Kontaktverbot belastet Familien

Bewohner von Pflegeheimen dürfen nicht mehr besucht werden

Solingen: Bewohner von Pflegeheimen dürfen nicht mehr besucht werden
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Das Foto zeigt Andreas Horn mit seiner Mutter Christa Horn.

Seit über zwei Wochen hat Andreas Horn seine Mutter nicht mehr gesehen.

  • Seit Mitte März gilt für Pflegeheime in Solingen ein Betretungsverbot.
  • Pflegedienst in Solingen bekommt viel Zuspruch von den Angehörigen.
  • Kontakt über Skype-Anrufe oder per Handy möglich machen.

Von Anja Kriskofski

Solingen. Christa Horn (84) lebt im Seniorenzentrum Bethanien – seit Mitte März gilt für Pflegeheime ein Betretungsverbot. Weil das neuartige Coronavirus für ältere Menschen besonders gefährlich ist, sollen sie durch die Maßnahme vor einer Infektion geschützt werden. Auch Andreas Horns Frau Susanne kann ihre 94-jährige Mutter nicht mehr besuchen.

Hier sind seine Frau Susanne Horn (von rechts), seine Schwägerin Ilona Klütz sowie Schwiegermutter Christa Maeter zu sehen. Zurzeit können sie nur telefonieren.

„Wir verstehen, dass diese Maßnahme nötig ist“, sagt Andreas Horn. Doch neben der Sorge um die Gesundheit der beiden alten Damen kommt für die Horns noch eine weitere hinzu: „Unsere Mütter sind beide an Demenz erkrankt. Wir haben Sorge, dass sie uns irgendwann nicht mehr erkennen werden.“ Ein Problem, das in vielen Pflegeheimen Thema ist. Um den Kontakt aufrecht zu erhalten, wollen die Einrichtungen unter anderem Videoanrufe einsetzen.

„Für uns und unsere Geschwister ist die Situation sehr belastend“, sagt Horn, der als freier Fotograf fürs ST arbeitet. „Bis jetzt haben wir unsere Mütter jede Woche besucht und etwas mit ihnen unternommen.“ Zusammen Kaffee trinken, ein Eis essen oder spazieren gehen – das alles ist bis auf Weiteres nicht mehr möglich. Die Pflegekräfte in beiden Heimen engagierten sich sehr, betont er. „.Wir möchten uns für ihren täglichen und herzlichen Einsatz bedanken.“

Pflegedienst in Solingen bekommt viel Zuspruch von den Angehörigen

„Wir bekommen viel Zuspruch von den Angehörigen“, berichtet Hannelore Ihle, Pflegedienstleiterin im Haus Eiche, das zum Seniorenzentrum Bethanien gehört. Zudem gebe es viele Vorschläge, wie der Kontakt trotz Besuchsverbots aufrecht erhalten werden könne. So seien Mitarbeiter dabei, Videotelefonate mit dem Smartphone oder Handy möglich zu machen. Im Haus Eiche seien zudem feste Telefonzeiten am Vormittag und Nachmittag eingerichtet worden. „Aber für die Angehörigen sind wir natürlich auch außerhalb dieser Zeiten erreichbar“, betont Ihle.

Nähe für Demenzkranke ist in Zeiten von Corona besonders wichtig

Doch mit Telefonanrufen – auch per Video - könnten nicht alle demenzkranken Bewohner umgehen. Bei einem weiter fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung arbeite man mit Fotos. „Wir schauen mit ihnen zum Beispiel Fotos ihrer Angehörigen an, um Erinnerungsanstöße zu geben“, beschreibt Ihle. Und es gibt weitere kreative Ideen. So hätten Angehörige, die oft für die Bewohner musizieren, Lieder auf CD aufgenommen. „Die können wir jetzt abspielen.“

Solingen: Förderverein hat Smartphones finanziert

„Die Situationen ist schwierig“, bestätigt auch Sarah Grawunder. Die Leiterin des städtischen Elisabeth-Roock-Hauses berichtet von „herzzerreißenden Szenen“. So könne zum Beispiel die Ehefrau eines Bewohners ihren Mann nicht mehr besuchen. „Jetzt winken sie sich durch die Scheibe zu und telefonieren dabei.“ Man versuche, für die Bewohner den Kontakt über Skype-Anrufe oder per Handy möglich zu machen. Der Förderverein habe Smartphones für jede Wohngruppe finanziert, damit Bewohner und ihre Angehörigen telefonieren können. „Eine Mitarbeiterin hat erzählt, dass eine Bewohnerin ganz überrascht war, ihre Tochter auf dem Handy-Bildschirm zu sehen – wie bei einem Mini-Fernseher“, schildert Grawunder.

Andreas und Susanne Horn hoffen nun auch auf die Videoanrufe, die in beiden Pflegeheimen geplant seien. „Gestern habe ich das erste Mal seit zwei Wochen mit meiner Mutter telefoniert“, berichtet Andreas Horn. „Aber wenn sie mich nicht sieht, ist das schwierig.“

BESUCHSVERBOT

VERORDNUNG Das Land NRW hat für Krankenhäuser und Pflegeheime ein Besuchsverbot erlassen.

INITIATIVE Die Solingerin Petra Krötzsch wirbt um Telefonpaten, die Bewohner von Altenheimen anrufen: Tel. (01 63) 1 52 33 75.

lebensherbst.de

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