Ohligs

Bussche-Kessel-Weg: Kleingarten-Anlage steht vor Rettung

Die Kleingartenanlage am Bussche-Kessel-Weg in Ohligs soll gerettet werden, Gewerbe nebenan entstehen. Archivfoto: Christian Beier
+
Die Kleingartenanlage am Bussche-Kessel-Weg in Ohligs soll gerettet werden, Gewerbe nebenan entstehen. Archivfoto: Christian Beier

Statt des A-3-Zubringers soll Gewerbe ausgewiesen werden. Die CDU fordert eine Verkehrsdebatte.

Von Björn Boch

Solingen. Im Streit um die Rettung der Kleingarten-Anlage Bussche-Kessel-Weg zeichnet sich eine Lösung ab. Eine Beschluss-Vorlage der Verwaltung, die erstmals kommenden Montag in der Bezirksvertretung für Ohligs/Aufderhöhe/Merscheid beraten wird und vom Rat Anfang Juni verabschiedet werden soll, sieht den Erhalt der Kleingartenanlage vor. Ziel sei, „die Kleingartennutzung auf der bisher im Bahneigentum befindlichen Fläche in ihrem Fortbestand planungsrechtlich zu sichern und nicht als Gewerbegebiet zu entwickeln“, heißt es in der Vorlage.

Um Gewerbe dort zu verhindern, muss zunächst ein gültiger Bebauungsplan für das Kleingarten-Gelände aufgehoben werden – das ist möglich, weil ein Rechtsgutachten diesem Bebauungsplan gravierende Mängel attestiert hat. Außerdem muss für die bislang als Gewerbefläche ausgewiesene Anlage Ersatz geschaffen werden. Das soll nun direkt nebenan geschehen: Auf Flächen, die bislang zurückgehalten wurden für eine einst angedachte Weiterführung der Viehbachtalstraße zur Autobahn 3.

Gemeinsamer Antrag von SPD, Grünen und FDP

Geregelt ist das im Bebauungsplan O 96. Der Verzicht auf die potenzielle Gewerbefläche anstelle der Kleingärten werde „weitestgehend kompensiert über die Umwidmung der im Bebauungsplan O 96 festgeschriebenen Verkehrsflächen. Diese werden zukünftig als Gewerbefläche ausgewiesen“, heißt es in einem Antrag der Ratsfraktionen von SPD, Grünen und FDP, der am Montag auf ST-Nachfrage veröffentlicht wurde und auf den die Vorlage der Verwaltung auch verweist.

Das Verfahren sei „nicht mal eben“ umzusetzen, warnt SPD-Fraktionsvorsitzende Iris Preuß-Buchholz – unter anderem müsse die Bezirksregierung einbezogen werden, um den Flächennutzungsplan zu ändern. Ebenso müsse das Land zustimmen: Dem Landesbetrieb Straßen gehören die Verkehrsflächen, die zum Gewerbegebiet werden sollen. „Wir wollen nun die ersten Schritte gehen“, erklärte Preuß-Buchholz.

Klar sei, dass nicht alle Kleingärten gerettet werden können. Berücksichtigt wird in der Vorlage ein geplantes drittes Bahngleis in Richtung Köln – diese Fläche wollte die Bahntochter, der das Gelände der Kleingartenanlage gehört, ohnehin nicht veräußern. Außerdem ist ein Rad- und Fußweg geplant, um Ohligs über Aufderhöhe mit Langenfeld zu verbinden.

SPD, Grüne und FDP könnten die Beschlussvorlage mit ihrer Mehrheit durch den Rat und die Fachausschüsse bringen, die Vorlage der Verwaltung soll in dieser Woche in den Fraktionen beraten werden. Voraussichtlich am Dienstag wird sich die CDU damit befassen. Fraktionschef Daniel Flemm kündigte an, einer Änderung des Flächennutzungsplans auf jeden Fall zuzustimmen. Die CDU habe sich schließlich als erste Partei für den Erhalt der Kleingärten ausgesprochen und tue das auch weiterhin.

Bedenken hat Flemm in Bezug auf den Flächentausch. Die CDU wolle die Gelegenheit nutzen, um zu beraten, „wie wir die Verkehrsknoten in Aufderhöhe und Ohligs entlasten können“. Es reiche nicht, den Autobahnanschluss aufzugeben – man müsse auch Alternativen aufzeigen.

Standpunkt von Björn Boch: Kleingärten als Symbol

bjoern.boch@solinger-tageblatt.de

Die Kleingartenanlage am Bussche-Kessel-Weg ist längst ein Symbol geworden. Hier werden Debatten stellvertretend geführt: Frischluftschneise gegen Gewerbeansiedlung, Verkehrswende gegen tägliches Pendlerleid, um nur zwei Konflikte zu nennen. Die Kleingärten einfach für Gewerbe zubetonieren, das wollte längst niemand mehr – es wäre weder vernünftig noch zeitgemäß. Nun stattdessen Flächen zu „opfern“, die noch für eine Straßenplanung frei gehalten werden, die niemals umgesetzt wird, ist wesentlich sinnvoller. Weil die Kleingärten ein Symbol sind, wäre eine breite Mehrheit für das Vorhaben wünschenswert.

Die CDU ringt noch – und hat recht mit dem Hinweis, dass es Pläne braucht für den Verkehr in Ohligs und Aufderhöhe. Für große Akzeptanz in Zukunft braucht es aber nicht nur ein Konzept für Straße, Schiene und Radweg – sondern auch für die Firmen, die sich irgendwann ansiedeln sollen.

Lesen Sie auch: Dürpelfest: Ohligs freut sich auf die große Party

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Messerstecherei in Ohligs: Polizei fahndet mit zwei Fotos nach Verdächtigen
Messerstecherei in Ohligs: Polizei fahndet mit zwei Fotos nach Verdächtigen
Messerstecherei in Ohligs: Polizei fahndet mit zwei Fotos nach Verdächtigen
Unbekannte Frauenleiche war Solingerin - Mordkommission übernimmt Ermittlungen
Unbekannte Frauenleiche war Solingerin - Mordkommission übernimmt Ermittlungen
Unbekannte Frauenleiche war Solingerin - Mordkommission übernimmt Ermittlungen
Benny Kaßler „brennt“ für Musik und die Freiwillige Feuerwehr
Benny Kaßler „brennt“ für Musik und die Freiwillige Feuerwehr
Benny Kaßler „brennt“ für Musik und die Freiwillige Feuerwehr
Handwerk kämpft mit Materialmangel
Handwerk kämpft mit Materialmangel
Handwerk kämpft mit Materialmangel

Kommentare