Verkehr

Busankunft wird ab 2022 in Echtzeit angezeigt

Die Busankunftszeiten gibt es ab Anfang 2022 nicht nur in Echtzeit auf die Anzeigetafeln, auch Apps werden informieren. Foto: Christian Beier
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Die Busankunftszeiten gibt es ab Anfang 2022 nicht nur in Echtzeit auf die Anzeigetafeln, auch Apps werden informieren.

Der Verkehrsbetrieb der Stadtwerke setzt auf die digitale Revolution. Das neue System übermittelt nicht nur die Ankunftszeiten in Echtzeit, es übernimmt auch den Funkverkehr zwischen Bussen und Leitstelle und weiß dank GPS-Daten immer genau, wo welcher Bus gerade ist.

Von Philipp Müller

Solingen. Wo bleibt denn die Linie 695? Kommt der BOB pünktlich am Abteiweg an? Diese Fragen wird ab Januar beispielsweise die Stadtwerke-App Solingen. Mobil beantworten können. Vor gut einer Woche hat der Verkehrsbetrieb der Stadtwerke Solingen damit begonnen, ihre Busse auf die neuen digitalen Zeiten umzurüsten. Zehn Busse pro Woche sollen es sein, berichtet die Sprecherin des Verkehrsbetriebs, Silke Rampe. Zugleich wird das System ITCS (Intermodal Transport Control System) installiert. Das übermittelt nicht nur die Ankunftszeiten in Echtzeit, es übernimmt auch den Funkverkehr zwischen Bussen und Leitstelle und weiß dank GPS-Daten immer genau, wo welcher Bus gerade ist.

„Als Nachfolge des alten RBL, dem rechnergestützten Betriebsleitsystem, führt der Verkehrsbetrieb zum Ende des Jahres das Intermodal Transport Control System flächendeckend ein“, erklärt Silke Rampe, Sprecherin des Verkehrsbetriebs. RBL ermöglichte bereits, dass entlang der Linie 683, an Bushaltestellen wie dem Busbahnhof Aufderhöhe, dem am Hauptbahnhof, am Bahnhalt Mitte oder an einigen Innenstadt-Haltestellen, die Auskunft gezeigt wird, wann die Busse erwartet werden. Bisher nur als Countdown.

Doch das soll ITCS revolutionieren. Statt des Countdowns wird dann die tatsächliche Ankunftszeit angezeigt. Das Verfahren läuft digital und ist im Hintergrund auch kompliziert. Die Übermittlung der Daten, wo welcher Bus gerade fährt oder steht, erfolgt per GPS, dem Verfahren, mit dem auch Navigationssysteme in Pkw mittels Satellit gelenkt werden. Zusätzlich wird der Verkehrsbetrieb an vielen Stellen Baken einsetzen, die die Signale der Busse aufnehmen und Informationen an die Busse weiterleiten.

„Die Standortdaten der Busse gehen direkt an die Fahrplanauskunft.“

Silke Rampe, Verkehrsbetrieb

Denn, das betont Silke Rampe, ITCS kann mehr als nur zu wissen, wo der Bus gerade ist. „Das System dient auch einer bessere Funkverbindung.“ ITCS biete ein erweitertes Vertriebssystem und sei zugleich Prüfsystem von Chipkarten. Es übermittelt die Daten für eine Zielbeschilderung und die Haltestellenansage. Zugleich wird die Technik als Impulsgeber für die Entwerter in den Bussen eingesetzt. Aber auch als Datendrehscheibe für das dynamische Fahrgastinformationssystem diene das Programm. Weitere Module könne es auch bedienen. So wird ITCS das Lademanagement für die batteriebetriebenen Busse der Serie BOB steuern.

Busverkehr in Solingen: Neue Check-in-Funktion rechnet Fahrpreis ab

Die Fahrgäste spüren das vor allem durch eine Erleichterung in der Praxis. „Neben den Haltestellenanzeigen werden die dynamischen Fahrplandaten dann auch aktuell in die efa, die elektronischen Fahrplanauskunft, eingespielt. So soll der Fahrgast auf dem Smartphone in der App sehen können, wann der nächste Bus der angefragten Linie kommt“, erläutert die Sprecherin. Neben der App Solingen.Mobil werden auch der DB-Navigator der Bundesbahn mit den Daten versorgt und die Handy-App des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr (VRR).

Doch damit nicht genug. Über das Programm Cibo (Check in be out) wird man in den Bussen auch ein- und auschecken können. Wie das genau funktioniert, wollen die Verkehrbetreibe noch ausführlich zum Jahresende erklären. So viel ist aber klar. Das Programm erkennt etwa Tickets, die elektronisch über die App Handy-Ticket gekauft wurden. Auch Monatskarten, die eingescannt werden können, erkennt Cibo. Damit lasse sich sogar der Fahrpreis genau abrechnen, sagt Rampe.

Neues System

Das computergestützte System (ITCS) für Intermodal Transport Control System ist ein im ÖPNV benutztes digitales Verbund-System. Diese Einsatzgebiete sind möglich: Information- und Kommunikation zwischen Bussen und Leitstelle, der rechnergestützte Fahrbetrieb, Fahrgastinformation in Bussen und an Haltestellen. Über Mobilfunk und Internet erfolgt die dynamische Fahrgastinformation in Echtzeit.

Standpunkt: Bus schafft Verkehrswende

philipp.mueller@solinger-tageblatt.de

Kommentar von Philipp Müller

Der Bus kündigt sich digital an, Fahrgäste checken im Bus ein und zahlen für die gefahrene Strecke. Was wie Zukunftsmusik klingt, das lässt der Verkehrsbetrieb Schritt für Schritt jetzt Realität werden. Mehr Service, mehr Verlässlichkeit sind auch zwei Baustein der Verkehrswende in Sachen öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV). Dem wird für das Verkehrskonzept in der Innenstadt eine wichtige Rolle zugemessen. Der Solinger Verkehrsbetrieb ist zugleich mit den BOB, den durch Batterien angetriebenen Bussen, auf dem richtigen Weg. Da fügt sich jetzt ein Stein zum anderen. Es wird sich aber noch zeigen müssen, ob es mit der modernen Ausrichtung gelingt, auch die Nutzer von Pkw für den Bus zu begeistern. Da gilt oft der Spruch „Einen alten Baum verpflanzt man nicht“. Wenn aber hinter den Kulissen bereits ein System installiert wird, das auch Fahrpreise nach Strecken berechnet, kann das über die Wirtschaftlichkeit interessant werden mit dem Umstieg. Da sind die Entscheider gefragt, diese Wege für Tickets zügig mit mehr Flexibilität auszustatten.

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