Moderne Arena soll her

BHC-Halle: OB Kurzbach wirbt für einen Neubau

Etwa 20 Millionen Euro würde die Sanierung der Klingenhalle kosten. Stattdessen soll eine moderne Arena her. Foto: Christian Beier
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Etwa 20 Millionen Euro würde die Sanierung der Klingenhalle kosten. Stattdessen soll eine moderne Arena her.

Das Gutachten wurde öffentlich vorgestellt. Planung und Bau einer Multifunktionsarena würden vier bis fünf Jahre dauern.

Von Thomas Rademacher

Solingen. Am 16. Dezember tagt der Solinger Stadtrat zum letzten Mal in diesem Jahr. Dabei soll er eine Entscheidung auf den Weg bringen, die das Solinger Stadtbild nachhaltig verändern könnte: den Bau der sogenannten Bergischen Arena, eine moderne Multifunktionshalle, in der Handball-Bundesligist Bergischer HC seine Heimspiele austrägt, aber auch kulturelle Events stattfinden. Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) hatte daher eingeladen, um das Gutachten vorzustellen, das die Arena als Neubau für die marode Klingenhalle empfiehlt. „Es sind drei Punkte, die mich überzeugen, dass wir in die konkrete Planung gehen sollten“, erläuterte Kurzbach.

Der Neubau habe klare wirtschaftliche Vorteile: Schon jetzt kostet der Betrieb der Klingenhalle etwa 680.000 Euro jährlich. „Ertragsmöglichkeiten gibt es dabei kaum“, sagt Klaus Grundmann, Geschäftsführer der S.E.M. Sport- und Eventmarketing GmbH, die das Gutachten erstellt hat. Dazu kommen notwendige Sanierungsarbeiten in Höhe von etwa 20 Millionen Euro, die Stadtkämmerer Ralf Weeke (SPD) im Detail aufzählte. „Die Maßnahmen führen zu einem Erhalt der Klingenhalle für etwa 15 weitere Jahre, ein Neubau hat eine Lebensdauer von mindestens 30 Jahren.“

Die Arena, die beim Handball etwa 5000 und bei Konzerten bis zu 8000 Zuschauer fasst, kostet im Bau etwas mehr als 50 Millionen Euro brutto, hat laufende Betriebskosten von etwa 1,24 Millionen Euro, spielt aber auch 1,05 Millionen Euro ein. „Das ist branchentypisch ein negatives Ergebnis“, betont Grundmann. Freilich sei das Ergebnis aber deutlich besser als bei der Klingenhalle, die fast das Vierfache im Betrieb kostet. „Es wird schnell klar, dass der Bau aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll ist“, betonte Weeke, auch wenn die jährliche Abzahlung der Arena-Baukosten den städtischen Haushalt mit knapp 1,6 Millionen stärker belastet als die 0,95 Millionen, die bei der Sanierung der Klingenhalle anfallen würden. Durch Vorsteuerabzug und Fördergeld würden die Baukosten zusätzlich noch verringert – und langfristig steigen laut Gutachten die Betriebskosten der Klingenhalle, während die Arena-Einnahmen ebenfalls größer werden könnten.

Solingen: Arena ist ein bergisches Vorzeigeprojekt

Die Arena sei ein bergisches Vorzeigeprojekt: „Wir haben uns im Bergischen darauf geeinigt, dass wir uns zu einem Handball-Bundesligisten bekennen“, sagte Tim Kurzbach. „Nun haben wir die Chance, etwas zu schaffen, dass die langfristige Tragfähigkeit für den Bergischen HC sicherstellt.“ Im Gutachten sind 18 BHC-Heimspiele (Liga und Pokal) angesetzt. Die Klingenhalle wird den Ansprüchen des Handballvereins aufgrund der wachsenden Voraussetzungen in der Bundesliga mittelfristig nicht mehr genügen. „Eine Abwanderung wäre wohl unausweichlich“, so der OB.

