Coronavirus

Mitte: Andrang bei Impfstelle nimmt zu

Die Nachfrage nach Impfungen an der Impfstelle in den Clemens-Galerien steigt. Sie wird auch für Booster-Impfungen nachgefragt, ist dafür aber nicht ausgelegt. Die Stadt wartet nun dringend auf einen Erlass des Landes, wie es mit der Impfkampagne weitergehen soll. Foto: Christian Beier
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Die Nachfrage nach Impfungen an der Impfstelle in den Clemens-Galerien steigt. Sie wird auch für Booster-Impfungen nachgefragt, ist dafür aber nicht ausgelegt. Die Stadt wartet nun dringend auf einen Erlass des Landes, wie es mit der Impfkampagne weitergehen soll.

Stadt will mit mobilen Teams die Quote verbessern. Impfaktionen an Schulen „nicht zufriedenstellend“.

Von Simone Theyßen-Speich und Björn Boch

Solingen. Die Impfstelle der Stadt in den Clemens-Galerien wird immer häufiger nachgefragt, in den vergangenen Tagen bildeten sich teils lange Schlangen. Diese werden allerdings weniger von Menschen verursacht, die ihre Erst- oder Zweitimpfung abholen wollen, sondern von Menschen, die eine Booster-Impfung brauchen.

Doch darauf ist die Impfstelle nicht ausgelegt. Sie ist als niedrigschwelliges Angebot für Menschen, die keinen guten Zugang zu medizinischer Versorgung haben, gedacht. Die Zuständigkeit für Impfungen – für die bislang nicht Geimpften ebenso wie für die Booster – sei durch das Land klar geregelt: „Danach sollen die Impfungen vorrangig über die niedergelassenen Ärzte und nur nachrangig über die Gesundheitsämter erfolgen“, so Stadtsprecher Thomas Kraft. Deshalb sei auf Weisung des Landes das Impfzentrum im früheren Kaufhof geschlossen worden. „Wir merken, dass die Struktur des Impfzentrums vermisst wird. Die Schließung war aber so gewollt.“

Impfstelle in den Clemens-Galerien soll Ungeimpfte erreichen

Der Zweck der Impfstelle – Ungeimpfte erreichen und die Impfquote erhöhen – tritt zunehmend in den Hintergrund. „Wir warten nun dringend auf einen Erlass im Nachgang der Konferenz der Gesundheitsminister vorige Woche“, erklärt Guido Krämer vom Stadtdienst Gesundheit. Es müsse, so die Stadtverwaltung weiter, dringend geklärt werden, wie die Nachfrage nach Booster-Impfungen organisiert und die Angebote finanziert würden. Kraft: „Bereits jetzt gehen wir mit dem, was wir anbieten, in Vorleistung. Die Impfstelle in den Clemens-Galerien wurde auf Initiative der Stadt organisiert. Für diese Zusatzangebote müssen wir seit 1. Oktober mit den Budgets für die mobile Impfung auskommen.“

Die Erst- und Zweit-Impfungen stocken schon längere Zeit – in allen Altersgruppen. In den Schulen ist bei einer bereits in der Vorwoche höheren Inzidenz – verglichen mit anderen Altersgruppen – zudem die Maskenpflicht am Sitzplatz weggefallen. Gestern lag die Inzidenz in Solingen bei 107,4 – bei den 15- bis 19-Jährigen lag sie fast doppelt so hoch, bei den 5- bis 9- sowie den 10- bis 14-Jährigen deutlich über 150.

Die Arztpraxen haben mit dem Impfaufkommen alle Hände voll zu tun.

Thomas Kraft, Stadtsprecher

In den Schulen wieder mobile Impfungen anzubieten – wie nach den Sommerferien – sei personell und organisatorisch aber nicht machbar, betonte Stadtsprecher Thomas Kraft. „Die Arztpraxen haben mit dem Impfaufkommen ja alle Hände voll zu tun“, skizziert er das Problem, zusätzliche Ärzte und Fachpersonal zu finden.

In dieser Woche starten wieder die mobilen Impfungen bei McDonald’s in Wald und am Hauptbahnhof in Ohligs. „Das sind die Impfstellen, an denen bei mobilen Impfungen die höchsten Zahlen zu verzeichnen waren“, so Kraft. „Dort können sich selbstverständlich Schülerinnen und Schüler impfen lassen, ebenso wie in den Clemens-Galerien.“

Noch sind zu wenig Schülerinnen und Schüler geimpft

Die Zahl der Impfungen an den Schulen sei damit nicht annähernd vergleichbar: So sei allen weiterführenden Schulen ein Impfangebot an je zwei Terminen gemacht worden, insgesamt habe es 31 Impftermine gegeben. Dabei wurden 958 Schülerinnen und Schüler erstgeimpft, 297 Jugendliche erhielten ihre Zweitimpfung. „Das ist im Hinblick auf den Aufwand kein zufriedenstellendes Ergebnis“, so Kraft. Es gebe in Deutschland keine Impfpflicht gegen Corona. „Auch deshalb ergibt es Sinn, sich in dieser Phase mit diesen Voraussetzungen auf die Modelle zu konzentrieren, die erfolgreich sind“, so Kraft.

Dennoch wolle sich die Stadt im Rahmen des Machbaren bemühen, auch Schulen und dabei insbesondere Schulen mit einem hohen Anteil an Seiteneinsteigern – also zugewanderten Kindern und Jugendlichen in besonderen Sprachförderklassen – zu berücksichtigen, etwa mit einer erneuten Informationskampagne zu den Impfungen. Gerade aus diesen Klassen hatte es von Schulleitern den Hinweis gegeben, dass teilweise erst wenige Kinder und Jugendliche geimpft seien.

Datenlage

Geimpfte: Von Geimpften aus dem ehemaligen Impfzentrum hat die Stadt anonymisierte Daten. Von bei Ärzten Geimpften gibt es diese Daten nicht.

Ungeimpfte: „Es gibt keine konkrete Datengrundlage, weil Ungeimpfte nicht systematisch erfasst werden“, so Stadtsprecher Thomas Kraft. Es gebe keine Auskunftspflicht – schon gar nicht an Schulen. Solch eine Erfassung, bei der auch das familiäre Umfeld abgeklopft werden müsse, und die Auswertung seien nicht praktikabel. „Mit Blick auf die Privatsphäre wäre das sehr kritisch.“

In unserem Blog finden Sie die neuesten Informationen zu Entwicklungen rund um das Coronavirus in Solingen.

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