Pflanzkübel taugen nur noch für den Kompost

Blühende Holzkisten in der Innenstadt faulen durch

Als Sitzgelegenheit taugen die hölzernen Beete nicht. An losen Schrauben kann man sich verletzen.
+
Als Sitzgelegenheit taugen die hölzernen Beete nicht. An losen Schrauben kann man sich verletzen.

Die 30 Pflanzbeete in der Innenstadt können nicht alle erhalten werden.

Von Philipp Müller

Solingen. Was seien die hölzernen 30 Pflanzbeete in der Innenstadt doch für ein Erfolg. So feierte das Rathaus vor zehn Tagen die Idee, seit Mai mit den blühenden Pflanzkübeln für mehr Farbe in der Stadt zu sorgen. „Auch sind viele nach wie vor in einem guten Zustand – daher bleiben sie Bestandteil des Straßenbildes. Dafür werden die Pflanzkübel nun winterfest gemacht“, hatte das Rathaus verkündet. Doch in Teilen müssen die Technischen Betriebe Solingen (TBS) zurückrudern, denn der Zustand der Kübel ist vor allem durch Nässe im Holz alles andere als ein „guter“. Manche taugen nur noch für den Kompost, erklärt das Rathaus nun nach Hinweis der TBS auf Tageblatt-Rückfrage.

Als Aktion „Mitte blüht“ wurden die Kübel mit frischer Bepflanzung im Mai in der Innenstadt aufgestellt. „Die im Rahmen des Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts City 2030 aufgestellten Pflanzkübel sind Teil des Maßnahmenkatalogs zur Begrünung und Aufwertung der Innenstadt“, erläutert Stadtsprecher Daniel Hadrys. Händlerinnen und Händler hätten sich dazu bereiterklärt, die Pflanzen zu gießen und so gut wie möglich zu pflegen.

Mit unterschiedlichem Erfolg, wie die Stadt einräumen muss: Auf der einen Seite habe die Bepflanzung durch die Trockenheit im Sommer gelitten. Weil einige Händler in Eigeninitiative handelten und Kästen selbst neu bepflanzten, sei auf der anderen Seite „die Fülle der Bepflanzung der Kübel mittlerweile unterschiedlich“.

Doch damit nicht genug. Wegen des Zustands der Kisten im unteren Bereich der Holzlatten – bei fast allen Kisten durch Regenwasser sehr feucht und teilweise mit Algen- und Moosbewuchs – wollte das Tageblatt wissen: Werden die Hölzer noch vor der drohenden Verrottung geschützt? Das Thema „Winterfestigkeit“ sieht das Rathaus heute anders als noch vor zehn Tagen: „Eine nachträgliche Behandlung des Holzes ergibt keinen Sinn, da die Staunässe im Inneren und zwischen den Brettern am meisten auf das Holz einwirkt. Die Beete können, wenn sie ausgedient haben, nur noch der Kompostierung zugeführt werden.“ Wie viele Kübel betroffen sind, sagen die TBS nicht, das ST geht aber nach einer Ortsbesichtigung davon aus, dass es die große Mehrzahl in kürzester Zeit treffen wird.

Deswegen scheiterte die Aktion mit den Pflanzkübel in der Innenstadt

Trotzdem wurde Baudezernent Andreas Budde in einer Pressemitteilung der Stadt Mitte Oktober in den Chor eingereiht, der die Pflanzkübel als großen Erfolg feierte: „Das Projekt zeigt, dass lokale Wertschöpfung gelingen kann. Aus einem heimischen Rohstoff wird ein tolles Produkt gefertigt, von dem Solingerinnen und Solinger sowie die Gäste der Stadt profitieren.“

Einige Händler nehmen die Bepflanzung der Beete ernst. Doch am Boden der Kisten zeigt sich, wie das Wasser bereits tief ins Holz zieht.

