Gericht

Betroffene Kinder sagen im Misshandlungsprozess aus

Betroffene Kinder sagen im Misshandlungsprozess aus .Foto:dpa
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Betroffene Kinder sagen im Misshandlungsprozess aus.

Früherer Freund der Mutter steht vor dem Wuppertaler Landgericht.

Von Dirk Lotze

Solingen. Gespräche im leisen Ton auf dem Gang, ermutigende Worte von Angehörigen, dann der Weg mit Anwaltsbegleitung in den Gerichtssaal: Ein elf Jahre alter Junge und seine zwei Jahre ältere Schwester mussten nacheinander als Geschädigte mutmaßlich schwerster, demütigender Misshandlungen 2017 über einen Angeklagten aus Solingen aussagen – einen früheren Freund ihrer Mutter.

Angeklagt vor dem Landgericht Wuppertal ist ein 40 Jahre alter Angestellter, dem zusätzlich Übergriffe auf die damalige Lebensgefährtin zur Last gelegt werden. Er gibt zu, den Jungen mit einem Gürtel geschlagen zu haben, nachdem der ihm gesagt habe: „Du hast mir nichts zu sagen. Du bist nicht mein Papa!“ Den Großteil der Vorwürfe bestreitet der Mann.

Laut Staatsanwaltschaft schlug der Angeklagte den überwiegend geschädigten, damals siebenjährigen Jungen, wenn der Schulaufgaben nicht oder falsch machte. Er habe den Kopf seines Opfers in einer Schranktür eingequetscht und zugedrückt. Dabei habe er gedroht, weiter zu drücken, wenn die Mutter nicht die Schwester strafe. Der Mann soll bei mindestens elf Gelegenheiten geschlagen und gequält haben. Einmal habe er den Jungen im Treppenhaus ans Geländer gefesselt; bei anderen Gelegenheiten habe er ihn gezwungen, Erbrochenes zu essen oder eigenen Urin zu trinken. Der heute Elfjährige soll schwere Entwicklungsstörungen erlitten haben.

Stellwand erspart Kindern und dem Angeklagten im Prozess Blickkontakt

Der Angeklagte ist in Freiheit, die Anklage der Staatsanwaltschaft ging Anfang 2021 beim Landgericht ein.

Auf dem Gerichtsflur gehen sich die Angehörigen des Mannes und der Kinder so gut es geht aus dem Weg. Die Richterinnen und Richter müssen die Vorwürfe unabhängig prüfen. Sie schlossen für die Befragungen der Kinder die Öffentlichkeit aus, um sie zu schützen. Eine Stellwand zwischen Zeugentisch und Angeklagtem sollte ihnen Blickkontakt ersparen. Selbst den Angehörigen war durch Gesetz verboten, sie zur Aussage zu begleiten, denn auch diese sind Zeuginnen im Prozess.

Den Angaben des Angeklagten zufolge kam er mit der Mutter Ende 2016 zusammen. Die ersten Monate seien „super“ verlaufen und „sehr harmonisch“. Einen Grund für einen Bruch benannte er nicht. An einer Stelle habe es in der Schule Gespräche mit Lehrern gegeben, weil der Junge „übersät mit blauen Flecken“ gewesen sein soll. Seiner Version zufolge sollten dafür Mitschüler verantwortlich gewesen sein.

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