Ausfallen werden Weihnachtsdürpel und Weihnachtsdorf

Chancen auf Weihnachtsmarkt in Solingen stehen gut

2019 herrschte auf dem Weihnachtsmarkt in der Stadtmitte dichtes Gedränge am verkaufsoffenen Sonntag. Solche Szenen sind in diesem Jahr aufgrund der Coronasituation kaum denkbar. Ein auf dem Fronhof geplanter Weihnachtsmarkt soll deutlich kleiner ausfallen. Archivfoto: Christian Beier
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2019 herrschte auf dem Weihnachtsmarkt in der Stadtmitte dichtes Gedränge am verkaufsoffenen Sonntag. Solche Szenen sind in diesem Jahr aufgrund der Coronasituation kaum denkbar. Ein auf dem Fronhof geplanter Weihnachtsmarkt soll deutlich kleiner ausfallen.

Veranstalter müssen stimmiges Hygienekonzept vorlegen – auch verkaufsoffene Sonntage im Advent sind möglich.

  • Solingen sieht trotz der Corona-Pandemie noch Möglichkeiten für Weihnachtsmärkte.
  • Ein stimmiges Hygiene- und Zugangskonzept muss vorgelegt werden.
  • Solinger Markt soll in diesem Jahr auf den Fronhof verlegt werden

Von Kristin Dowe

Solingen. Die Stadt sieht trotz der Corona-Pandemie noch Möglichkeiten, in diesem Jahr Weihnachtsmärkte in der Klingenstadt genehmigen zu können. Hintergrund ist die aktuelle Entscheidung des Landes NRW, das nun grundsätzlich grünes Licht für die Veranstaltung von Weihnachtsmärkten gegeben hat. Voraussetzung ist, dass die Organisatoren ein stimmiges Hygiene- und Zugangskonzept vorlegen und die Auflagen der Corona-Schutzverordnung erfüllen können. „Auf Weihnachtsmärkten sind zudem Stehtische mit fest zugewiesenen Stehplätzen zugelassen, wenn diese räumlich zu den Wegen und Straßen abgegrenzt sind“, heißt es weiter dazu beim NRW-Gesundheitsministerium.

So liegen beim Ordnungsamt schon länger Anträge für Weihnachtsmärkte vor, über die nun auf der Grundlage der neuen Verordnung entschieden werden soll. „Wir stehen mit potenziellen Veranstaltern in Kontakt und werden das jetzt klären“, berichtet Rathaussprecherin Sabine Rische auf Nachfrage. Dies stimmt vor allem Schausteller wie Frank Decker optimistisch, der in den vergangenen Jahren den Weihnachtsmarkt auf dem Mühlenplatz ausgerichtet hatte.

„Auf Partys und Hüttengaudi müssen wir verzichten.“ 

Frank Decker, Schausteller

Nach seinen Plänen soll der Markt in diesem Jahr auf den Fronhof verlegt werden, um die Platzsituation zu entzerren und die Abstandsregeln einhalten zu können. „Es wird dieses Jahr maximal 14 Buden geben“, kündigt der Veranstalter an, in den Vorjahren waren es meist etwa 20. Damit sich die Besucherströme besser verteilen, soll der Markt bereits ab dem 12. November und somit eine Woche länger als sonst geöffnet haben. „Auf Partys und Hüttengaudi müssen wir allerdings leider verzichten“, bedauert Decker.

Wie in der Gastronomie sollen Besucher an den Essens- und Getränkeständen dazu verpflichtet sein, ihre Kontaktdaten auf einem Formular zu hinterlassen, die Tische sollen außerdem auf Abstand gestellt werden. „Nicht nur ich, auch das Ordnungsamt betritt mit den Regelungen Neuland. Aber ich bin zuversichtlich, dass es funktioniert“, so Decker. Er hoffe, nun zeitnah eine Genehmigung für den Weihnachtsmarkt in der Innenstadt zu erhalten. „Für uns ist das ein wichtiger Wirtschaftsfaktor im Jahr. Und ich brauche einen gewissen zeitlichen Vorlauf für die Planung, um Personal zu gewinnen.“

Solingen: Verdi wendet sich gegen geplante Sonntagsöffnungen im Advent

Ergänzend zu den Regelungen für die Weihnachtsmärkte will das Land den Händlern außerdem per Erlass ermöglichen, an allen Sonntagen zwischen dem 29. November dieses Jahres bis zum 3. Januar 2021 ihre Geschäfte zu öffnen. „Dies ermöglicht zur Vermeidung von Infektionsgefahren, das Einkaufsgeschehen an den Samstagen zu entzerren und Gedränge in den Innenstädten zu vermeiden“, heißt es beim NRW-Gesundheitsministerium zur Begründung.

