Aktion

Bürger sammeln wild entsorgten Müll ein

Eines von vielen Fundstücken bei der privaten Müllsammelaktion: eine Theke. Statt sie einfach zu einer Deponie zu bringen, wurde sie aufwendig im Wald entsorgt. Tasso und Edita packen mit an und befreien die Natur vom früheren Gaststättenrelikt. Foto:
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Eines von vielen Fundstücken bei der privaten Müllsammelaktion: eine Theke. Statt sie einfach zu einer Deponie zu bringen, wurde sie aufwendig im Wald entsorgt. Tasso und Edita packen mit an und befreien die Natur vom früheren Gaststättenrelikt.

Freiwillige suchen noch weitere Helfer und wünschen sich mehr Unterstützung von Stadt und Anwohnern. Mit Tipps: Das müssen Freiwillige beim Beseitigen von Müll beachten.

Von Holger Hoeck

Solingen. Behutsam schleicht der Tiguan von Aldo Bongers rückwärts über den Feldweg nahe der Fleußmühle. „Okay. Stopp. Sollte passen!“, dirigiert ihn Tasso, der unterhalb des Pfades zwischen Bäumen wartet – neben einem verwahrlosten, fast monströsen Gegenstand. „Das war mal eine Theke, die hier schon mindestens seit einem Jahr liegt“, sagt Ariane Luks und schüttelt den Kopf.

Zu früher Stunde haben sich die drei gemeinsam mit ihrer Freundin Silke Höttges und Helferin Edita im Wald getroffen, um auch an diesem Tag wild entsorgte Gegenstände einzusammeln und an Müllsammelstellen abzuladen. „Es ist unfassbar, was wir hier und an anderen Stellen bereits gefunden haben. Alte Autoreifen, einen Ofen und jede Menge Flaschen werden wir heute zusammentragen. Über die Hasseldelle, wo unter anderem ein Sessel und eine Eisenplatte liegen, geht es über die Wupperstraße und die Papiermühle nach Theegarten, wo sogar ein Safe auf seine Abholung wartet“, ergänzt Ariane Luks. Mit Blick zur rund 50 Meter entfernten Straße resümiert sie traurig: „Da hat sich jemand wirklich Mühe gemacht, die Theke hier loszuwerden.“

„Ich habe keine Ahnung, was diese Leute zu solchem Verhalten antreibt.“

Ariane Luks

Seit Juni wandert die Mitarbeiterin der IT-Abteilung einer Krankenkasse mit wachsamen Augen durch die Natur auf der Suche nach heimlich fortgeschafftem Unrat. „Ich habe keine Ahnung, was diese Leute zu solchem Verhalten antreibt. Es gibt doch genug Möglichkeiten, den Müll ordnungsgemäß abzugeben.“

Meldungen des Mülls bei der Stadt liefen dabei häufig jedoch ins Leere. „Da höre ich dann, dass erst geprüft werden müsse, ob die entsprechende Stelle der Stadt, dem Land oder Privatpersonen gehört. Und dann passiert oft gar nichts. Selbst verrottete Wegepoller, die ja wohl der Stadt gehören, haben wir schon gefunden.“ Die Stadt Solingen verweist auf die Abfallwirtschaftssatzung (|Artikel: Das müssen Freiwillige. . .).

Auch am Verhalten einiger Anwohner übt Ariane Luks Kritik. „Mancher Bürger registriert unsere Mühen in seinem Wohnumfeld, aber glauben Sie nicht, dass dann jemand hilft. Die sind ob unserer Mühen bisweilen eher peinlich berührt und schauen schnell weg. Generell würden wir uns schon mehr Aufmerksamkeit und Eigenverantwortung der Anwohner wünschen.“ Heute hat das Team jedoch Glück. Ein Anwohner und seine Freundin bemerken das emsige Treiben der Naturliebhaber und stülpen sich spontan Handschuhe über, um Autoreifen einen Hang hochzuziehen.

Mit vereinter Kraft haben Tasso und Aldo inzwischen die Theke zum Weg geschafft. „Die hat ja zum Glück Rollen. Dann ziehen wir sie jetzt mit einem Seil zu unserem Anhänger“, schlägt Tasso vor. Bis zu sieben Stunden können die häufig stattfindenden Einsätze der Naturbewahrer dauern.

„Manche Tage gehen an die Substanz. Der Rücken schmerzt, man schwitzt und hat vielleicht noch Splitter in den Fingern“, berichtet Silke Höttges von ihren Erlebnissen. „Doch wir sind mit Freunden an der frischen Luft. Das ist toll. Und wenn dann alles erledigt ist, wir uns in der Sonne sitzend ausruhen können und dann noch wie zuletzt eine Entenfamilie vorbeizieht, dann wissen wir, warum wir das auf uns nehmen.“

Eine weitere Aktion findet Ende Januar statt. Wer dann oder bei anderer Gelegenheit helfen will, kann sich per E-Mail an Ariane Luks wenden: ariane22776@gmail.com

Das müssen Freiwillige beim Beseitigen von Müll beachten

-bjb- Der Einsatz von Ariane Luks, Silke Höttges und ihren Mitstreitern sei aller Ehren wert und den Technischen Betrieben Solingen (TBS) bekannt, teilt die Stadt mit. „Die Prüfung der gemeldeten wilden Kippen vorab ist eine Notwendigkeit, da organisatorische und juristische Fragen im Vorfeld geklärt sein müssen“, so Sprecher Daniel Hadrys.

