Montagsinterview

Axel Hawranke: „Bereiten uns auf nächste Session vor“

Axel Hawranke ist der Vorsitzende des Festausschusses Solinger Karneval. Er hofft, dass die kommende Session normal wird. Archivfoto: Michael Schütz
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Axel Hawranke ist der Vorsitzende des Festausschusses Solinger Karneval. Er hofft, dass die kommende Session normal wird. Archivfoto: Michael Schütz

Zum Rosenmontag hofft Festausschuss-Vorsitzender Axel Hawranke, 2022 wieder normal Karneval feiern zu können.

Herr Hawranke, in normalen Zeiten würde heute der Rosenmontagszug durch Solingen rollen. Wie groß ist die Wehmut bei Ihnen und den Karnevalsvereinen insgesamt?

Axel Hawranke: Die ist schon sehr groß, das ist ja klar. Man vermisst die Menschen und die Musik, wenn ich allein an die Prinzenproklamation denke, die immer ein großes Ereignis ist, an die Sitzungen und natürlich an den Altweiberball. Das fällt uns Karnevalisten allen sehr schwer, weil einfach etwas fehlt.

Viele Tanzgruppen wie zum Beispiel die Tanzformation Schiwa können in der Corona-Zeit nicht trainieren. Wie halten die Tänzerinnen sich fit?

Hawranke: Ich kann nicht für die Schiwa sprechen, weiß aber von unserer Tanzgruppe der Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß Klingenstädter, dass sie gelegentlich eine Art Online-Training machen. Wenn sie aber wieder normal trainieren dürfen, müssen sie allerdings wieder bei null anfangen, da die Tänzerinnen und Tänzer einfach aufeinander angewiesen sind. Das ist ein Gemeinschaftssport, es gibt Hebefiguren, man muss in der Reihe tanzen und sich an den Händen fassen – all das ist wegen der Kontaktbeschränkungen momentan nicht möglich. Um so mehr hoffen alle auf Lockerungen, damit die Mädels und Jungs vielleicht zum Sommer hin ein paar Auftritte machen können. Dann geht es hoffentlich volle Kanne wieder in die nächste Session!

Die Kölner Jecken waren kreativ und haben einen Mini-Rosenmontagszug mit Puppen gebastelt. Gab es da auch in Solingen kreative Ideen?

Hawranke: Dafür haben wir leider gar nicht die Möglichkeiten, etwas Ähnliches zu machen wie die Kölner. Dort stehen riesige Sponsoren dahinter. Das ist bei uns nicht der Fall, denn unsere Vereine müssen ihren Karneval aus eigener Kraft stemmen. Man darf ja auch nicht rausgehen und sich mit ein paar Leuten treffen, da sich dann gleich Grüppchen bilden würden, wie die Karnevalisten so sind. Aber wir haben diese traurige Session ja so gut wie überstanden. Dann können wir zumindest nach vorne schauen und mit voller Kraft die neue Session ausrichten.

Wie stehen die Solinger Karnevalsvereine durch die Pandemie finanziell da?

Hawranke: Natürlich hat die Coronakrise die Karnevalsvereine auch finanziell schwer getroffen. Glücklicherweise ist meines Wissens bislang aber keiner in größere Schwierigkeiten gekommen, darüber bin ich auch sehr froh. In dieser schweren Zeit halten wir im Festausschuss zusammen und würden selbstverständlich auch Hilfestellung leisten, falls das passieren sollte.

„Im Herzen hat uns das alle sehr getroffen.“

Axel Hawranke, Vorsitzender des Festausschusses Solinger Karneval

Auf digitale Karnevalssitzungen haben die Solinger Jecken ja bewusst verzichtet. Gab es denn digitale Versammlungen der einzelnen Vereine?

Hawranke: Bei den Rot-Weiß Klingenstädtern haben wir das schon gelegentlich gemacht und uns über Zoom zu einer Videoschalte getroffen. Allerdings war es nicht gerade einfach, circa 100 Leute unter einen Hut zu bekommen, die an dieses Medium auch nicht unbedingt gewöhnt sind. Das läuft dann alles ein bisschen durcheinander und nicht immer ganz diszipliniert ab. Eigentlich muss man im Bild die Hand heben, wenn man sich zu Wort melden möchte, dann plappert schon mal gerne jemand dazwischen.

Der Rosenmontagszug muss üblicherweise lange im Voraus geplant werden. Was bedeutet der Ausfall wirtschaftlich für den Solinger Karneval?

Hawranke: Im Herzen hat uns das alle sehr getroffen, denn der Zug ist ja auch eine Außendarstellung der Vereine und Mitwirkenden. Da sind ja nicht nur Karnevals-, sondern auch Fußball- oder Schützenvereine beteiligt. Die freuen sich auch das ganze Jahr darauf und können das nun nicht machen. Was das Finanzielle betrifft, haben wir aber das seltene Glück, dass wir durch die Pandemie nicht in Regress genommen worden sind. Fairerweise haben wir deshalb die bestehenden Verträge mit den Künstlern alle auf das nächste Jahr geschoben. Die Veranstaltungen mit dem Programm, das für dieses Jahr geplant war, nehmen wir dann 2022 in Angriff.

Wie weit sind die Planungen für die nächste Session denn schon fortgeschritten?

Hawranke: Jeder Literat - also die Kontaktperson, die die Programme gestaltet und die Verträge mit den Künstlern schließt – hat natürlich wegen der Pandemie die Handbremse angezogen, um abzuwarten, wie die Session sich für dieses Jahr entwickelt. Teilweise bereiten die Literaten die kommende Session noch vor, teilweise ist das schon abgeschlossen. Da wird schon allmählich die Session 2023 geplant.

Worauf freuen Sie sich nach der Pandemie am meisten?

Hawranke: Dass wir wieder feiern können! Ich hoffe sehr, dass die Inzidenzzahlen endlich in den Keller gehen und man mal wieder Freunde treffen und sich frei bewegen kann. Sobald das wieder möglich ist, werden wir unserem Verein erst mal eine Vereinsfeier abhalten – egal, wann und wo das sein wird.

Zur Person

Axel Hawranke ist Vorsitzender des Festausschusses Solinger Karneval (FSK), dem elf Karnevalsvereine angehören. Außerdem ist er Vorsitzender der Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß Klingenstädter und ist schon seit seiner Kindheit im Solinger Karneval aktiv.

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