Dass dies in Sachen Werterhalt und Langlebigkeit der Kisten nun in Teilen gescheitert ist, liege vor allem in der Art der Erstellung der Kübel begründet, erklären die TBS. Die Beetkästen in der Innenstadt sind demnach weniger stabil als die erste Generation für die Kindertagesstätten. Das liege daran, dass „die Latten, die technisch getrocknet wurden, sich verzogen haben und dünner geschliffen werden mussten“. Und um ein Versetzen der Kübel, wie für den Zöppkesmarkt, möglich zu machen, wurden sie „im Nachhinein so eingesägt, dass eine Hubvorrichtung die Beete aufnehmen kann“. Darunter habe dann die Stabilität der Kästen gelitten, die teilweise stark aus der Form sind.

Aber man habe Verbesserungen auf dem Schirm: Eine Weiterentwicklung der Konstruktion, Vorbehandlung des Holzes, dichte Noppenfolie und die Verwendung widerstandsfähigerer Holzarten solle eine längere Verwendung sicherstellen. Dies ist vor dem Hintergrund der Idee des Projekts gedacht, alles nachhaltig und regional durchzuführen.

Die Pflanzkübel seien rundum „Eigengewächse“ der Stadt Solingen als Teil des Projekts „Holz aus Solingen – von uns, für uns“. Die Idee dazu stammt laut Rathausangaben von der Wirtschaftsförderung Solingen in Kooperation mit dem Stadtdienst Natur und Umwelt und den TBS: „Heimische Fichten, die in den vergangenen Jahren der Dürre und dem Borkenkäfer zum Opfer fielen, werden nun nicht mehr in die weite Welt verkauft, sondern für lokale und regionale Projekte verwendet.“ Aus diesem Holz seien auch die Hochbeete produziert worden, komplett „made in Solingen“. Beim Sägewerk Stricker könne jeder die Hochbeete auch kaufen. 416,50 Euro kostet der Bausatz.

Pflanzkübel

Zur Umsetzung des Projekts „Mitte blüht“ erklärt die Stadt: „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Lebenshilfe haben die Baukästen aus Solinger Holz zusammengesetzt. Befüllt wurden sie mit Substrat aus der Kompostierungsanlage der Entsorgungsbetriebe. Gießpatinnen und -paten haben die Pflege der Kübel und der Pflanzen übernommen und sie so gut über den heißen Sommer gebracht.“

Passend zum Thema: Keine neuen Blumenbeete für die Düsseldorfer Straße

Standpunkt von Philipp Müller: Ins nasse Beet gesetzt

philipp.mueller@solinger-tageblatt.de

Es gibt einen dem Satiriker, Journalisten und Aphoristiker Karl Krauss zugesprochenen Merksatz: „Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.“ Das trifft auf die Aktion „Mitte blüht“ sicher zu. Die Pflanzkübel waren zu Beginn auf jeden Fall ein toller Blickfang. Doch stabil, gar wetterfest waren sie nicht. Man muss einräumen, sollten sie ursprünglich auch nicht sein. Doch dass unbehandeltes Holz schnell Feuchtigkeit aufnimmt und dann verrottet, das sollte eigentlich bekannt sein – Gartenbesitzer kennen den Effekt.

Und Fichte ist da eben als Ausgangsmaterial besonders empfindlich, zumal auch dann, wenn das Holz durch die Dürre gelitten hat. Doch dass das Rathaus das Projekt trotzdem feiert wie den Gewinn einer Weltmeisterschaft, das ist doch mindestens bemerkenswert. So verspielt man Vertrauen in die Richtigkeit aller sonst wichtigen Meldungen aus dem Rathaus. Ein Schelm, der jetzt behauptet, die Stadt habe ihre Pressestelle an eine PR- oder Werbe-Agentur verkauft.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Modehaus Schlemper in Ohligs schließt
Modehaus Schlemper in Ohligs schließt
Modehaus Schlemper in Ohligs schließt
Der Weyersberg birgt Brisanz
Der Weyersberg birgt Brisanz
Der Weyersberg birgt Brisanz
Pro Jahr entstehen in Solingen 400 Wohnungen
Pro Jahr entstehen in Solingen 400 Wohnungen
Pro Jahr entstehen in Solingen 400 Wohnungen
Fiebersäfte und andere Arzneimittel sind Mangelware
Fiebersäfte und andere Arzneimittel sind Mangelware
Fiebersäfte und andere Arzneimittel sind Mangelware

Kommentare