Polizei gibt Tipps

Betrüger nutzen Hochwasser, um Senioren abzuzocken

Betrüger versuchen mit Enkeltrick an das Geld von Senioren zu kommen.
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Betrüger versuchen mit Enkeltrick an das Geld von Senioren zu kommen.

Schocknachricht am Telefon: „Ihr Sohn hat eine Frau totgefahren“.

Solingen. Ein Anruf wie in einem Alptraum: „Papi, Papi, mir ist etwas Schlimmes passiert! Ich habe gerade jemanden totgefahren.” Die Stimme am Telefon: aufgebracht, völlig fassungslos. Welcher Vater würde da cool bleiben und sich ruhig erkundigen, wer da am Apparat ist und was genau vorgefallen ist? Einem gestandenen Solinger ist genau das passiert. „Das klang gar nicht nach meinem Sohn, aber wer weiß schon, wie sich die Stimme am Telefon in einer Extremsituation anhört?”, sagt Peter Klein (80, Name von der Redaktion geändert).

Das Telefonat übernahm dann ein „Polizeibeamter”, dem es durch raffinierte Gesprächsführung gelingt, dem geschockten Vater die Namen und sogar die Mobilnummer zu entlocken. So kann der Betrüger leicht behaupten, dass es sich tatsächlich um seinen Sohn handelt, der da über eine rote Ampel gefahren ist und dabei eine schwangere Frau überfahren hat, weil er auf dem Handy eine SMS tippte.

Polizei rät: Im möglichen Betrugsfall auflegen und selbst die Bekannten anrufen

Aber glücklicherweise kenne man einen guten Anwalt, der sich mit solchen Fällen auskenne. Der „Anwalt” meldet sich auch umgehend. „Er legte mir dar, dass es sich um fahrlässige Tötung handele, auf die acht Jahre Gefängnis stehen.” Das Wichtigste sei jetzt, die Untersuchungshaft zu vermeiden. Ob der Vater 120 000 Euro für die Stellung der Kaution bereitstellen könne? Die wolle er dann bei ihm abholen.

„In der Nachschau muss ich sagen, dass ich es niemals für möglich gehalten hätte, auf so etwas hereinzufallen,“ sagt der Senior. Kleins Glück: Obwohl er völlig neben sich steht, besteht er auf einer Überweisung mit Aktenzeichen. Daraufhin hängen die Täter ein. Erst danach ruft er seinen Sohn an, dem natürlich nichts Derartiges passiert ist. Das rät auch die Polizei: Auflegen und unter der bekannten Nummer zurückrufen. Und Verwandte, Freunde, Nachbarn hinzuholen und um Rat fragen.

Das Vorgehen der Betrüger ist einfallsreich

Offensichtlich wird derzeit gehäuft diese Masche probiert. Allein an diesem einen Tag wurden der Polizei zehn weitere Fälle gemeldet. Nach bisherigen Erkenntnissen blieb es aber beim Versuch. Nicht so im Februar dieses Jahres: Ein 86-jähriger Walder wurde mit demselben Trick um seine Ersparnisse in Höhe von 11 000 Euro gebracht. Im Vorgehen sind die Täter einfallsreich, aber immer gibt es eine akute Notlage, so dass Geld gebraucht wird – ob nach einem Unfall oder für Medikamente wegen einer Corona-Erkrankung.

Ich hätte niemals gedacht, dass ich auf so etwas hereinfallen würde.

Peter Klein

Kriminalhauptkommissar Michael Schroer vom Kommissariat Kriminalprävention/Opferschutz rät: „Am besten immer sofort auflegen. Sich nicht in ein Gespräch verwickeln lassen, niemals Informationen über sich, seine Familie oder Wertsachen preisgeben und nicht auf Anweisung Telefontasten drücken.” Und einen Betrugsversuch melden. „Das hilft uns, das Dunkelfeld aufzuhellen. Weil die Täter oft regional vorgehen, können wir andere Bürger warnen.” Aktuell haben die Betrüger offensichtlich darauf spekuliert, aufgrund der sich überschlagenden Ereignisse bei der Hochwasserlage länger unentdeckt zu bleiben – was dann tatsächlich der Fall war.

Auch einen Tag nach dem Vorfall ist dem Solinger sein Schock immer noch anzumerken. Seinen Namen will er aus verständlichen Gründen nicht in der Zeitung lesen. „Ich möchte mit meinem Fall dazu beitragen, andere zu warnen. Wie oft hat man das schon gelesen mit dem Enkel-Trick?“

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