Ehrenamt

Bürgerpreis: Enver Perviz hilft Jugendlichen, in der Spur zu bleiben

Enver Perviz ist froh, wenn er die Tür an der Turnhalle der Schule Am Rennpatt wieder für „Sport um Mitternacht“ öffnen darf. Foto: Christian Beier
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Enver Perviz ist froh, wenn er die Tür an der Turnhalle der Schule Am Rennpatt wieder für „Sport um Mitternacht“ öffnen darf.

Vier Kandidatinnen und Kandidaten sind für den Bürgerpreis nominiert – Enver Perviz gehört dazu.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Enver Perviz hofft inständig, dass die Infektionslage bald wieder sportliche Normalität zulässt. Dann nämlich kann er freitagabends endlich wieder um 22 Uhr die Turnhalle Am Rennpatt aufschließen, um Jugendlichen – und Älteren – jenseits vom Vereinssport Bewegung zu ermöglichen. „Meist wird drei Stunden heftig vor den Ball getreten“, sagt der 26-jährige lächelnd, selbst aktiver Spieler beim VfB und von daher genau richtig, um begeistert mitzumachen. Um 1 Uhr nachts ist dann Schluss – und alle, die da waren, gehen müde, verschwitzt und zufrieden nach Hause.

„Ich bin ein Kumpel, ein niedrigschwelliger Ansprechpartner.“

Enver Perviz

„Sport um Mitternacht“ heißt das sozialpädagogische Projekt, das vor rund 30 Jahren als Kooperation zwischen Fuhrgemeinschaft und Sportbund entstand und seit 2018 erneut Fahrt aufgenommen hatte: Das war der Zeitpunkt, an dem Enver Perviz dort als ehrenamtlicher Betreuer einstieg, fest überzeugt von dem Konzept. Er ist der letzte Kandidat, den wir heute für den Solinger Bürgerpreis 2021 vorstellen. Dieser wird jährlich an Alltagshelden verliehen, die sich ehrenamtlich einsetzen. Die weiteren Nominierten sind Daniel Marks, Bettina Heuschkel und Gabriela Fritz. Der Bürgerpreis wird von der Stadt-Sparkasse ausgelobt, das Solinger Tageblatt und Radio RSG sind Medienpartner.

„Es gibt Studien, die sehr schön belegen, dass Einbrüche oder andere kriminelle Handlungen von sogenannten ‚schwierigen‘ Jugendlichen just um diese Abendzeit stattfinden – oft, weil deren ‚Clique‘ Mutproben erwartet oder weil es um den ‚Kick‘ geht, etwas ,Verbotenes, Cooles‘ zu tun“, sagt Perviz. Diesen jungen, tief in sich unsicheren und suchenden Menschen eine Freizeit-Alternative in Form von Intensivsport anzubieten, hätte sich erstaunlich gut bewährt, erzählt der gelernte Sport- und Fitness-Kaufmann, der inzwischen beim Ordnungsdienst der Stadt arbeitet. Wie wichtig körperliches Auspowern insbesondere in einer Mannschaftssportart mit klaren Regeln sei, werde auf den ersten Blick vielleicht unterschätzt.

Außerdem greife dieses Konzept im zweiten Schritt tiefer: „Ich bin ein Kumpel, ein niedrigschwelliger Ansprechpartner. Manchmal genügt es zuzuhören, oft genug aber vermittele ich Ansprechpartner, sei es rund um die Berufswahl oder bei Schulschwierigkeiten. Durch meine Verbindung zur Verwaltung kann ich auch schon mal Erstkontakte zu einer Behörde herstellen.“ Gerade „Obrigkeit“ sei etwas, das für diese Jungs häufig per se negativ besetzt sei. „Da ist es gut, wenn ich ein bisschen moderiere.“

Als Kind aus dem Bosnienkrieg nach Solingen geflüchtet, hatte es Enver Perviz als Jugendlicher selbst nicht leicht, seinen Weg zu finden. „Da gab es viele Irrungen und Wirrungen, und auch ich habe – pubertär und mit rückblickend falschen Freunden – ein paarmal Wege eingeschlagen, die sich als Sackgasse entpuppten“, sagt der Vater einer 18-monatigen Tochter. „Wenn ich damals von diesem Sport um Mitternacht gewusst hätte, wäre ich besser durch diese Zeit gekommen.“

Perviz kann sich gut in seine Schützlinge hineinfühlen und ist ein optimaler Vermittler. Die Pandemie mit den notwendigen Kontaktbeschränkungen, die ein klares Aus für die Freitagabende bedeuteten, war von daher für das Projekt „richtig blöd“, wie er sagt.

„Wenn wir wieder starten können, wird es Wochen und vielleicht auch Monate dauern, bis wir erneut den Zulauf haben, der zuvor da war.“ Das „wir“ steht für ihn und seine Projekt-Kollegen: seine Frau Claudia und Schwager Luigi. „Über die beiden bin ich damals dazu gestoßen, um das brachliegende Konzept neu zu beleben. Meine Frau war da schon beim Sportbund als Helferin.“ Sie hätten mit Freunden angefangen, um das Ganze ans Laufen zu kriegen, und dann auf Mund-zu-Mund-Propaganda in der „Szene“ gesetzt. „Nach ein paar Monaten hatten wir unsere Zielgruppe da“, erinnert sich Perviz.

Abstimmung

Abstimmen können Sie über die Bürgerpreis-Internetseite des Solinger Tageblatts (siehe unten). Teilnahmeschluss ist der 30. Mai 2021. Unter allen Abstimmungsteilnehmern werden drei Gutscheine über je eine „Frog King“-Skulptur des Künstlers Stefan Seeger verlost.

Abstimmung im Internet: www.solinger-tageblatt.de/buergerpreis

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