Tanz-Comedy

Tan Caglar: Comedian im Rollstuhl will Berührungsängste abbauen

Tan Caglar sitzt selbst im Rollstuhl und will mit Vorurteilen aufräumen. Foto: Tomas Rodriguez
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Tan Caglar sitzt selbst im Rollstuhl und will mit Vorurteilen aufräumen.

Ein Abend mit Tan Caglar, dem Neuen im Berliner Tatort.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Dafür, dass nur 15 Comedy-Freunde im Kleinen Konzertsaal saßen, war die Stimmung großartig: Offenbar hatten die aktuell hohen Corona-Infektionszahlen in Kombination mit der im Solinger Kulturmanagement geltenden 2G plus Regel viele potenzielle Zuschauer von einem Theater-Besuch abgehalten.

Die Künstler auf der Bühne ließen sich davon weder die gute Laune noch ihre Motivation verderben und starteten mit viel Elan durch: Tan Caglar, auf einen Rollstuhl angewiesener Schauspieler und Stand-up-Comedian beim Kultur-Tandem des Düsseldorfer Kompetenzzentrums Selbstbestimmt Leben, traf auf das Duo Diagonal. Es punktete mit Körperkomik und getanztem Humor. „Eigentlich früher nur Beratungsstelle für Menschen mit Einschränkungen, gehen wir seit einigen Jahren mit der Tandem-Kulturreihe durch die Städte in NRW und präsentieren in ganz unterschiedlichen Spielorten einen gehandicapten Künstler mit einem nicht- behinderten Künstler zusammen auf der Bühne“, erläuterte Iris Kurzmann vom KSL in ihren Begrüßungsworten das Konzept.

Ziel sei es, nach wie vor vorhandene Berührungsängste im Umgang mit Menschen mit Handicaps weiter abzubauen. „Tans Comedy und Tanz-Comedy“ kalauerte Tan Caglar spontan ins Publikum hinein. Locker und wortgewandt bestritt er sein Programm aus seinem alltäglichen Wahnsinn als Rolli- Fahrer und wurde mit vielen Lachern belohnt.

Am Ende gab es begeisterten Schlussapplaus

Das aus TV-Produktionen wie „Tatort“ oder „In aller Freundschaft“ bekannte sympathische Multitalent nahm Stellung zu dummen Fragen an Rollstuhlfahrer auf, indem er sie mit trockenen Antworten konterkarierte. „Wie kommen Sie eigentlich über die Straße?“, sei dabei „Regionalliga.“ Die Antwort: „Bei Grün“.

„Darf man eigentlich betrunken Rollstuhl fahren?“, dagegen war schon eher die Champignons Ligue. Antwort: „Nein, natürlich nicht. Jeder Polizist würde mich auffordern, zu Fuß weiterzugehen.“

Für Deana und Holger Ehrich als Duo Diagonal hatte er viel Lob: „Ihr wart total geil“ – eine Einschätzung, die das Publikum überaus teilte, wie man am lauten Gelächter zwischendurch und dem begeisterten Schlussapplaus ablesen konnte. Als „Branca und Roger“, einem etwas in die Jahre gekommenen Künstlerpaar, nahm das Komik-Duo mit in die 70er und übte zu Max-Greger-Melodien Sambaschritte.

Helmut Sanftenschneider, Gitarrist und Comedian aus dem Ruhrgebiet, führte mit routinierter Eloquenz durch den Abend. Das i-Tüpfelchen war schließlich eine kurze „private“ Gesprächsrunde der Protagonisten auf dem Podium, in der es um die verschiedenen Wahrnehmungen als Künstler und Mensch mit beziehungsweise ohne Beeinträchtigungen ging.

Das Fazit: Eigentlich könnte alles ganz leicht sein – wenn alle mitdächten, sich gedanklich öfters mal in die Lage des anderen versetzten und damit schnell dessen Bedürfnisse erkennen und erfüllen könnten.

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