40 Teilnehmer diskutierten

Bildung soll Schlüssel gegen Rassismus sein

Für Michael Roden (r.) vom Kommunalen Integrationsmanagement war der Auftakt für die neue Zusammenarbeit ein großer Erfolg. Foto: Christian Beier
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Für Michael Roden (r.) vom Kommunalen Integrationsmanagement war der Auftakt für die neue Zusammenarbeit ein großer Erfolg.

Integrationsmanagement und „NRWeltoffen“ bündeln ihre Kräfte. Die erste Projekte werden in diesem Jahr umgesetzt.

Von Andreas Römer

Solingen. Solingen bündelt die Kräfte gegen Rassismus. Das Kommunale Integrationsmanagement (KIM) und das Projekt „NRWeltoffen“ haben daher zu einem „guten Jahr für gemeinsame Schritte gegen Rassismus und Diskriminierung“ in der Stadt aufgerufen. In vier Themenbereichen wollen die Akteure genau hinschauen, wo sie tätig werden müssen. Erste Projekte sollen noch in diesem Jahr umgesetzt werden.

Der Caritasverband stellt das Projekt „Bildung gegen Antisemitismus“ vor.

Dazu fiel im Bürgersaal der Stadtkirche der Startschuss mit rund 40 Menschen unterschiedlicher Religionen und gesellschaftlicher Gruppen. Vor allem der Anteil an jungen Menschen freute Caren Tuchel vom Kommunalen Integrationsmanagement. Es sei wichtig, sich noch besser zu koordinieren, um Menschen, die aus anderen Kulturen nach Solingen kommen, ein Stück Sicherheit zu geben. In der Veranstaltung wolle man noch besser verstehen, „wo wir hingucken müssen“.

Das sind die behandelten Themenfelder

Gerade jetzt sei es wichtig mit den Menschen über Rassismus zu sprechen, ergänzte Ulrike Kilp, Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes in Solingen. „Krieg in Europa, explodierende Preise, neue Flüchtlinge – all das verunsichert die Menschen“, sagte Kilp. Viele reagierten mit Angst, Wut, Verzweiflung oder Ohnmacht, da gelte es Angebote für Gespräche zu machen. An vier Themenfeldern wollen die Bündnispartner arbeiten: Antisemitismus, Antiziganismus, Muslimenfeindlichkeit sowie anti-schwarzer Rassismus.

Wie schwierig die Themen sind, zeigte sich in kurzen Statements. Es fängt bereits bei den genutzten Begriffen an. So meinte Leonid Goldberg, Vorsitzender der Jüdischen Kultusgemeinde Wuppertal, dass es nicht um „Antisemitismus“ gehe. Er benutze das Wort „Judenhass“. Kasm Cesmedi vom Bündnis für Romaorganisationen findet die Bezeichnung „Antiziganismus“ falsch. Das Wort „Zigeuner“ existiere gar nicht in seiner Sprache. Er empfinde eher „Romahass“. Und Hatice Sahin (Forum Vielfalt und Toleranz) wollte den Begriff „Muslimfeindlichkeit“ nicht so stehenlassen. Für sie gehe es dabei vielmehr um „muslimfeindlichen Rassismus“. Alle schilderten durchaus bedrückende Erfahrungen, die eines gemeinsam haben: Es war nichts Solingen-Spezifisches dabei.

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Die Ausprägung von Rassismus und Diskriminierung entspreche in der Stadt eher dem Durchschnitt im Vergleich mit anderen Städten, hieß es beim Startschuss. Kein Grund, sich zurückzulehnen, sondern für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Grund genug, sich zwei Stunden in verschiedenen Konstellationen über Ideen und Herausforderungen auszutauschen.

Man kann nie zufrieden sein, im Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung.

Michael Roden, Kommunales Integrationsmanagement

Für Michael Roden vom KIM war der Auftakt ein großer Erfolg. „Wir haben viel positive Resonanz und gutes Feedback erhalten“, freut er sich. Die in den gemeinsamen Gesprächen entwickelten Ideen sollen jetzt möglichst schnell in die sogenannten Steuerungskreise eingespeist werden und dort rasch zu konkreten Projekten werden. „Ich gehe davon aus, dass wir noch 2022 die ersten Projekte an den Start bringen werden“, ist Roden überzeugt.

Einig waren sich Organisatoren und Teilnehmer der Kick-off-Veranstaltung darin, dass Bildung immer der Schlüssel sei, um Rassismus und Diskriminierung zu begegnen. Vielfach sei die Ursache schlicht Unkenntnis über „das Andere“. Dem könne man mit Dialog und Begegnungen entgegenwirken. Bei allen Vorhaben ist der konkrete Bezug zur Situation vor Ort und den passenden Möglichkeiten für Solingen wichtig. Es soll auch Projekte geben, an denen sich Bürger engagieren können.

Trotz des erfolgreichen Treffens sagt Michael Roden: „Man kann nie zufrieden sein, im Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung.“

Hintergrund

Programm: Seit 2017 nimmt Solingen am Landesprogramm „NRWeltoffen – lokale Handlungskonzepte gegen Rechtsextremismus und Rassismus“ teil. Träger des Projektes ist das Diakonische Werk im Evangelischen Kirchenkreis Solingen.

Stadt: Seit 2021 wird in Solingen das durch das Land NRW geförderte Kommunale Integrationsmanagement aufgebaut. Eine von mehreren Fachgruppen befasst sich mit dem Thema Rassismus und Diskriminierung.

Standpunkt: Toleranz lernen

Kommentar von Andreas Tews

andreas.tews@solinger-tageblatt.de

Es ist ein bekanntes Phänomen, dass Rassismus und Fremdenhass immer dort besonders ausgeprägt sind, wo es kaum Fremde gibt. Dies zeigt: Wer das Fremde oder Abweichende kennt, der weiß, dass er sich davor nicht fürchten muss. Aber auch in einer Umgebung mit vielen Andersgläubigen oder Menschen anderer Nationalitäten können Vorurteile und damit auch Ressentiments entstehen. Bildung und Offenheit helfen in beiden Fällen, das Andere kennenzulernen, zu verstehen und damit auch Toleranz zu lernen. Bildung ist somit nicht nur ein Beitrag zu einem friedlichen gesellschaftlichen Zusammenleben, sondern auch wichtig für unsere freiheitliche Grundordnung. Die funktioniert nur, wenn wir andere Meinungen oder Lebensweisen akzeptieren. Eine aufgeklärte Gesellschaft stabilisiert die Demokratie nicht nur, sie fordert sie im besten Fall ein und kämpft für sie. Dies ist auch der Grund dafür, dass Diktatoren und Despoten die freie Meinung konsequent unterdrücken. Auch bei uns gibt es Kräfte, die Demokratie und Pressefreiheit abschaffen wollen. Das sollte uns stets eine Mahnung sein.

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