Die TBS hielten sich an die Abfallwirtschaftssatzung. Sollte sich Müll oder eine wilde Kippe beispielsweise auf einem Privatgrundstück befinden, könnten die TBS diese nicht ohne weiteres entfernen. „In einer solchen Situation setzen wir uns mit dem Eigentümer in Verbindung, um das weitere Vorgehen abzustimmen.“

Werde die Stadt über eine wilde Kippe benachrichtigt, beginne sie umgehend mit der Überprüfung. „Sofern alle organisatorischen und juristischen Fragen geklärt sind, fährt ein Mitarbeiter auf schnellstem Weg zu der wilden Kippe und beseitigt diese“, betont Hadrys. Kontakte und Adressen in der Übersicht:

Melden: Der beste Weg, eine wilde Kippe zu melden, geht laut Stadt über den Mängelmelder (t1p.de/1w6w). „Er ist kostenlos und einfach in der Bedienung. Zusätzlich sind auf der Homepage weitere Kontaktdaten angegeben“, so Hadrys. In der Regel werde ein Missstand, für den die TBS zuständig sind, innerhalb weniger Werktage beseitigt: „Natürlich gibt es Einzelfälle, bei denen die Abhilfe aufgrund der Komplexität des Vorgangs oder durch äußere Einflüsse, etwa schwieriger Abtransport durch schlecht anfahrbare Lage im Wald, länger dauert.“ Eine garantierte Ausführungsfrist sei nur begrenzt möglich.

Absprache: Abholorte sowie -zeiten für den Müll sollten Sammler mit dem Teilbetrieb Stadtbildpflege und Straßengrün absprechen: Tel. 2 90-45 03. wildekippen@solingen.de

Hilfe der Stadt: Privatpersonen, Gruppen oder Vereine, die in Solingen Müll auf öffentlichen Plätzen, Wegen oder im Gelände sammeln möchten, können sich an die Abfallberatung der TBS wenden. Von den TBS erhielten die Müllsammler Material (Handschuhe, Müllsäcke, Zangen), das nach Absprache zur Abholung an der Tersteegenstraße 21a bereitliege.

Schutzzeit und Schutzgebiet: Die Stadt weist auf die Brut- und Setzzeit hin. Vom 1. März bis 30. September ist der Artenschutz zu berücksichtigen, Zufluchts- und Brutstätten der Tiere dürfen nicht gestört werden. Da es in Solingen eine Reihe von besonders schützenswerten Habitaten und Naturdenkmälern gibt, sollte die Sammelroute generell mit der unteren Naturschutzbehörde abgestimmt werden: Tel. 2 90-65 79. m.klause@solingen.de

Weitere Adressen: Sollten bei der Sperrgutabfuhr Rückstände zurückbleiben: sperrmuell@solingen.de

Generelle Fragen rund um Abfall und Entsorgung: abfallberatung@solingen.de

Nicht geleerte Behälter: abfallsammlung@solingen.de

Rund um Balkhauser Kotten: Müllaktion statt Schatzsuche

Helfer füllten binnen weniger Stunden einen großen Container – Aktion soll im kommenden Jahr wiederholt werden

Michael Koenig (2. v. r.) und viele weitere Helferinnen und Helfer hatten schon nach 20 Minuten die ersten Schubkarren voll.

Von Wolfgang Günther

Die schlimmen Folgen der Flutkatastrophe im Juli sind an vielen Stellen in Solingen noch sichtbar. „Besonders am Wupperufer liegt noch jede Menge Müll“, hatte Michael Koenig bei einem Spaziergang beobachtet – und wurde gleich darauf aktiv.

Koenig ist Mitglied in der Solinger Gruppe der Geocacher. Geocaching ist eine Art spielerische Schatzsuche mit GPS-Daten. „Uns ging es aber nicht um eine spannende Schatzsuche mit dem Smartphone, sondern um eine dringend notwendige Müllaktion an der Wupper“, sagte Koenig. „Cache in, trash out“ nennen die Geocacher ihre Umweltinitiative.

Koenig hatte im Eventkalender der Geocacher die Aktion angekündigt, an einem Sonntagmorgen im Dezember kamen etwa 40 passend gekleidete Mitstreiter aus ganz NRW unter Corona-2G-Bedingungen zum Aufräumen. Die Stadt Solingen hatte die Aktion unterstützt und den Müllsammlern das Betreten des Naturschutzgebietes am Wupperufer genehmigt. Die Technischen Betriebe stellten einen großen Container zur Verfügung, weiteres Material wie Handschuhe und Müllsäcke stellte die Baumarktkette Obi.

Eine zweite Aktion der Geocacher ist geplant

Vom Müll befreit wurde in der vierstündigen Aktion das Wupperufer zwischen Balkhauser Kotten und dem schwer getroffenen Campingplatz. „Das war eine tolle Leistung der Gruppe“, sagte Manuela Blechmann vom Beirat des Kuratoriums Balkhauser Kotten, die selbst mit angepackt hatte. Das Kuratorium spendierte jedem Helfer ein Flutmesser, am Ende wurde unter den Teilnehmern noch ein Messerset verlost.

Am Ufer der Wupper rund um den Balkhauser Kotten war so viel zu tun, dass der Container der Technischen Betriebe gegen 14 Uhr voll bis unters Dach war. „Wir haben Gartenmöbel aller Art, dazu Rasenmäher gefunden, in einem Baum hing sogar eine Gartenbank“, berichtete Michael Koenig. Auch der Zulauf zum Obergraben des Balkhauser Kottens wurde weitgehend gereinigt.

Eine zweite, deutlich größere Aktion der Geocacher ist geplant, dann soll vor allem das gegenüberliegende Wupperufer von Müll befreit werden. Abstimmungen dazu laufen, berichtete Michael Koenig dem ST in dieser Woche.

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