Auflagen nicht erfüllt

Brandschutz: Ukraine-Flüchtlinge müssen Hotel verlassen - Stadt äußert sich

Im Hotel „In den Straßen“ ist die große Hilfsbereitschaft für die Menschen aus der Ukraine zu spüren. Zahlreiche Hilfsgüter sind schon angekommen.
+
Im Hotel „In den Straßen“ kamen am vergangenen Wochenende erste Flüchtlinge aus der Ukraine an. Zuvor hatte es einen Spendenaufruf im Internet gegeben, damit die Menschen sofort mit dem Nötigsten ausgestattet werden konnten.

Weil die Brandschutzauflagen offenbar nicht erfüllt sind, müssen die Flüchtlinge, die aufgrund einer privaten Initiative zurzeit im Hotel „In der Straßen“ leben, woanders untergebracht werden.

Update, 10.37 Uhr

Solingen. Nach Bekanntwerden der Situation in Oberburg, äußert sich nun die Stadt Solingen zu dem Vorfall: Die Stadt muss umgehend rund 80 geflüchtete Menschen in anderen Unterkünften unterbringen. Bislang wohnen diese Ukrainerinnen und Ukrainer, die am vergangenen Wochenende nach Solingen gekommen sind, im früheren Hotel „In der Straßen“ in Oberburg. Dort können sie aber auf keinen Fall bleiben, weil in dem Objekt gravierende Brandschutzmängel herrschen, die bereits seit 2008 bekannt und gutachterlich dokumentiert sind. Dadurch erfolgte eine Nutzungsuntersagung für den Hoteltrakt durch die Bauaufsicht der Stadt Solingen. Eine Kernsanierung wäre notwendig, um das Gebäude sicher zu machen. Im jetzigen Zustand bezeichnet es die Feuerwehr hingegen als „Feuerfalle“, aus der im Notfall keine Rettung möglich wäre.

Beim Objekt „In der Straßen“ handelt es sich um ein mehrhundertjähriges Fachwerkhaus mit offener Bauweise. Zwischen den Gaststättenräumen und den Hotelzimmern fehlen die Brand- und Rauchschutz Abtrennungen. Durch die verwinkelte Bauweise und die Lage der Zimmer sind die Rettungswege aus den Zimmern der Obergeschosse nicht ausreichend gesichert. Die Elektrik ist marode.

Aus diesem Grund wurde für diesen Gebäudeteil des Hauses „In der Straßen“ schon 2008 der Hotelbetrieb verboten. Dies ist dem Betreiber, Andreas Heibach, bekannt. Der Hotel-Betrieb ruht daher. Eine Kernsanierung wäre notwendig, um den Komplex den Brandschutzauflagen anzupassen, die von der Landesbauordnung vorgegeben sind. „Für deren Einhaltung und damit für die Sicherheit von Gästen und Personal zu sorgen, ist meine Pflicht“, sagt Feuerwehr-Dezernent Jan Welzel. „Daher kann ich es nicht verantworten, Menschen in diesem Gebäude unterzubringen, die aus einem Kriegsgebiet geflohen sind, um bei uns in Solingen als Gäste eine sichere Unterkunft zu finden.“

Warum der Betreiber die Geflüchteten in der vergangenen Woche wider besseren Wissens in Oberburg aufgenommen hat, ist für die Stadt Solingen nicht nachvollziehbar. Die Verantwortlichen haben in dieser Woche den Kontakt zu Andreas Heibach gesucht, um die Situation zu besprechen und zu lösen. Er war aber für die Stadt kaum zu erreichen, heißt es.

Die knapp 80 Menschen werden nun zügig verlegt. Die Organisation dafür übernehmen die Stadt und die Feuerwehr. Das gilt auch für die Suche nach Ersatzunterkünften. Selbstverständlich wird den Geflüchteten die Situation erklärt und auf den Zusammenhalt von Familienverbünden geachtet. Ziel ist es, möglichst private Unterkunftsangebote zu nutzen, die bei der Stadt in den vergangenen Wochen eingegangen sind. Sollte dies nicht ausreichen, wird auch Raum in städtischen Einrichtungen bereitgestellt. Bis die Menschen das Haus „In der Straßen“ in Oberburg verlassen haben, wird die Feuerwehr eine Brandwache einrichten, um in der Zeit für Sicherheit zu sorgen. Eine solche Brandwache mit 5 Feuerwehr-Einsatzkräften und einem Fahrzeug war auch bereits in der vergangenen Nacht ständig im Einsatz.

