38 Bäume müssen gerodet werden

Bürgerinitiative wendet sich gegen Bau eines Transportsammlers

Lochbach
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Für rege Diskussionen sorgt ein Bauvorhaben der Stadt, das auf Dauer die Gewässerqualität des Lochbachs verbessern soll.

Von Kristin Dowe

Solingen. Für rege Diskussionen sorgte am Mittwochabend in der Sitzung des Beirats Untere Naturschutzbehörde ein Bauvorhaben der Stadt, das auf Dauer die Gewässerqualität des Lochbachs verbessern soll: An der Tunnelstraße in Ohligs soll ein Transportsammler errichtet werden, der gleichzeitig als Stauraumkanal dient. Aktuell befinden sich im Bereich der Tunnelstraße und Deusberger Straße vier Regenüberläufe, die nicht mehr dem heutigen Stand der Technik entsprechen. Dies führt dazu, dass das Wasser bei großen Niederschlagsmengen in den Lochbach abgeleitet wird. „Das Wasser führt dann eine große Schmutzfracht mitsamt Fäkalien und Hygieneartikeln mit sich, die alle im Lochbach landen“, erklärte Ralf Ostermann vom Fischer Teamplan Ingenieurbüro in der Beiratssitzung, das für die Pläne verantwortlich zeichnet. Gleichzeitig müsse die Stadt gesetzliche Auflagen seitens der Bezirksregierung zur Verbesserung der Gewässerqualität erfüllen.

„Was dort abgeholzt wird, ist als Quartier für Tiere nicht wiederherstellbar.“
Helmut Pötzsch, Fledermausexperte

Ein neuer Stauraumkanal würde mit bis zu 2,30 Meter Durchmesser deutlich mehr Fassungsvermögen besitzen. Größere Niederschlagsmengen, die nicht direkt zum Klärwerk abfließen können, würden zunächst zu einem Entlastungsbauwerk abgeleitet, das an der Tunnelstraße errichtet werden und als Puffer dienen soll. Während vom Entlastungsbauwerk bis zur Ecke Mittelstraße in offener Bauweise gearbeitet werden kann, ist für den Bau des restlichen Kanalteils – ähnlich wie bei dem Verfahren zum Bau des Ittersammlers – ein unterirdischer Rohrvortrieb mit Hilfe einer Presstechnik vorgesehen. Der gesamte Stauraumkanal soll in der Deusberger Straße beginnen und im Wendehammer der Tunnelstraße enden. Gearbeitet würde in zwei Bauabschnitten – jeweils ausgehend von der Startbaugrube Tunnelstraße/Ecke Wahnenkamp. Die Bauzeit, beginnend im Sommer 2021, würde gemäß den Plänen zwei Jahre dauern. Dabei würden die Festsetzungen des Landschaftsplans den Bau des Kanals eigentlich verbieten. Eine Beschlussempfehlung an den Beirat, einer Befreiung von diesen zuzustimmen, wurde zunächst vertagt.

Unter Umweltschutzaspekten hat das Projekt für Kritiker gleich mehrere Haken: Unumgänglich wäre nach Angaben der Stadt etwa die Rodung von 38 Bäumen entlang der Tunnelstraße im Zuge des Kanalbaus, wo sich ein wertvolles Biotop im innerstädtischen Raum entwickelt hat. Zwar würde der Kanalbau von Ausgleichsmaßnahmen wie dem Neupflanzen von Bäumen und der Anlage einer Obstwiese begleitet, und Untersuchungen hätten den Planern zufolge ergeben, dass die ökologischen Beeinträchtigungen nicht gravierend seien. Überzeugen können diese Argumente die Vertreter der Bürgerinitiative „Rettet das Biotop Tunnelstraße!“ aber nicht.

Der von den Maßnahmen betroffene Teil des Lochbachtals habe einen ursprünglichen und urwaldartigen Charakter, in der sich die Natur mitten im urbanen Raum ungehindert entfalten könne, gab Sabine Vogel zu bedenken, die sich als stellvertretende Vorsitzende des BUND Solingen der Bürgerinitiative angeschlossen hat. „Es würde 30 Jahre dauern, bis das Biotop wieder seinen ursprünglichen Zustand erreicht hat.“ Viele Tier- und Pflanzenarten wie etwa Eisvögel und Fledermäuse seien in dem Gebiet beheimatet.

Mit letzteren beschäftigt sich Helmut Pötzsch seit Jahren intensiv – erst im Oktober verlieh der Landschaftsverband Rheinland ihm und Ehefrau Michèle den Rheinlandtaler für ihr Engagement. „Was dort abgeholzt wird, ist als Quartier für Tiere nicht wiederherstellbar“, ist Pötzsch überzeugt. Für gleich mehrere Fledermausarten sei der Eingriffsbereich ein wichtiger Nahrungsraum, der durch die Maßnahmen geschädigt werde. Weitere Kritikpunkte der Bürgerinitiative sind negative Auswirkungen auf das innerstädtische Klima durch die Rodungen, der dadurch wegfallende Schallschutz sowie eine starke Belastung der Bewohner des Quartiers während der Bauphase.

Bodenaustausch

Da der Boden in dem Bereich mit Schadstoffen belastet und deshalb nicht tragfähig ist, muss der Boden dort ausgetauscht und fachgerecht entsorgt werden. Am Montag beschäftigt sich auch die Bezirksvertretung Ohligs/Aufderhöhe/Merscheid mit dem Thema.

Wo einst emsige Handwerker und Lieferfrauen ihre Körbe voller Rohmaterial ablieferten, plätschert nun am idyllischen Tiefendicker Kotten der Lochbach und zwitschern die Vögel. Zur ersten „Entdeckungstour zum Solinger Lochbach mit Spielen aus der Zeit um 1900“ führte Martin Mohn vom LVR-Industriemuseum Gesenkschmiede Hendrichs sieben Teilnehmer durch den Stadtteil Merscheid.

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