Pandemie

Berufsorientierung auf Distanz ist ein Kraftakt

Joachim Blümer leitet die Theodor-Heuss-Schule. Er berichtet, wie schwierig Berufsorientierung in Corona-Zeiten ist. Foto: Michael Schütz
+
Joachim Blümer leitet die Theodor-Heuss-Schule. Er berichtet, wie schwierig Berufsorientierung in Corona-Zeiten ist.

Schulleiter Joachim Blümer stellt eine gewisse Lethargie bei den Schülern fest.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Beim Thema Berufsorientierung legen viele Schüler derzeit eine gewisse Lethargie an den Tag. Das beobachtet zumindest Joachim Blümer. „Viele, selbst in den Abschlussklassen, sind abwartend, haben das im Moment nicht auf dem Schirm“, beschreibt der Leiter der Theodor-Heuss-Schule. Der Sprecher des Schulleiter-Sprecherrates beobachtet diese Entwicklung mit Sorge: „Ich stelle mir die Frage: Worauf wartet ihr?“

Bereits vor einigen Wochen klagten die Agentur für Arbeit, die Bergische Industrie- und Handels- sowie die Handwerkskammer, coronabedingt Schwierigkeiten zu haben, mit den Schülern in Kontakt zu kommen. Auch den Schulen fällt es nicht leicht, das Thema Berufsorientierung zu forcieren, wenn der Unterricht auf Distanz stattfindet.

„Ich stelle mir die Frage: Worauf wartet ihr eigentlich?“
Joachim Blümer, Leiter der Theodor-Heuss-Schule

Das bestätigt Bettina Grego. An der Seite ihrer Kollegin Bettina Matz-Behrendt ist sie seit vier Jahren an der Sekundarschule für die Berufsorientierungskoordination zuständig. Normalerweise sei die Schule am Central bei diesem Thema „hervorragend aufgestellt“. Momentan hakt es aber. Zwar werden Informationen auf digitalen Wegen weitergeleitet. Ob die Schüler sich damit aber tatsächlich beschäftigten, ist kaum zu kontrollieren. „Schon vor der Pandemie mussten wir die Schüler ziemlich antreiben“, beschreibt Grego die Situation. Beim Homeschooling werde das noch schwieriger. Wenn die Zehntklässler in dieser Woche als einziger Jahrgang ihre Halbjahreszeugnisse persönlich an der Guntherstraße abholen, wolle man erneut das Gespräch suchen.

Erleichtert ist Bettina Grego hingegen, dass die Jahrgangsstufen neun und zehn nach den Herbstferien noch wie geplant ihr dreiwöchiges Betriebspraktikum absolvieren konnten. „Das ist eine sehr wichtige Möglichkeit, eine Vorstellung vom Berufsleben zu erhalten, die heute vielen Schülern fehlt“, betont die Lehrerin.

An der Theodor-Heuss-Schule hatten die Verantwortlichen weniger Glück. Für die dortigen Schüler wäre am kommenden Montag Praktikumsstart gewesen. „Das mussten wir leider aufgrund der Corona-Pandemie absagen“, erklärt Joachim Blümer. Es ist jedoch angedacht, dass die Neuntklässler stattdessen vor den Sommerferien in die Betriebe gehen.

Das hält der Schulleiter für unabdingbar. Seiner Beobachtung nach ist die Verbindung zwischen Schülern und Unternehmen in der Krise abgebrochen. Seine Befürchtung: Noch weniger Jugendliche als bislang starten eine betriebliche Ausbildung und ziehen es stattdessen vor, nach der zehnten Klasse auf dem Gymnasium oder einem Berufskolleg weiterzumachen. Für manch einen Schüler sei das aber genau der falsche Weg.

Mit digitalen Angeboten und telefonischem Kontakt zu den Beratern der Agentur für Arbeit versuchen die Schulen, die Berufsorientierung auch in Krisenzeiten aufrechtzuerhalten. Nicht für jeden Schüler seien diese Formate gemacht, betonen Bettina Grego und Joachim Blümer.

Durchaus positiv sind bislang die Erfahrungen von Dr. Martina Krebs. Sie ist am Gymnasium August-Dicke-Schule für die Berufsberatung zuständig. „Wir verfolgen unsere Konzepte weiterhin, wenn auch in reduzierter und pragmatischer Form“, erklärt die Lehrerin. Über die digitale Lernplattform erhalten die Schüler ab der achten Klasse ihre Informationen, Veranstaltungen finden online statt, in Videokonferenzen können Fragen gestellt werden. „Sehr offen und interessiert“ seien die Schüler an den Angeboten: „Insbesondere für die Oberstufe, die kurz vor dem Abschluss steht, ist das Thema ernst.“

Landesprogramm

Alle Jugendlichen in Nordrhein-Westfalen bekommen mit dem Landesprogramm „Kein Abschluss ohne Anschluss“ die Möglichkeit, sich frühzeitig mit ihren beruflichen Plänen zu beschäftigen. Ab der achten Klasse umfasst das Programm unter anderem Potenzialanalysen, Berufsfelderkundungen sowie Berufs- und Studienberatung.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Viele Freizeitanlagen in Solingen bleiben geschlossen
Viele Freizeitanlagen in Solingen bleiben geschlossen
Viele Freizeitanlagen in Solingen bleiben geschlossen
Corona: Inzidenz liegt am Donnerstag erneut über 50 - Stadt verhandelt
Corona: Inzidenz liegt am Donnerstag erneut über 50 - Stadt verhandelt
Corona: Inzidenz liegt am Donnerstag erneut über 50 - Stadt verhandelt
Stadt Solingen warnt vor dem Betreten von Waldwegen
Stadt Solingen warnt vor dem Betreten von Waldwegen
Stadt Solingen warnt vor dem Betreten von Waldwegen
Nach Unfall: Die L 74 ist wieder frei
Nach Unfall: Die L 74 ist wieder frei
Nach Unfall: Die L 74 ist wieder frei

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare