Mehr raus als rein

Solingen bleibt eine Stadt der Auspendler

+

Viele fahren in Nachbarstädte. Aber: Junge IT-Firmen ziehen verstärkt auswärtige Pendler an.

Von Kristin Dowe

Für viele Solinger ist es anstrengender Alltag: Um ihren Arbeitsplatz zu erreichen, pendeln sie mit dem Auto oder mit der Bahn täglich in die umliegenden Nachbarstädte, während sich umgekehrt der morgendliche Andrang in Richtung Solingen in Grenzen hält.

Wie Statistiken zeigen, ist die Klingenstadt eine der wenigen Großstädte, in die morgens mehr Menschen aus- als einpendeln. „Die Schwerpunkte der Pendlerbeziehungen liegen im Norden und Westen, insbesondere im Südwesten Solingens mit den Städten des Kreises Mettmann und natürlich Düsseldorf, Köln und Wuppertal“, sagt Sabine Rische, Sprecherin der Stadt Solingen, auf Anfrage. „Vom östlichen Teil des Stadtgebiets pendeln auch einige Solinger in Richtung Remscheid.“

Einen ersten Hinweis darauf, wie viele Pendler sich morgens von Solingen aus auf den Weg zur Arbeit machen – und in welche Richtung – , liefern die Daten einer bundesweiten Straßenverkehrszählung im Jahr 2015, bei der die durchschnittliche Verkehrsbelastung pro Tag ermittelt wurde: Besonders stark frequentiert sind demnach die Walder Straße am Übergang von Ohligs nach Hilden mit rund 19 000 Fahrzeugen pro Tag. Dicht gefolgt von der Straße Landwehr mit circa 18 800 Fahrzeugen und der Straße Roggenkamp in Gräfrath (L 357) mit 17 200 Fahrzeugen pro Tag.

Bei der Schleifenauswertung einer Ampelanlage im Jahr 2016 brachte es die Remscheider Straße auf immerhin 7900 Fahrzeuge an einem Tag. Alle vier Verkehrsadern sind wichtige Anbindungen an das überörtliche Straßennetz. Spitzenreiter unter den Pendlerzielen von Solingen aus sind derweil die Städte des Kreises Mettmann mit mehr als 7000 Pendlern.

„Wir punkten mit günstigeren Mieten und Baupreisen.“
Sabine Rische, Stadtsprecherin

Auf den weiteren Plätzen folgen laut einer Erhebung der Bundesagentur für Arbeit aus dem Jahr 2017 Düsseldorf (fast 4500), Wuppertal (fast 4000) und Köln (gut 2000).

Insgesamt, auch in noch weiter entfernte Städte und Kreise, pendeln mehr als 27 000 Menschen aus und knapp 19 000 ein (» Grafik). Aus diesen Zahlen ergibt sich aber nicht, welche Verkehrsmittel die Pendler nutzen. Noch ist Solingen für viele Menschen eher Wohn- als Arbeitsort, was aus Risches Sicht auch nicht weiter problematisch ist: „Für uns ist es eine sehr positive Entwicklung, dass es vor allem Familien aus den umliegenden Großstädten zum Wohnen verstärkt nach Solingen zieht“, so die Stadtsprecherin.

Lesen Sie auch: Ersatz-S-Bahn fährt seit Wochen nicht

Denn Solingen wachse: Die Einwohnerzahl liege inzwischen bei rund 163 000 – Tendenz steigend. „Wir punkten mit günstigeren Mieten und Baupreisen und erschließen neue Wohngebiete. Zudem richten wir unsere Infrastruktur daran aus, beispielsweise in der Kita- und Schulplanung.“ So bietet die Großstadt im Grünen für Zugezogene eine Alternative etwa im Vergleich zum hohen Mietpreisniveau in Düsseldorf.

BAUSTELLEN

PENDLER Die angespannte Verkehrssituation in der Region macht Pendlern zu schaffen. Dazu gehören etwa die Baustellen durch den Neubau der Leverkusener Rheinbrücke in Richtung Köln (A 1) sowie die Sanierung der Fahrbahn zwischen der Anschlussstelle Solingen und dem Kreuz Hilden (A 3) sowie rund um Opladen und Leverkusen. Aktuelle Infos gibt es online auf BASTI, dem Baustelleninformationssystem der Stadt.

www.solingen.de/de/inhalt/mit-basti-besser-durch-die-stadt/

Dennoch sei seit 2010 auch ein Gegentrend zu beobachten: Vor allem im Stadtteil Ohligs seien durch die Ansiedlung innovativer, aufstrebender IT-Unternehmen sowie der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung des Hansa-Quartiers zahlreiche neue Arbeitsplätze entstanden, die auch Arbeitnehmer aus den umliegenden Städten nach Solingen ziehen. Dazu gehören etwa der Software-Entwickler codecentric und dessen Ableger, das Start-up Instana, die seit der Gründung nach Angaben der Stadt mehr als 300 Arbeitsplätze geschaffen haben.

Insgesamt sind in den vergangenen acht Jahren mehr als 8000 neue sozialversicherungspflichtige Jobs in Solingen entstanden. „In Ohligs ist gerade mit Blick auf die IT-Branche einiges in Bewegung“, betont Rische. „Mit dem Ausbau des Standortes Hansastraße werden wir weitere Unterstützung liefern. Wichtig für das Wachstum sind gute Rahmenbedingungen, was etwa Bildung, Freizeit, Breitband und Gewerbeflächen betrifft.“

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Fünffache Kindstötung: Gutachten wirft Fragen auf
Fünffache Kindstötung: Gutachten wirft Fragen auf
Fünffache Kindstötung: Gutachten wirft Fragen auf
Corona: Inzidenzwert wieder über 50 - Impfzentrum schließt am 30. September
Corona: Inzidenzwert wieder über 50 - Impfzentrum schließt am 30. September
Corona: Inzidenzwert wieder über 50 - Impfzentrum schließt am 30. September
Oldtimer rollen durchs Bergische
Oldtimer rollen durchs Bergische
Oldtimer rollen durchs Bergische
Burger haben viele Fragen zur Fluthilfe
Burger haben viele Fragen zur Fluthilfe
Burger haben viele Fragen zur Fluthilfe

Kommentare