Die Arena sei ein Mehrwert für die Solinger Innenstadt: Mit zunächst veranschlagten 22 Shows, drei Firmenevents und zwei weiteren Sportveranstaltungen könne die Arena zum Magneten werden. „Es ist eine große Fördermaßnahme für unsere Stadt“, betonte Kurzbach und wurde in dieser Ansicht von Stadtdirektor Hartmut Hoferichter unterstützt: „Wir sind dabei, den Stellenwert unserer Innenstadt zu verbessern. Die Arena ist dabei ein wichtiger Baustein. Dazu ist der Zeitpunkt günstig, um auf Fördermittel zurückzugreifen.“

Arena-Pläne: Politiker in Solingen sehen noch viele offene Fragen

Der Grundsatzbeschluss mit 13 Prüfpunkten zum Bau der Halle soll nun am 16. Dezember vom Rat gefasst werden. Dadurch wird die Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG) um Geschäftsführer Carsten Zimmermann mit zahlreichen Aufgaben betraut, um die Planung konkret voranzutreiben. Es soll mindestens eine Projektgesellschaft gegründet werden, die sich in der Folge unter anderem um Fördermittel, Beihilfe, ein Mobilitätskonzept, diverse Gutachten inklusive Lärm- und Klimaschutz sowie um weitere zentrale Fragen kümmern wird.

Solingen: 27 bis 36 Monate Planungszeit

Dass der Schulsport in die Arena umzieht und das Klingenbad erhalten bleibt, steht fest. Wohin die Zweitliga-Handballerinnen des HSV Solingen-Gräfrath und Fußball-Bezirksligist Ditib-Vatanspor, die auf dem Platz spielen, wo der Neubau stehen soll, umziehen, muss noch erarbeitet werden. „Da werden wir Alternativen finden“, betont Sportdezernentin Dagmar Becker (Grüne).

Bis der BHC sein erstes Bundesliga-Heimspiel in der Arena bestreiten könnte, dauert es noch eine Weile. Grundmann, der Erfahrung mit solchen Projekten hat, betonte: „27 bis 36 Monate Planungszeit sind normal, der Bau selbst wäre mit 18 Monaten sehr sportlich angesetzt, wahrscheinlich sind eher zwei Jahre.“ Ein erster Anwurf in der Saison 2026/27 ist also realistisch.

Hintergrund

Die Klingenhalle wird 2023 50 Jahre alt und soll so lange in Betrieb bleiben, bis der Neubau errichtet ist. Danach steht der Abriss bevor – auch das ist im Grundsatzbeschluss bereits verankert.

Standpunkt: Es geht nicht nur ums Geld

Von Thomas Rademacher

thomas.rademacher@solinger-tageblatt.de

Dass die Bergische Arena auch wirtschaftlich Vorteile gegenüber der Klingenhalle haben soll, ist ein gutes Argument. Das aber freilich auch in Zweifel gezogen werden kann. Sind wirklich noch viele andere Events abseits der Heimspiele von Handball-Bundesligist BHC möglich? Was ist, wenn der mal absteigt? Wer zweifeln will, zweifelt, wer kein Interesse an Handball hat, sieht auch nicht die Notwendigkeit einer modernen Spielstätte im Vergleich mit anderen Vereinen. Davon aber völlig abgesehen ist die Arena eine riesige Chance abseits des Handballs. Für ein vergleichsweise geringes Risiko – denn der Erhalt der Klingenhalle kostet unbestritten ebenfalls sehr viel Geld – steht in fünf Jahren eine schicke Veranstaltungshalle in der Stadt. Ist diese Perspektive nicht ungemein reizvoll und ein echter Mehrwert, selbst wenn sie ein paar Euro mehr kostet? Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt, was abseits des eigentlichen Events möglich ist. Bleiben Arena-Touristen über Nacht? Gehen sie in Solingen essen? Wer weiß, vielleicht besuchen sie sogar das Klingenmuseum. Auch das wären Einnahmen. Kalkulierbar ist das gerade nicht, aber eine Riesenchance.

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