Körperliche und psychische Belastung

So erlebt eine Intensivpflegerin den Kampf gegen die Pandemie

Die Pflege der schwer an Covid-19 Erkrankten bedeutet eine extreme körperliche und psychische Belastung. Fotos: Christian Beier
+
Die Pflege der schwer an Covid-19 Erkrankten bedeutet eine extreme körperliche und psychische Belastung.

Intensivkrankenschwester Magdalena Janek aus Bethanien beschreibt die große Belastung im Kampf gegen die Pandemie.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Viele Bilder der Corona-Pandemie werden in den Köpfen bleiben: das Impfen, die geschlossenen Schulen und Geschäfte und vor allen Dingen die Menschen auf den Intensivstationen. Und da sind es nicht nur die schwer Erkrankten, die um ihr Leben kämpfen, sondern auch die vielen Ärzte und Pfleger, die seit nunmehr zwei Jahren im Dauereinsatz sind.

Eine von ihnen ist Magdalena Janek, Intensivpflegerin und Praxisanleiterin auf der Intensivstation in Bethanien. „Schwester Maggie“ wird sie dort von allen gerufen. Und der Name schallt oft über die Flure der Lungen-Fachklinik. „Man müsste überall gleichzeitig sein“, beschreibt die 46-Jährige den Dauereinsatz, in dem sie und ihre Kolleginnen und Kollegen seit zwei Jahren sind.

Ihre größte Sorge: „Ich befürchte, dass viele Menschen einfach nur abwarten, dass auch die vierte Welle wieder vorbeigeht, so wie die ersten drei zuvor. Die äußerst dramatische Situation in den Krankenhäusern scheint niemanden mehr zu interessieren.“ Es sei wichtig, immer wieder auf die große Gefahr des Virus hinzuweisen. Deshalb möchte sie – stellvertretend für alle Beschäftigten in den Kliniken – dem Kampf gegen den Virus ihr persönliches Gesicht geben.

Solingen: Pflege der schwer erkrankten Corona-Patienten ist mühsam

Intensivschwester Magdalena Janek arbeitet seit 20 Jahren in Bethanien.

Seit 20 Jahren arbeitet Magdalena Janek in Bethanien auf der Intensivstation. „So schlimm und angespannt wie die derzeitige Situation habe ich es hier noch nie erlebt“, gesteht sie. Im Drei-Schicht-Betrieb rund um die Uhr zu arbeiten, das ist für die etwa 70 Pflegekräfte Routine. „Aber bei den schwer an Covid-19 Erkrankten handelt es sich oft um instabile Intensiv-Patienten. Die hängen meist gleichzeitig an einem Ecmo-Gerät zur externen Sauerstoffanreicherung des Blutes, an der Dialyse und verschiedenen Medikamenten-Perfusionen“, erklärt sie die Mehrfach-Belastung für die Pflegekräfte.

Das gehe auch körperlich an die Substanz. Etwa wenn die Patienten gedreht werden müssen – acht Stunden Rückenlage, dann 16 Stunden Bauchlage, um die Lunge zu entlasten. „Zum Drehen brauchen wir mindestens fünf Personen“, so Schwester Maggie. Früher habe man in Bethanien ein Ecmo-Gerät einmal im Jahr gebraucht. Jetzt seien fünf bis sechs davon dauerhaft im Einsatz.

Triage-Entscheidung war in Solingen bislang noch nicht notwendig

Und die 46-Jährige beschreibt auch die psychische Belastung, die die Arbeit derzeit mit sich bringt. „Es ist schon schwer, damit umzugehen, wenn man weiß, dass viele der schweren Fälle durch eine Impfung vermeidbar gewesen wären“, appelliert sie an die Menschen, sich impfen zu lassen. Bislang habe man in Bethanien noch nicht die Triage-Entscheidung treffen müssen, einen 20-jährigen Ungeimpften oder einen 50-jährigen Geimpften an das letzte verfügbare lebensrettende Gerät anzuschließen. „Die Entscheidung möchte ja niemand treffen müssen.“

Schutzkittel, Handschuhe, Mundschutz, Schutzbrille, Schutzhaube und bei näherem Kontakt zum Patienten noch ein Helm-Visier – auch die Schutzmaßnahmen vor dem Betreten der Patientenzimmer sind aufwendig. „Aber wir alle müssen schließlich auch uns selbst und unsere Familien schützen“, betont sie – auch wenn alle Kollegen geimpft seien. Als belastend empfindet Magdalena Janek es auch, dass es kaum noch andere Themen jenseits von Corona gibt – im Beruf, in der Familie im Alltag.

Die Pandemie ohne noch weitere Belastungen in den Kliniken zu überwinden – das ist ihr Wunsch. Noch hat das Virus Bethanien fest im Griff. Aktuell sind 14 Covid-Patienten und 15 Menschen mit anderen schweren Krankheiten auf der Intensivstation, dazu 15 weniger schwere Covid-Fälle auf der Infektionsstation.

In unserem Blog finden Sie die neuesten Informationen zu Entwicklungen rund um das Coronavirus in Solingen.

„Trotz allem kann ich persönlich mir keinen anderen Beruf als die Krankenpflege vorstellen“, bekräftigt Magdalena Janek. „Ich hoffe nur, dass die derzeitige Situation junge Menschen nicht abschreckt, diesen Beruf zu erlernen. Sonst haben wir in einigen Jahren ein noch viel größeres Problem.“

Bethanien

Covid 19: Seit Beginn der Pandemie betreut die Lungenfachklinik Bethanien einen Großteil der stationären Covid-19-Erkrankten.

Impfen: Erst-, Zweit- und Boosterimpfungen sind in Bethanien, im ehemaligen P&C-Gebäude in der City, im Walder Stadtsaal und in der Cobra möglich. Öffnungszeiten unter: www.solingen.de

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Das Laser-Duell im Dunkeln kann beginnen
Das Laser-Duell im Dunkeln kann beginnen
Das Laser-Duell im Dunkeln kann beginnen
Corona: Inzidenz steigt auf 1001,9 - Zwei weitere Todesfälle
Corona: Inzidenz steigt auf 1001,9 - Zwei weitere Todesfälle
Corona: Inzidenz steigt auf 1001,9 - Zwei weitere Todesfälle
Corona: Inzidenz liegt in Solingen erstmals über 1000
Corona: Inzidenz liegt in Solingen erstmals über 1000
Corona: Inzidenz liegt in Solingen erstmals über 1000
Salamanderpest tötet Hunderte Tiere im Bergischen
Salamanderpest tötet Hunderte Tiere im Bergischen
Salamanderpest tötet Hunderte Tiere im Bergischen

Kommentare