Engagement

Bürgerinitiative kämpft seit zehn Jahren für das Ittertal

Christian Robbin, Ingo Hill und Dr. Cornelius Arend treten gegen den „Flächenfraß“ ein.
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Christian Robbin, Ingo Hill und Dr. Cornelius Arend treten gegen den „Flächenfraß“ ein.

Bürgerinitiative wurde im Juni 2012 als Reaktion auf Gewerbeflächenpläne gegründet.

Von Andreas Tews

Solingen. Sich für die grünen Lungen der Stadt, für ein besseres Stadtklima und den Erhalt der Natur einzusetzen, bedeutet immer wieder, gegen Gewerbegebiete auf der grünen Wiese zu kämpfen. Diese Erfahrung haben Christian Robbin, Ingo Hill und Dr. Cornelius Arend in den vergangenen zehn Jahren immer wieder gemacht. So lange existiert ihre Bürgerinitiative „Rettet das Ittertal“. Die Geburtsstunde der Initiative war im Juni 2012 bei einer Informationsveranstaltung im Walder Stadtsaal.

Damals ging es um die vier geplanten Gewerbegebiete Buschfeld, Keusenhof, Fürkeltrath II und Piepersberg-West, die am Rand des Ittertals entstehen sollten. Die Aufregung war seinerzeit nicht nur bei den Anwohnern des Ittertals groß.

„Wir sind durch Zufall auf das Thema aufmerksam geworden“, blickt Ingo Hill zurück. An einem Stand in Wald informierten seinerzeit die Grünen über die Planungen für die bislang zumeist landwirtschaftlich genutzten Flächen. Hill erinnert sich noch gut an seine damalige Reaktion: „Wir dachten, das kann nicht sein.“ Zeitnah luden Hill und andere Aktive zu einer Informationsveranstaltung in den Walder Stadtsaal ein. 50 Interessierte kamen, bei späteren Veranstaltungen waren es noch mehr. Es folgten Infostände, Flyer und Banner. Bei einer weiteren Aktion sammelten die Aktiven innerhalb von zwei Monaten 2700 Unterschriften gegen die Gewerbegebiete.

Bei einer Veranstaltung in der Heidberger Mühle stieß Christian Robbin zu der Bürgerinitiative. Wie er fanden nach und nach immer mehr Gräfrather und Ohligser zu der im Ursprung vor allem Walder Initiative. Darunter waren auch Dr. Cornelius Arend und andere ehemalige Aktive der Bürgerinitiative Fürkeltrath, die einst dazu beitrug, die Ansiedlung eines großen Galvanik-Betriebs zu verhindern.

„Wir haben Politiker nie als Feinde gesehen.“

Dr. Cornelius Arend

In einem weiteren Schritt banden die Ittertaler nach Hills Angaben Teile der Solinger Kommunalpolitik mit ein. Dies sei dadurch begünstigt worden, dass gerade Kommunalwahlkampf gewesen sei. Hill erinnert sich: „SPD, BfS, Grüne und Linke waren bei uns.“ CDU und FDP traten hingegen für die Gewerbegebiete ein. „Mit der Politik kam Bewegung `rein“, erinnert sich Robbin. Bei allen Gegensätzen habe aber immer der faire Umgang miteinander gezählt, betont Arend. „Wir haben die Politiker nie als Feinde gesehen, sondern als Diskussionspartner.“

Mit Beharrlichkeit, dem Beschaffen von Informationen und mit Hilfe der Öffentlichkeit erreichten die Aktiven zumindest Teilerfolge. Die Gewerbeplanungen für den Keusenhof werden nicht mehr verfolgt, vom Buschfeld hat sich zumindest die Solinger Politik verabschiedet, Fürkeltrath II kommt, wenn überhaupt, nur in abgespeckter Form, um Piepersberg-West ist es seit dem Ende der Planungen für eine dortige Handball- und Veranstaltungshalle still geworden.

300 Aufnahmen zeigen historisches Ittertal

Am Ende ihrer Arbeit sehen sich Robbin, Hill und Arend aber noch lange nicht. Sie wollen erreichen, dass das Buschfeld im Regionalplan der Bezirksregierung nicht mehr als potenzielle Gewerbefläche geführt wird, auch die Diskussion um Fürkeltrath II ist noch nicht beendet. Auch neue Themen tauchen mit großer Regelmäßigkeit auf: so die Haaner Gewerbeflächen am Ittertal oder die geplante Bodenrecyclinganlage der Wuppertaler Abfallwirtschaftsgesellschaft am benachbarten Vohwinkeler Westring. „Solingen ist eine der wenigen Städte, die noch einen halbwegs intakten Grüngürtel haben“, sagt Robbin. Den gelte es zu erhalten.

Still wird es um die Bürgerinitiative „Rettet das Ittertal“ und ihre gut 30 Aktiven also nicht werden. Ihr Engagement gegen den „Flächenfraß“ und stattdessen für den Erhalt alter Industriebrachen als Gewerbeflächen geht weiter. Nach der unfreiwilligen Corona-Pause seien auch wieder Veranstaltungen geplant, kündigt Hill an. Eine zur Situation im Ittertal soll es zum Beispiel im August geben. Wann genau, steht allerdings noch nicht fest.

Pro Naturraum

18 Initiativen aus den Regierungsbezirken Düsseldorf und Köln haben den Initiativkreis Pro Naturraum gegründet. Der Druck auf Freiflächen sei in der ganzen Region akut, erklärt Christian Robbin von der Bürgerinitiative „Rettet das Ittertal“, die das Bündnis initiiert habe. Darum sei es wichtig, dass sich die Initiativen austauschen.

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