Gemeinde

Bettina Hahmann ist eine Institution in Wald

Beratungsgespräche führt Gemeindeschwester Bettina Hahmann in der Corona-Pandemie auch schon mal draußen. Das Sozialdiakonische Zentrum ist vor kurzem an die Poststraße gezogen. Foto: Christian Beier
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Beratungsgespräche führt Gemeindeschwester Bettina Hahmann in der Corona-Pandemie auch schon mal draußen. Das Sozialdiakonische Zentrum ist vor kurzem an die Poststraße gezogen.

Die evangelische Gemeindeschwester feiert am Freitag ihr 40-jähriges Dienstjubiläum.

Von Anja Kriskofski

Solingen. Als Bettina Hahmann 1981 ihren Dienst bei der evangelischen Kirche Wald antrat, waren unter ihren Kolleginnen noch Diakonissen, die Tracht und Häubchen trugen. Vier Jahrzehnte später ist sie für viele immer noch „Schwester Bettina“ – eine Institution im Stadtteil Wald. Am Freitag feiert die Gemeindeschwester ihr 40-jähriges Dienstjubiläum.

„Mein Wunsch war immer, für die da zu sein, die am Rand der Gesellschaft leben“, erzählt die 61-Jährige. Das hat viel mit ihrer Kindheit zu tun. Als Tochter einer minderjährigen Mutter wuchs die Solingerin in einer Pflegefamilie auf, die drei eigene und zwölf Pflegekinder großzog. Dort habe sie sich schon früh um die Großmutter gekümmert.

Nach dem Examen zur Altenpflegerin in Bethanien kam Hahmann nach Wald. „Ich habe mich bewusst für die Arbeit in einer Gemeinde entschieden.“ Als 21-jährige Berufseinsteigerin sei sie auch dahin gegangen, wo es ihrer Vorgängerin zu schmutzig war, blickt sie zurück: in die damalige Notunterkunft am Walder Busch, wo sie unter anderem einer obdachlosen Frau jeden Tag eine Insulinspritze setzte. Mit ihrer blauen Ente fuhr sie auch Kinder aus der Unterkunft zu Therapien. „Aber das Vertrauen der Bewohner musste ich mir erarbeiten“, erzählt Hahmann.

Mit dem Walder Pfarrerehepaar Martina Köster-Schneider und Hartmut Schneider baute sie ab 1986 die sozialdiakonische Arbeit auf: An der Corinthstraße wurde der Mittagstisch eingeführt, an dem Bedürftige zweimal in der Woche eine warme Mahlzeit erhalten. 1991 wurde die Kleiderkammer eröffnet. 2015 koordinierte Hahmann die Flüchtlingshilfe der Gemeinde, die bis heute Sprachkurse anbietet.

„Mein Wunsch war, für Menschen am Rand der Gesellschaft da zu sein.“

Bettina Hahmann Gemeindeschwester

Den Mittagstisch nehmen Menschen wahr, die von Grundsicherung oder Hartz IV leben, „oder die gar keine Leistungen bekommen“. 35 bis 40 Bedürftige kämen regelmäßig, darunter auch Familien mit kleinen Kindern. Hahmann kann dabei auf freiwillige Helfer setzen. „Diese Arbeit wäre nicht möglich ohne unsere tollen Ehrenamtler“, betont sie.

Später kam die Aktion „Wir bitten zu Tisch“ dazu, mit der nicht mobile Menschen mit einem kostenlosen Mittagessen versorgt werden. „Das Essen wird von der Evangelischen Altenhilfe Wald gekocht und gebracht.“ Weil es als normales Essen auf Rädern komme, bemerkten Nachbarn nicht, dass Bedürftige beliefert werden. „Das ist wichtig, weil es viel um Scham geht.“ Finanziert wird der Mittagstisch durch Sponsoren, darunter der Lions Club, die ST-Wohltätigkeitsaktion „Kette der helfenden Hände“ und Walder Bürger.

Bettina Hahmann will für die Menschen da sei – und war es auch im Lockdown. „Wir hatten einen Tisch vor dem Büro stehen und haben viel draußen gemacht.“ Mit anderen Gemeinden organisierte sie die „Suppenküche to go“, weil der Mittagstisch nicht stattfinden durfte.

Dass die Gemeinde Wald sparen muss, macht ihr Sorgen. Das Sozialdiakonische Zentrum ist vom Walder Rundling in Gemeinderäume an der Poststraße gezogen. Den mobilen Mittagstisch bekämen inzwischen nur noch 8 statt wie früher 15 Bedürftige. „Es wäre ein Tiefschlag, die Essen weiter kürzen zu müssen.“ Bettina Hahmann ist die einzige verbliebene Gemeindeschwester in Wald. Sie hofft, dass die sozialdiakonische Arbeit fortgeführt wird, wenn sie in fünf Jahren in Rente geht. „Da geht es um Menschen, die sonst keine Stimme haben. Die muss man trotz finanzieller Probleme im Blick behalten.“

Zur Person

Aufgaben: Bettina Hahmann unterstützt mit ihrem Team Hilfesuchende an der Poststraße 27. Dort gibt es unter anderem den Mittagstisch für Bedürftige, eine interkulturelle Mutter-Kind-Gruppe und Sprachkurse. Mit Pfarrerin Kerstin Heider betreut sie die Gruppe „Trauer in Bewegung“. Sie ist auch für Geburtstagsbesuche zuständig.

Privat: Hahmann hat zwei erwachsene Kinder und zwei Enkelkinder.

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