Wer aufgrund dieser speziellen Situation weiteren Wohnraum für geflüchtete Menschen in Solingen anbieten möchte, tut diese am besten über folgende Kontaktwege:

Telefon: 25 08 83 50

E-Mail: fluechtlingshilfe@solingen.de

Update, 9.25 Uhr

Solingen. Die Nachricht, dass die Flüchtlinge das Hotel wieder verlassen müssen, verbreitete sich am frühen Morgen wie ein Lauffeuer. Als erste Reaktion waren viele Unterstützer vor Ort. Sie kümmern sich weiterhin um die derzeit 60 Flüchtlinge im Hotel, fünf weitere sind gestern Abend angekommen. „Die können wir jetzt im Moment aber erstmal nicht aufnehmen“, so Andreas Haibach.

Die Freiwillige Feuerwehr hatte über Nacht die Brandwache in dem Hotel übernommen. Es gebe jetzt auch erste vorsichtige Lösungsvorschläge, so Heibach. „Ich habe jemanden, der Geld für die nötigen Brandschutzmaßnahmen geben möchte und auch eine Brandschutzfirma, die das durchführen könnte. Die Freiwillige Feuerwehr würde für die Übergangszeit nachts die Brandwache übernehmen. Ich hoffe jetzt auf ein Entgegenkommen der Stadt. Heute kommt ein Brandschutzgutachter und dann kann festgelegt werden, was gemacht werden muss.“

Unser Artikel vom 11. März, 8.09 Uhr

Solingen. Erst seit dem vergangenen Wochenende waren geflüchtete Frauen und Kinder aus der Ukraine im Hotel „In der Straßen“ in Oberburg untergebracht worden. Jetzt sollen sie das Gebäude wieder verlassen. Die Stadtverwaltung hat Inhaber Andreas Heibach darüber informiert, dass aufgrund von fehlenden Brandschutzeinrichtungen die Unterbringung in dem Gebäude nicht möglich sei.

Durch private Initiative von Heibach und die Unterstützung vieler ehrenamtlicher Helfer waren die Familien in Oberburg untergekommen. Spender hatten Mengen an Lebensmitteln, Hygieneartikeln und Kleidung gebracht, um die Menschen zu versorgen.

„Ich kann nicht glauben, dass wir das alles jetzt aufgeben sollen“, so Heibach. „So stolz ich auf die Hilfsbereitschaft der Bürger der Stadt bin, so enttäuscht bin ich von der Verwaltung“, so Heibach, der noch auf Gespräche mit dem zuständigen Bauamt hofft.

Parallel hat er am späten Donnerstagabend über die Sozialen Medien dazu aufgerufen, freien Wohnraum und die Möglichkeit, die Menschen privat unterzubringen, zu melden - für den Fall, dass alle Flüchtlingsfamilien das Hotel „In der Straßen“ verlassen müssen. sith

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Unwetterwarnung: Dürpelfest startet heute später - So bereiten sich alle vor
Unwetterwarnung: Dürpelfest startet heute später - So bereiten sich alle vor
Unwetterwarnung: Dürpelfest startet heute später - So bereiten sich alle vor
Mögliches Unwetter: Kinder früher aus der Kita abholen - Wetterdienst warnt vor Hagel
Mögliches Unwetter: Kinder früher aus der Kita abholen - Wetterdienst warnt vor Hagel
Mögliches Unwetter: Kinder früher aus der Kita abholen - Wetterdienst warnt vor Hagel
Solingerin prallt gegen Lieferwagen
Solingerin prallt gegen Lieferwagen
Solingerin prallt gegen Lieferwagen
Schloss Burg feiert am Wochenende Weihnachten - Der Auftakt am Freitag fällt aus
Schloss Burg feiert am Wochenende Weihnachten - Der Auftakt am Freitag fällt aus
Schloss Burg feiert am Wochenende Weihnachten - Der Auftakt am Freitag fällt aus

Kommentare