Schwangerschaft

Hebamme ist Beraterin und beste Freundin für Schwangere

Alina Stötzel betreut Frauen während der Geburt im Klinikum Solingen. Foto: Carolin Streckmann
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Alina Stötzel betreut Frauen während der Geburt im Klinikum Solingen.

Der Beruf der Hebamme ist eine große Herausforderung, aber auch eine große Erfüllung.

Von Carolin Streckmann

Solingen. Die Wände der Geburtsstation im Klinikum Solingen sind nicht kühl und weiß, wie man es von Krankenhäusern kennt. Die Station ist bunter. An den Wänden hängen Fotos von Babys und Gips-Abdrücke von Schwangerschaftsbäuchen. In den Kreißsälen sitzen Plüsch-Störche. „Wir möchten die Frauen in dem Gefühl bestärken, dass die Geburt etwas Schönes ist. Sie kommen nicht ins Krankenhaus, weil sie krank sind“, sagt Alina Stötzel. Seit fast zwei Jahren arbeitet die 24-Jährige im Solinger Klinikum als Hebamme.

Die Arbeit bedeutet ihr viel – trotz der Herausforderungen, die sie mit sich bringt. „Wir hatten letztes Jahr einen kleinen Geburtenboom. Gerade im Dezember sind viele Babys gekommen. Das ist für uns eine Herausforderung“, berichtet Stötzel. Denn die Klinik bleibe von dem allgemein vorherrschenden Hebammen-Mangel nicht verschont, sagt sie. „Wenige Hebammen wollen in der Klinik arbeiten.“

Am städtischen Klinikum bestehe das Team aus 20 Hebammen, die sich auf drei Schichten pro Tag aufteilen. „Wir haben leider nicht immer die Chance auf eine Eins-zu-eins-Betreuung“, so Stötzel weiter. „Oft habe ich hier zwei bis drei Frauen unter Geburt, die ich parallel betreuen muss.“ Auch sie selbst ist nicht zufrieden, wenn sie sich während einer Geburt nicht durchgängig um eine Frau und gegebenenfalls deren Partner oder Partnerin kümmern kann. „Ich bin Hebamme geworden, weil ich Frauen gut und adäquat unter der Geburt betreuen will“, sagt Stötzel. Manchmal sei es dafür jedoch zu stressig.

Im Mai 2020 habe sie ihre Ausbildung beendet, erzählt Stötzel. Die habe sie am Helios Klinikum in Wuppertal gemacht. „Inzwischen ist der Bildungsweg umgestellt. Jetzt muss man studieren“, so Stötzel. Angesichts des Fachkräfte-Mangels in ihrem Bereich sieht sie die Umstellung kritisch. Das Studium könnte ihrer Ansicht nach eine größere Hürde für Interessierte sein. „Nach der Ausbildung habe ich erst mal ein halbes Jahr Vollzeit in der Klinik gearbeitet, um Erfahrung zu sammeln.“

Ende 2020 habe sie dann angefangen, zusätzlich freiberuflich als Hebamme zu arbeiten, um werdende Mütter auch vor und nach der Geburt zu betreuen. „Wir sind ein Team von vier Hebammen und decken das Bergische Städtedreieck ab“, sagt Stötzel. Ihre Kolleginnen und sie bieten Vor- und Nachsorge sowie Kurse während der Schwangerschaft und nach der Geburt an.

Ich muss immer wieder Frauen absagen, weil ich ausgebucht bin.

Alina Stötzel

Auch im freiberuflichen Bereich sei der Hebammenmangel spürbar, sagt Stötzel. Es gebe zu wenige Hebammen für zu viele interessierte Schwangere. „Ich muss immer wieder Frauen absagen, weil ich ausgebucht bin. Die Frauen sind zum Teil ganz verzweifelt auf der Suche“, erzählt Stötzel. Viele Schwangere würden sich sehr früh melden, bereits nach dem positiven Schwangerschaftstest, teilweise noch vor dem Termin beim Gynäkologen. Zu früh ist das nicht, weiß die Solinger Hebamme. „Wenn man später sucht, hat man eigentlich schlechte Chancen.“

Frauen suchen eine Hebamme nicht nur, um in medizinischen Fragen rund um ihre Schwangerschaft beraten zu werden. Es gehe beispielsweise auch um eine Vorbereitung auf die Rolle als Eltern und das Leben mit einem Kind, sagt Alina Stötzel. Dabei sei es auch wichtig, den Partner oder die Partnerin in den Prozess mit einzubeziehen. „Wir sind medizinische Beraterinnen, beste Freundin, Seelentrösterin und manchmal auch Ehe-Beraterin“, sagt Alina Stötzel.

Die Krankenkassen, die die Begleitung durch eine Hebamme übernehmen, würden jedoch nach Regelsätzen zahlen, die diese Realität nicht immer abdecken. „Es gibt zum Beispiel einen Regelsatz von 38 Euro brutto pro Wochenbett-Besuch – unabhängig von der Dauer“, so Stötzel. Dabei komme es vor, dass ein solcher Besuch ungeplant länger dauert, wenn die frisch gebackene Mutter etwas auf dem Herzen habe und die Unterstützung ihrer Hebamme suche. „Natürlich nehme ich mir dann die Zeit. Aber es ist für mich nicht lukrativ“, sagt Stötzel.

Sie kritisiert die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung. „Viele Hebammen werfen irgendwann das Handtuch, weil der Beruf einem so viel abverlangt“, sagt sie. „Es ist wie in jedem anderen Pflegeberuf. Wir stellen unsere eigenen Bedürfnisse hinten an.“ Trotzdem sei die Arbeit erfüllend. „Es ist eine Ehre, bei einer Geburt dabei sein zu dürfen. Schließlich ist das schon ein sehr privater, sehr intimer Moment“, sagt Stötzel. „Und man stumpft nicht ab. Es ist immer wieder schön, wenn ein Baby auf die Welt kommt.“ Auch die Dankbarkeit, die die Eltern ihr nach der Geburt entgegenbringen, sei wichtig. „Sie kommt aus tiefstem Herzen“, sagt Stötzel. Und noch ein Erlebnis schätze sie an ihrem Beruf: Nach der Geburt zu sehen, wie die Babys sich entwickeln und wie die Familien zusammenwachsen.

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