Pandemie

Solingen bereitet sich auf neue Corona-Regeln vor

Die Hygieneregeln haben sich seit der Pressekonferenz zum 2. Lockdown in Solingen nicht verändert.
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Die Hygieneregeln haben sich seit der Pressekonferenz zum 2. Lockdown in Solingen nicht verändert.

Ausgangsbeschränkung wird kommen, Distanzunterricht fortgeführt – Sorge wegen Mutationen.

Solingen. Da der Bundesrat am Donnerstag das Bevölkerungsschutzgesetz, die sogenannte Corona-Notbremse, gebilligt hat, bereitet sich auch die Stadt Solingen auf die neuen Regelungen zur Eindämmung der dritten Corona-Welle vor. „Wir begrüßen, dass es jetzt endlich zu bundesweit einheitlichen Richtlinien kommt“, betonte Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD). Es sei gut, dass die Planungen für die Bürger transparent würden. Am Mittwoch war das Gesetz bereits im Bundestag verabschiedet worden.

Bei der exakten Umsetzung, etwa der Frage, ab welchem Tag die beschlossene Ausgangsbeschränkung gilt, müsse noch die konkrete Landesvorgabe abgewartet werden. „Es ist aber klar, dass Solingen in den nächsten Tagen nicht unter einen Inzidenzwert von 165 oder gar 100 kommen wird, so dass diese Regelungen auch für uns gelten werden“, so Kurzbach. Eine Ausgangsbeschränkung, die ab einer Inzidenz von 100 in Kraft tritt, würde demnach zwischen 22 und 5 Uhr gelten. „Als Ausnahme seien zwischen 22 und 0 Uhr Spaziergänge oder Joggen ohne Begleitperson erlaubt“, betont Rechts-Dezernent Jan Welzel (CDU).

Klar sei auch, dass Schüler – mit Ausnahme der Abschlussjahrgänge 10, Q1 und Q2 – weiter im Distanzunterricht unterrichtet werden müssen. Das gilt ab einer Inzidenz, die an drei aufeinanderfolgenden Tagen über 165 liegt. Grundsätzlich soll das auch für die Kitas gelten. „Ob es in den Einrichtungen wieder eine Notbetreuung geben wird, muss die Landesregelung festsetzen“, erklärte Schul-Dezernentin Dagmar Becker (Grüne).

Derzeit arbeiten die Solinger Kitas im „eingeschränkten Regelbetrieb“. Etwa 77 Prozent der Kinder besuchen aktuell die Einrichtungen – knapp ein Viertel der Eltern lassen ihre Kinder also auch jetzt schon zu Hause. Das müsse prozentual berücksichtigt werden, wenn man einen Blick auf die Akzeptanz der sogenannten „Lolli-Tests“ werfe, mit denen die Kinder regelmäßig getestet werden. „Von den Kindern, die die Kitas besuchen, machen 98 Prozent bei dem Lolli-Test mit“, so Becker. Ausgehend von der Gesamtheit der Kita-Kinder hatte die Stadt zuletzt von nur 60 Prozent Akzeptanz gesprochen. Man sei im Gespräch mit dem Gesundheitsministerium und dem Städtetag, um diese kindgerechten Tests auch finanziert zu bekommen, so Becker.

Solingen: Bislang unbekannte Mutation bereitet Sorge

Bei den positiv getesteten Solingern liegt der Anteil der britischen Mutation mit 78 Prozent weiterhin hoch. „Sorge bereiten uns aber vor allen Dingen vier Fälle einer anderen Mutation“, so Dr. Annette Heibges, Leiterin des Stadtdienstes Gesundheit. Ob es sich um die südafrikanische, die brasilianische oder eine in New York verbreitete Mutation handele, könne erst die genaue Sequenzierung ergeben, die bis zu zwei Wochen dauere. „In keinem der vier Fälle handelt es sich allerdings um Reise-Rückkehrer“, zeigt sich Heibges besorgt. Die Lage in den Kliniken bleibt weiter angespannt. Dort bereite man sich mit Betten, Monitoren und einem „Schatten-Einsatzplan“ auf eine weitere Zunahme der Intensivpatienten vor.

Solingen: Etwa 35.000 Personen sind mindestens einmal geimpft

Fortschritt gibt es bei den Impfungen. Im Solinger Impfzentrum hatten bis Donnerstag 30.449 Menschen eine Erst- und davon 12.315 auch eine Zweitimpfung bekommen. Hinzu kommen die Geimpften bei den Hausärzten. Laut Kassenärztlicher Vereinigung (KV) Nordrhein impfen etwa 50 Solinger Hausärzte. Bislang seien dort 4405 Erst- und 12 Zweitimpfungen durchgeführt worden. Insgesamt haben damit etwa 35.000 Solinger eine oder schon beide Impfungen erhalten.

Kommentar von Simone Theyßen-Speich

simone.theyssen-speich@ solinger-tageblatt.de

Es wird zwar einheitlicher und transparenter, wenn die bundesweite Corona-Notbremse tatsächlich umgesetzt wird – verfassungsgerichtliche Prüfungen noch anheimgestellt. Es wird aber keinesfalls einfacher. Schlimmstenfalls könnte es ein Hin und Her im Drei-Tage-Rhythmus geben, wenn die Inzidenz sich immer wieder rund um einen der Grenzwerte bewegt. Auch deshalb wird es bei der genauen Festlegung der Bestimmungen im Land jetzt darum gehen, pragmatische Wege zur Umsetzung zu finden. Solch einen pragmatischen Weg haben die Solinger Schul- und Gesundheitsverwaltung jetzt mit Blick auf die Quarantäne-Regelungen beschritten. Anstelle der strengen Regelung, dass in den Schulen gleich die ganze Klasse in Quarantäne muss, wird jetzt in jedem Fall geschaut, ob Masken- und Hygiene-Regeln eingehalten wurden, um dann nur die engsten Schüler-Kontakte in Quarantäne zu schicken. Es sei ein „Ausprobieren“, gesteht die Gesundheitsamtsleiterin. Aber anders geht es nicht. Und dieses vorsichtige Ausprobieren muss auch in anderen Bereichen Schritt für Schritt erfolgen – Inzidenz und Klinik-Auslastung immer im Blick.

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