Bilharziose

Solinger berichtet bei Michael Steinbrecher von seinem Leidensweg

Im SWR-Nachtcafé berichtete Stefan Böhm von seinem Leidensweg. Foto: SWR/Baschi Bender
+
Im SWR-Nachtcafé berichtete Stefan Böhm von seinem Leidensweg.

Jahrelang litt Stefan Böhm unerkannt an einer seltenen Krankheit. Seine Geschichte erzählte er jetzt auch in einer Fernsehsendung

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. „50:50, kommt immer auf den Doktor an“, war die Antwort von Stefan Böhm auf die Schlussfrage von Michael Steinbrecher. Der Moderator des SWR-Nachtcafés wollte von dem Solinger wissen, ob man der Medizin vertrauen könne. Denn ein klassisches Happy End stand nicht am Ende von Böhms jahrelangem Leidensweg. In der am Freitagabend ausgestrahlten TV-Sendung berichtete der 49-Jährige von seiner Krankengeschichte.

„Der Sender hatte mich angefragt“, berichtet Böhm. Vielen Solingern ist er wegen des Kioskes und der Minigolfanlage unter der Müngstener Brücke bekannt, die seine Familie seit drei Generationen betreibt. Im Nachtcafé mit dem ehemaligen Sportstudio-Moderator Steinbrecher habe er sich sehr wohlgefühlt. Der Solinger schaut bei Medienanfragen genau hin und unterscheidet zwischen „seriös und reißerisch, populistisch“.

Nach wie vor leidet der zweifache Familienvater unter täglichen Schmerzen und anderen Spätfolgen seiner lange unerkannt gebliebenen Bilharziose, einer durch Süßwasserkontakt übertragenen Saugwurmerkrankung. Da Böhm nie in den Tropen war, blieben seine häufig an die Adresse von Ärzten gegebenen Hinweise auf sein Hobby ungehört: Das Herz des 49-Jährigen schlägt für die Aquaristik, Süßwassergarnelen sind sein Steckenpferd. Eine Posthornschnecke, die wohl als Beifang bei einer Lieferung dabei war, muss als Überträger fungiert haben.

Böhm hätte sich eine Behandlung auf Augenhöhe gewünscht

Seine jahrelange Odyssee durch medizinische Instanzen hatte Stefan Böhm auch dem Solinger Tageblatt vor einigen Jahren geschildert. Nach immer neuer Hoffnung auf eine zielführende Diagnose und damit mögliche Therapie war Böhm schließlich nicht nur physisch ausgelaugt, sondern auch mental.

Hilfe fand er schlussendlich in Marburg. Nach intensiven Gesprächen und Untersuchungen erkannte Prof. Jürgen Schäfer, der Leiter des dortigen Zentrums für unerkannte und seltene Erkrankungen, die Bilharziose. Die Diagnose rehabilitierte Böhm und „gab mir meine Würde zurück“, wie er es formuliert. Mindestens so belastend wie die unerkannte Krankheit im Körper sei nämlich die Erfahrung gewesen, „nicht ernst genommen zu werden, sondern unentrinnbar in der ‚Psycho-Schublade‘ verschwunden“ zu sein.

Diagnose gibt ihm Würde und Lebensmut zurück

Der Beweis, dass er eben nicht ein „eingebildeter Kranker“ war, gab ihm folglich in doppelter Hinsicht Energie und Lebensmut zurück. Beides war während der langen Jahre voller Ungewissheit, Angst, Schmerzen und immer wieder enttäuschter Hoffnung gründlich ramponiert worden.

„Dass Ärzte nichts finden und schon gar nicht sofort, kreide ich nicht an“, stellt Stefan Böhm klar. „Aber das sollte man dann ehrlich kommunizieren.“ Er habe sich immer wieder gewünscht, auf Augenhöhe behandelt zu werden. Vielfach sei der Umgang mit Patienten jedoch von oben herab.

Der Zeitmangel im Gesundheitswesen, der sich wohl mit dem immer stärkeren wirtschaftlichen Druck erklären lasse, sei schlecht. „Wichtig ist, dass Arzte zuhören“, betont Stefan Böhm. Diese Botschaft zu verbreiten, ist dem Solinger wichtig. Gleichzeitig möchte der 49-Jährige Betroffenen unerkannter Krankheiten Mut machen, nicht aufzugeben.

Die Sendung ist in der Mediathek des SWR oder unter diesem Shortlink abrufbar: t1p.de/yuxm

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Explosion in Leverkusen: Drei Mitarbeiter werden noch vermisst - Entwarnung für Solingen
Explosion in Leverkusen: Drei Mitarbeiter werden noch vermisst - Entwarnung für Solingen
Explosion in Leverkusen: Drei Mitarbeiter werden noch vermisst - Entwarnung für Solingen
Viele Freizeitanlagen in Solingen bleiben geschlossen
Viele Freizeitanlagen in Solingen bleiben geschlossen
Viele Freizeitanlagen in Solingen bleiben geschlossen
Verordnung: Es gilt für Solingen wieder die Inzidenzstufe 2
Verordnung: Es gilt für Solingen wieder die Inzidenzstufe 2
Verordnung: Es gilt für Solingen wieder die Inzidenzstufe 2
Stadt kauft die Ohligser Festhalle zurück
Stadt kauft die Ohligser Festhalle zurück
Stadt kauft die Ohligser Festhalle zurück

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare