Pandemie

Bürgerantrag fordert Luftfiltergeräte für Schulen

Auch an der Albert-Schweitzer-Schule lüften Rektor Hans-Martin Rahe und seine Kollegen regelmäßig durch. Foto: Christian Beier
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Die Stadtverwaltung empfiehlt eine Ablehnung des Antrags. Begründung: Das Umweltbundesamt empfehle als wirksamste Lösung gegen das Coronavirus die regelmäßige Fensterlüftung (wie hier an der Albert-Schweitzer-Schule).

Schulausschuss stimmt am Dienstag über die Petition ab.

Von Anja Kriskofski

Solingen. Der Schulausschuss berät am Dienstag über eine Petition zur Anschaffung von mobilen Luftfiltergeräten für Klassenräume. Den Bürgerantrag hat der Solinger Jan Lintermann gestellt. „Wir brauchen Luftreiniger an den Schulen für den Gesundheitsschutz der Kinder vor einer Corona-Infektion, da jüngere Kinder auf absehbare Zeit keine Chance auf einen Impfschutz haben werden“, fordert er. Die Geräte sollten für Klassenräume in Grundschulen und Förderschulen angeschafft werden. Auf der Plattform change.org hat der zweifache Vater zudem eine Online-Petition gestartet.

Die Stadtverwaltung empfiehlt in ihrer Beschlussvorlage allerdings eine Ablehnung des Antrags. Begründung: Das Umweltbundesamt empfehle als wirksamste Lösung gegen das Coronavirus die regelmäßige Fensterlüftung. Für die flächendeckende Ausstattung mit Filtern müsste die Stadt Solingen rund 2,5 Millionen Euro investieren und jährliche Folgekosten in Höhe von rund 100 000 Euro tragen. „Diese sind im städtischen Haushalt bisher nicht finanziert.“ Auch müsse der Kauf von rund 500 Geräten europaweit ausgeschrieben werden, eine Lieferung sei erst nach mehreren Monaten zu erwarten, heißt es.

Jan Lintermann hält die Investitionskosten für die Geräte für deutlich niedriger. Aus seiner Sicht müssten „nur“ rund 300 Geräte angeschafft werden, um alle Klassenräume auszustatten. Zudem kalkuliert er mit einem Mengenrabatt. Bei einer Finanzierung über den Corona-Haushalt, müsste die Stadt nur etwa 14 000 Euro pro Jahr über 50 Jahre zurückzahlen, argumentiert er. Und er geht von einem niedrigeren Energieverbrauch in der Folge aus. Die Stadt spare Heizkosten, wenn die Fenster nicht ständig offen stehen.

Luftfiltergeräte für Schulen in Solingen: FDP kündigt an, für die Petition stimmen zu wollen

Lintermann blickt mit Sorge nach Großbritannien, wo sich die hochansteckende Delta-Variante des Coronavirus ausbreite. „Das wird uns hier auch bevorstehen, und wir dürfen es nicht zulassen, dass die Kinder ab dem Herbst wieder bei offenen Fenstern frieren müssen oder in den Distanzunterricht geschickt werden.“ Die FDP kündigte an, für den Bürgerantrag stimmen zu wollen: „Wir haben in der Stadt, im Land und im Bund so viel Geld zur Bekämpfung der Pandemie ausgegeben, dass wir jetzt nicht bei den Kindern sparen dürfen“, teilte der Schulausschuss-Vorsitzende Raoul Brattig (FDP) mit.

Standpunkt: Alles ausloten

anja.kriskofski@solinger-tageblatt.de

Kommentar von Anja Kriskofski

Die Zeichen stehen überall auf Entspannung: weniger Neuinfektionen, immer mehr Geimpfte, Öffnungen auf breiter Front. Unter diesen Vorzeichen entscheidet der Schulausschuss am Dienstag über einen Bürgerantrag zu Raumluftfiltern. Für eine Investition über mehrere Millionen Euro eine Mehrheit zu finden, dürfte angesichts der aktuell entspannten Lage schwierig werden. Denn im Moment läuft der Schulbetrieb ja auch ohne Luftfilter reibungslos. Zudem findet sich in der Beschlussvorlage der Hinweis: „eine Beschaffung aus rein kommunalen Mitteln wäre nicht zweckmäßig“. Der städtische Haushalt hat auch wegen der Corona-Schulden kaum Spielräume. Finanzielle Wege könnte jedoch ein Programm des Bundeswirtschaftsministeriums eröffnen, das bis Ende des Jahres den Einbau von Raumfilteranlagen in Einrichtungen für Kinder unter zwölf Jahren fördert – also auch in Grundschulen und Förderschulen. Eines ist klar: Nach einem fast verlorenen Schuljahr sollten Politik und Verwaltung alles ausloten, um die Voraussetzungen für einen sicheren Schulbetrieb im nächsten Herbst und Winter zu schaffen.

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