Coronavirus

Bundeswehr unterstützt bei Testungen in Solingen

Stabsunteroffizier Florian Ritgen testet Christiane Schulze vom Gerhard-Berting-Haus mit einem Abstrich auf Corona. Foto: Christian Beier
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Stabsunteroffizier Florian Ritgen testet Christiane Schulze vom Gerhard-Berting-Haus mit einem Abstrich auf Corona.

Neben der Kontaktnachverfolgung übernehmen Soldaten in Solingen weitere Aufgaben.

  • Soldaten der Bundeswehr sind in Altenheimen in Solingen sowie im Klinikum im Einsatz.
  • Sie nehmen unter anderem Corona-Abstriche bei Besuchern.
  • Nicht nur das: Die Senioren freuen sich, wenn Soldaten mit ihnen spazieren gehen.

Solingen. Bei der Nachverfolgung der Kontakte mit Corona infizierter Bürger unterstützen bereits seit Ende November 2020 Soldaten der Bundeswehr das Solinger Gesundheitsamt. Nun hat die Stadt das Aufgabenspektrum der Kameraden erweitert: Neun Soldaten vom ABC-Abwehrbataillon in Höxter helfen nun auch in insgesamt sieben Solinger Einrichtungen – darunter das Elisabeth-Roock-Haus und das Gerhard-Berting-Haus – bei den Corona-Testungen mittels Abstrich für Besucher und Personal. Darüber hinaus sind 13 Soldaten der Flugbereitschaft des Bundesverteidigungsministeriums Köln-Bonn (Luftwaffe) unterstützend in der Pflege und Betreuung in den beiden genannten Einrichtungen sowie im Städtischen Klinikum tätig. Am Dienstag erhielten die Soldaten eine Einweisung in die Praxis der Schnelltests.

„Für Solingen ist das erst mal eine Übergangslösung“, erklärt Oberstleutnant Bernhard de Fries vom Kreisverbindungskommando (KVK) Solingen. Der Einsatz sei bis zum 26. Februar befristet, da ab dem 27. Februar eine Regelung des Bundes greife, nach der die Bundesagentur für Arbeit zivile Kräfte für die Tests in Senioreneinrichtungen abstellen muss. Der Einsatz in Bezug auf die pflegerische Unterstützung solle hingegen eventuell verlängert werden. „Viele Soldaten wünschen sich das auch, weil sie in dieser Aufgabe aufgehen und sie Freude daran haben“, ergänzt Hauptmann Marc Polley vom KVK Solingen.

„Die Soldaten leisten auch einen Beitrag zur psychischen Gesundheit der Bewohner.“

Christiane Schulze, Gerhard-Berting-Haus

Während die konkreten Pflegetätigkeiten auch weiterhin nur vom ausgebildeten Personal übernommen werden, leisteten die Soldaten vor allem wichtige Dienste auf der zwischenmenschlichen Ebene. „Wir haben auch mal Zeit, mit einem Bewohner eine Runde spazieren zu gehen oder einfach nur zuzuhören. Und für die Soldaten ist es umgekehrt eine tolle Erfahrung, über den Tellerrand schauen zu können. Das Strahlen im Gesicht eines Bewohners ist da eine schöne Bestätigung.“

Dies sei gerade in der Corona-Zeit, in der das pflegerische Personal mit einer Vielzahl von Aufgaben eingespannt ist, eine willkommene Entlastung, findet auch Christiane Schulze, die das Gerhard-Berting-Haus in Wald leitet. „Die Soldaten leisten auch einen Beitrag zur psychischen Gesundheit der Bewohner“, so Schulze.

Gleichzeitig habe ihr Haus auch gerne die Möglichkeit in Anspruch genommen, dass die Soldaten bei den Schnelltests und der Organisation von Besuchen am Empfang Unterstützung leisten. Wie schnell das Virus auch trotz höchster Schutzvorkehrungen in eine Einrichtung eingeschleppt werden kann, dafür ist Schulzes Team sensibilisiert, nachdem es im Dezember 2020 einen größeren Corona-Ausbruch im Gerhard-Berting-Haus gegeben hatte. 40 Bewohner und 22 Mitarbeiter waren positiv auf das Virus getestet worden. Entsprechend hoch sei auch die Impfbereitschaft der Bewohner, von denen mehr als 90 Prozent bereits zum zweiten Mal geimpft seien. „Auch bei dem Personal nimmt die Bereitschaft zu“, beobachtet Christiane Schulze. Dazu habe auch die Angst vor den Mutationen beigetragen.

Die Kosten für die Unterbringung und Verpflegung der Soldaten übernimmt die Stadt. 15 Kameraden des Panzergrenadierbataillons 212 unterstützen weiterhin das Gesundheitsamt bei der Kontaktnachverfolgung, fünf habe man inzwischen im Zuge der sinkenden Inzidenzzahlen abgezogen, ab dem 20. Februar bis zum 16. April soll weiter auf zehn Soldaten reduziert werden. „Wir sind aber auf der Hut!“, betont Bernhard de Fries. „Wir können jederzeit reagieren und aufstocken, falls die Zahlen wieder steigen sollten.“ Die Zusammenarbeit mit dem Krisenstab der Stadt laufe insgesamt reibungslos.

Hintergrund

Die Soldaten sind in Solingen in der Zentralfachschule der Deutschen Süßwarenwirtschaft (ZDS) untergebracht – in dem Gebäude befand sich früher eine Jugendherberge. Am Wochenende müssen sie mit Blick auf die Abstandsregeln in ein Hotel in Oberburg ausweichen, heißt es.

Standpunkt

kristin.dowe@solinger-tageblatt.de

Ein Kommentar von Kristin Dowe

Ältere Menschen im Rollstuhl für einen Ausflug durch den Park schieben und sich zwischenmenschlich mit ihnen beschäftigen – dies sind Tätigkeiten, die man früher wohl eher mit dem klassischen Zivildienst als mit der Bundeswehr assoziiert hätte. Gerade in der Corona-Zeit haben die Soldatinnen und Soldaten aber schon jetzt bewiesen, dass sich ihre Wirkungsfelder längst nicht mehr auf militärische Aufgaben beschränken. Auch in vielen anderen Bereichen leisten sie einen wichtigen Dienst an der Gesellschaft. Dies zeigt sich auch in Solingen, wo die Stadt zwar im Vergleich zu anderen Kommunen eher spät diese Möglichkeit genutzt hat, der Krisenstab nun aber offenbar sehr gut mit der Bundeswehr zusammenarbeitet. Nicht nur das Gesundheitsamt, auch das Personal in den Kliniken und Pflegeeinrichtungen, braucht dringend Entlastung. So fallen allein für die Tests und Abwicklung der Besuche in den Einrichtungen gut 35 Arbeitsstunden in der Woche an, die sonst anderweitig abgezweigt werden müssten. Mag mancher den Dienst an der Waffe auch aus Prinzip ablehnen, verdient die Bundeswehr in diesen Tagen einen aufmerksamen Blick auf ihre Leistungen.

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