Widerstand gegen den Erlass regt sich bei der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi): „Auch die Beschäftigten des Einzelhandels brauchen einen freien Sonntag, gerade in der anstrengenden Zeit vor Weihnachten“, argumentiert Stephanie Peifer, Geschäftsführerin des Verdi-Bezirks Düssel-Rhein-Wupper. „Dabei können Sonntagsöffnungen auch zu einer Verdichtung der Kundenströme und damit zu neuen Infektionshotspots führen. Nicht nur Kundinnen und Kunden, auch die Beschäftigten sind einem Infektionsrisiko ausgesetzt. Das Oberverwaltungsgericht in Münster hatte bereits rechtliche Zweifel an der Verordnung kurz nach deren Veröffentlichung angemeldet. „Ich hoffe, dass die verfassungsrechtlichen Grundlagen ausreichend bedacht worden sind und es tatsächlich Rechtssicherheit gibt“, äußert sich auch Solingens Ordnungsdezernent Jan Welzel (CDU) skeptisch über die Pläne. Die Verordnung des Landes sei allerdings geltendes Recht und ein Erlass der Stadt daher nicht notwendig.

Eher verhalten fällt auch das Echo bei den Händlern aus. „Wir wissen nicht so recht, wie wir vorgehen sollen, da ja jederzeit eine Klage von Verdi kommen kann“, sagt Detlef Amann, Sprecher des Werbe- und Interessenrings Solinger Innenstadt (W. I. R.). „Grundsätzlich würden wir das gerne machen, aber wir warten jetzt erst einmal ab.“

Auch Brigitte Kiekenap, Sprecherin der Werbe- und Interessengemeinschaft (OWG), würde von der Möglichkeit eines oder mehrerer verkaufsoffener Sonntage gerne Gebrauch machen. „Das ist eine der wenigen Chancen, die wir als Händler wahrnehmen können“, betont die Buchhändlerin. Auch wenn die Stadt aufgrund des geltenden Erlasses durch das Land nicht zuständig für die geplanten Sonntagsöffnungen zuständig ist, wünsche sie sich mehr Unterstützung. „Die Stadt könnte zumindest mal klar Position für uns Händler beziehen.“

Einen anderen Weg will schon jetzt Rainer Francke, Sprecher des Walder Werberings, mit seinem Team vom „Bücherwald“ gehen, kündigt er an: „Wir werden an den Sonntagen nicht öffnen, dafür aber Termine etwa bei besonderem Beratungsbedarf auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten anbieten.“ Für Händler, die in der Weihnachtszeit sonntags öffnen möchten, habe er aber vollstes Verständnis. „Das ist genauso in Ordnung.“

Planung

Weihnachtsmärkte: Mit hoher Wahrscheinlichkeit stattfinden wird in diesem Jahr der Romantische Weihnachtsmarkt auf Schloss Grünewald in Gräfrath, teilt Anke Peters vom Veranstalter Open Mind Management Service mit. „Wir sind gerade dabei, unser Konzept an die Verordnung anzupassen.“ Ausfallen werden hingegen der Weihnachtsdürpel in Ohligs und das Weihnachtsdorf in Wald.

Weihnachtsmärkte in Solingen sind in der Schwebe: Die Stadt wartet auf Vorgaben des Landes für eine mögliche Umsetzung. Einige Veranstalter sagten bereits ab.

Können Solinger 2020 noch einmal einen Sonntag zum Einkaufen nutzen? Laut Ordnungsdezernent Jan Welzel (CDU) wird das „schwer bis unmöglich“.

Aktuelle Informationen zur Corona-Situation in Solingen erhalten Sie in unserem Corona-Blog.

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