche Einschränkungen möglich. Alle Geschäfte, Restaurants und Bars seien ganz normal geöffnet. „Sogar die Friseure haben hier geöffnet“, sagt der gebürtige Solinger.

Rigorose Maßnahmen führen zum Erfolg

Auch mit Thematiken wie Wechselunterricht müssen sich die Australier bislang nicht auseinandersetzen. Dirk Kochs Lebensgefährtin Tracy Morris arbeitet als Englisch-und Geschichtslehrerin. Sie sei in ihrem Beruf durch Corona nicht eingeschränkt, denn der Unterricht finde weiterhin ganz normal statt, berichtet er. Eine allgemeine Maskenpflicht gibt es in Down Under ebenfalls nicht. „Es liegt in unserem Ermessen, ob wir eine Maske tragen. Lediglich Kellner oder Krankenhauspersonal sind dazu verpflichtet, Maske zu tragen“, erklärt Dirk Koch.

Und auch geimpft wird dort noch nicht. Vor kurzem sei aber der Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer zugelassen worden. Nun solle auch in Australien damit begonnen werden, ältere und behinderte Menschen sowie solche aus dem Gesundheitswesen gegen das Coronavirus zu impfen.

Aber diese entspannte Lage sei auch nur möglich, weil bei der kleinsten Verschlechterung unverzüglich reagiert würde. Als im Dezember drei Corona-Fälle gemeldet wurden, sei der komplette Bundesstaat New South Wales sofort zu einer „Roten Zone“ erklärt worden. Das bedeutet, dass alle Geschäfte außer Supermärkte schließen müssen, jeder müsse sich daraufhin in eine häusliche Quarantäne begeben, unabhängig, ob Corona-positiv oder nicht. „Währendessen darf niemand seine Stadt verlassen.“ Dies werde über eine Nummernschilderkennung überprüft. Zumeist dauern diese Maßnahmen dann fünf bis sieben Tage an. Über die Dauer entscheide der Bundesstaat selbst, es gibt keine allgemeine Verordnung für Australien.

Außerdem werden empfindliche Bußgelder für Verstöße gegen die Maßnahmen verhängt. Koch spricht von 500 bis zu 1000 australische Dollar. Das sind umgerechnet 320 bis 640 Euro.

Bei Ein-und Ausreisen werde ebenfalls ein harter Kurs gefahren. Niemand dürfe ohne triftigen Grund nach Australien rein oder raus. Zudem müsse jeder, der in das Land einreisen möchte, in eine zweiwöchige Hotelquarantäne.

Diese Regelung durchkreuzte auch die Reisepläne von Dirk Koch und seiner Partnerin. „Eigentlich wollten wir letztes Jahr schon den Sohn meiner Lebensgefährtin in London besuchen und anschließend wollte ich ihr natürlich auch meine Heimat Solingen zeigen“, sagt Koch. Doch daraus wird jetzt wohl erst einmal nichts.

Das Geschehen in Solingen verfolgt der Wahl-Australier trotz der großen Entfernung regelmäßig. „Die hohen Fallzahlen sind für mich wirklich schockierend“. Natürlich sei ihm auch bewusst, dass Australien einen großen Vorteil dadurch habe, dass es nahezu abgeschottet vom Rest der Welt und auch nicht so dicht besiedelt ist, wie zum Beispiel Deutschland. „Dennoch, wenn ich den Vergleich sehe, muss ich sagen, dass unsere Regierung einen sehr guten Job gemacht hat“.

Corona in Australien

Australien ist bisher vergleichsweise glimpflich durch die Pandemie gekommen. In dem Land mit rund 25 Millionen Einwohnern wurden laut Johns-Hopkins-Universität bisher 28 939 Ansteckungen und 909 Todesfälle (Stand 24. Februar) registriert. Vor Weihnachten hatte es innerhalb von rund sieben Wochen überhaupt keine nachgewiesenen Neuinfektionen gegeben. Zuletzt befand sich die Stadt Melbourne in einem kurzzeitigen Lockdown, weil dort die britische Virusmutation festgestellt worden war. Inzwischen wurde diese Restriktion wieder aufgehoben.

In unserem Corona-Blog finden Sie alle aktuellen Informationen zum Coronavirus in Solingen.

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