ST vor Ort - die Stadtteilserie

City 2030: Umwidmungspauschale kommt schon in Kürze

Markus Lütke Lordemann leitet die Stadtentwicklungsplanung im Rathaus. Der wiederbelebte Platz Alter Markt zeigt nach seinen Angaben, wie man erfolgreich neue Aufenthaltsqualität schaffen kann. Mit dem Konzept City 2030 soll das breitflächig und radikal gelingen. Foto: Christian Beier
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Markus Lütke Lordemann leitet die Stadtentwicklungsplanung im Rathaus. Der wiederbelebte Platz Alter Markt zeigt nach seinen Angaben, wie man erfolgreich neue Aufenthaltsqualität schaffen kann. Mit dem Konzept City 2030 soll das breitflächig und radikal gelingen.

Stadtentwickler Markus Lütke Lordemann blickt auf erste Erfolge der Innenstadtumgestaltung

Von Philipp Müller

Solingen. Bevor Markus Lütke Lordemann mit dem ST über die neue Umnutzungspauschale für Untergeschosse in der Innenstadt spricht, schaut er zunächst auf die gut besetzten Stühle der Gastronomen am Alter Markt. Der Stadtdienstleiter Stadtentwicklungsplanung ist einer der Väter dieses Erfolges. Vor zehn Jahren begann das Programm „City 2013“, ein Teil war die Umgestaltung des Platzes. „Wir haben das hässliche Pflaster ersetzt, neues Licht geschaffen, den Ort deutlich aufgewertet.“

Er sagt, das ist immer nur ein Angebot an die Anlieger, diesen Ball dann auch ins Tor zu schießen. Und er weiß auch, dass die große Szene der Straßencafés nur entstanden ist, weil ein Einzelhändler das Geschäft aufgab und nun ein weiterer Gastronom am Platz eingezogen ist. „Vor 2013 haben wir noch gedacht, wir können allein auf die Karte Einzelhandel zur Wiederbelebung der Innenstadt setzen“, sagt er heute. Und er blickt deshalb auch lieber nach vorn.

Denn im Konzept „City 2030“ sieht er den großen Wurf. Auf rund 120 Seiten werden Innenstadt und die anliegenden Quartiere radikal neu gedacht. Mehr Wohnen, weniger Handel, das ist, kurz gesagt, die Devise. Die Corona-Pandemie und auch der stetig wachsende Online-Handel machen das aktueller den je zuvor.

City 2030: Konzept kann nur Baustein für Baustein umgesetzt werden

Aber Lütke Lordemann ist niemand, der in Hektik verfällt. Baustein um Baustein gelte es aus dem Konzept umzusetzen. Dazu hat er gleich eine gute Nachricht. Im Konzept ist eine Umnutzungspauschale als Instrument genannt. Mit Sockelbeträgen wird es Immobilieneigentümern ermöglicht, Fördermittel für die Umgestaltung leerstehender Flächen im Untergeschoss zu beantragen. Stadtdirektor Hartmut Hoferichter hatte stets betont, wie wichtig das werde. Er sieht von der Fahrradgarage, der Werkstatt bis hin zum Appartement für Kurzvermietung viele Ersatzmöglichkeiten für den klassischen Handel.

Schon in Kürze werde die Stadt dies mit Hilfe des Landes den Hauseigentümern anbieten, erklärt Markus Lütke Lordemann. Eine wichtige Rolle dabei habe auch der Architekt und Stadtplaner Dr. Holger Pump-Uhlmann gespielt. Er schrieb das Konzept City 2030 maßgeblich mit. Die Höhe der Zuschüsse wird dann in der Endabstimmung mit den Eigentümern abgesprochen, erläutert der Solinger Stadtentwickler. Dass das alleine nicht reicht, betont er auch und lenkt das Gespräch auf einen weiteren Punkt: „Wir müssen mehr Grün in die Innenstadt bringen.“ Das Thema Mikroklima gewinne stark an Bedeutung. Außerdem erhöhen mehr Pflanzen auch die Aufenthaltsqualität, ist er sicher.

Bessere Gründe, die City zu besuchen, wollen er und das Team der Stadtentwicklung im Prozess City 2030 besonders ins Auge nehmen. Denn City 2013 belege, dass man die Innenstadt gesamt betrachten müsse. Nur auf den Handel zu schauen, habe sich als zu kurz herausgestellt. So trug die Umgestaltung des Entenpfuhls und der unteren Hauptstraße keine Früchte. „Wir schauen uns jetzt auch wieder den Fronhof an“, sagt er. Dessen Planung stammt aus den 1990er Jahren. Öffne sich dort die Gläserne Werkstatt ab dem kommenden Jahr, bietet das gestalterisch neue Möglichkeiten, die jetzt schon zu planen seien.

Stadtentwicklungsplaner: Eine Umgestaltung funktioniert nicht ohne die Menschen

Lütke Lordemann erklärt aber auch, dass dies alles nicht ohne die Menschen in der City geht. Er setzt dabei voll auf das Innenstadtmanagement, welches die Wünsche der Bewohner immer wieder neu aufnehmen und aktuell bewerten soll. Und er berichtet von vielen Gesprächen mit den Eigentümern der Innenstadt.

Die seien etwa bei der Anmietung von Leerständen durch die Stadt sehr fruchtbar. Drei Projekte werden nach seinen Angaben schon bald umgesetzt. Nicht viel. Aber ein Anfang. Die Gespräche mit den Eigentümern bezeichnet er als sehr konstruktiv. Doch gerade die neue Verzögerung bei der Eröffnung der Gläsernen Werkstatt zeigt auch, das ist keine frisch asphaltierte Autobahn, sondern manchmal auch ein noch sehr steiniger Pfad.

Doch da bleibt Markus Lütke Lordemann weiter zuversichtlich. Er macht eine Stimmung aus, in der immer mehr Akteure feststellten, dass es ohne Miteinander aus Stadtentwicklern und Eigentümern nicht geht. „Wir müssen mehr Eigentümer ins Boot holen.“ Das bleibe die wichtigste Aufgabe. Zum Glück sei City 2030 auf zehn Jahre angelegt, das schaffe Raum für neue Ideen. „Da ist jeder mit seinen Vorschlägen herzlich willkommen.“

Das Konzept City 2030

Idee: Mit einem Aufwand von rund 32 Millionen Euro soll dem Strukturwandel in der Innenstadt planerisch begegnet werden. Die tatsächliche Summe hängt von der Förderung beispielsweise durch das Bauministerium in Düsseldorf ab.

Bausteine: Bereits laufend sind die Anmietung von Leerständen durch die Stadt auf kurze Zeit, das Innenstadtmanagement mit Bürgerbeteiligung und das Hof- und Fassadenprogramm. Neu kommt jetzt zunächst die Umnutzungspauschale, die erstmals in NRW zum Einsatz kommen wird.

Die Serie

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Alle Teile der Stadtteilserie finden Sie hier zum Nachlesen: www.solinger-tageblatt.de/vor-ort

City 2030 bekommt durch Landesmittel einen Schub.

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