Afrika-Fest

Betroffene schildern Rassismuserfahrung

Saßenauf dem Podium (v. l.): Sainabou Jobateh, Eli Abeke, Haiat Chanfouh, Joshua C. Ikpegbu und Dounia Dergual.
+
Saßenauf dem Podium (v. l.): Sainabou Jobateh, Eli Abeke, Haiat Chanfouh, Joshua C. Ikpegbu und Dounia Dergual.

Afrika-Fest war mehr als eine Feier der Länder und Kulturen des Kontinents.

Von Julia Wodara

Solingen. Das Afrika-Fest im Haus der Jugend am Samstag war eine Feier der Länder und Kulturen des Kontinents – samt Informationsaushängen, Filmvorstellungen, authentischem Essen und Performancekunst von Claude Bwendua. Doch die Veranstaltung hatte auch eine größere soziale Funktion: Menschen mit Migrationshintergrund die Möglichkeit zu geben, sich und ihre Lebensrealitäten zu repräsentieren. Ein wichtiger Kern des Tages war deshalb auch die Podiumsdiskussion über Rassismus in Solingen und dem Bergischen.

„Ich finde sehr traurig, dass es das heute noch gibt“, sagte Dounia Dergual. „Dass wir heute nicht einfach feiern können, dass es diese Kulturen gibt.“ Sie gehörte neben Eli Abeke, Haiat Chanfouh, Ridi West, Sainabou Jobateth und Joshua C. Ikpegbu zu den Sprecherinnen und Sprechern.

Ihre Wurzeln und Migrationsgeschichten unterscheiden sich, doch sie teilen schmerzhafte Erfahrungen mit Rassismus: „Du kannst froh sein, dass du in Deutschland atmen darfst“, wurde Chanfouh während ihrer Ausbildung gesagt. Ridi West sprach davon, dass Menschen in ihm Böses sehen und Angst vor ihm haben. „Es verletzt mich jedes Mal.“

Größter Zweck der Diskussion war deshalb, den Betroffenen – innerhalb und auch außerhalb des Veranstaltungsortes – Gehör zu verschaffen. Doch die Diskussion führte in Teilen des Publikums stattdessen zur Wahrnehmung von polarisierten Darstellungen, ausgeklammerten Diskriminierungserfahrungen weißer Menschen und gar zu einer Diskussion darüber, ob Rassismus überhaupt existiert.

Dabei gelte es an erster Stelle, Rassismus von anderen, ebenso auftretenden Diskriminierungsformen und -erfahrungen abzugrenzen. „Das, was ein weißer Mensch erlebt, kann man nicht als Rassismus bezeichnen“, betonte Eli Abeke. „Ja, er wurde erfunden“, bekräftigte Joshua C. Ikpegbu. „Es ist ein Konstrukt – aber die Folgen sind real. Ein Auto wurde auch erfunden, aber wenn mich ein Auto umfährt, bin ich tot – es ist ganz trivial.“

Beim Publikum stießen die Ausführungen auf geteiltes Echo

Zwei im Publikum bekamen das nicht mehr mit – sie verließen in Reaktion schon früher den Saal. „Wir sind nicht unbedingt die perfekten Leute, die Zugang zu der weißen Mehrheitsgesellschaft haben“, erklärte Ikpegbu dazu. „Sie fühlen sich angegriffen – weil die Grenzen immer noch da sind. Sie sehen mich nicht als ein Teil von ihrer Gesellschaft, sondern als jemand, der ihre Gesellschaft kritisiert.“

Das Podium forderte auf: Zuhören statt reagieren; allen Erfahrungen ihren eigenen Platz geben, ohne sich dem eigenen beraubt zu fühlen. Viele der Sprecherinnen und Sprecher setzen sich auch im größeren Rahmen gegen Rassismus und andere Formen von Diskriminierung ein.

Lesen Sie auch: Stimme gegen Rassismus wird 80 Jahre alt

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Christoph-Kramer-Tribüne: Weltmeister will in Solingen einsteigen
Christoph-Kramer-Tribüne: Weltmeister will in Solingen einsteigen
Christoph-Kramer-Tribüne: Weltmeister will in Solingen einsteigen
Nachhaltigkeit: Solingen ist Vorreiter
Nachhaltigkeit: Solingen ist Vorreiter
Nachhaltigkeit: Solingen ist Vorreiter
120 Helfer sammeln eine Tonne Müll in der Ohligser Heide
120 Helfer sammeln eine Tonne Müll in der Ohligser Heide
120 Helfer sammeln eine Tonne Müll in der Ohligser Heide
Was wissen Sie über die Geschichte des Gebäudes?
Was wissen Sie über die Geschichte des Gebäudes?
Was wissen Sie über die Geschichte des Gebäudes?

Kommentare