Benefizkonzert

Mit Musik das Leid des Krieges heilen

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Kateryna Bazhenova (Foto) und Tamara Roy musizieren mit ihrem ukrainischen Landsmann Roman Borkovskiy, der Australierin Hayley Bullock und Dmitrij Gornovskij aus Kasachstan.

Ukrainische Künstlerinnen sind am Ostersonntag in der Stadtkirche zu Gast.

Von Björn Boch

Solingen. Bis Mitte März haben Kateryna Bazhenova und Tamara Roy in Kiew ausgeharrt. Mit gepacktem Rucksack haben sie in der Hauptstadt der Ukraine auf dem Boden geschlafen, Schutz gesucht in U-Bahn-Schächten, bang auf Nachrichten von Freunden und Verwandten gewartet. Sie haben Leid und Zerstörung gesehen. Und erinnern sich an die erschreckende Stille zwischen Sirenen und Luftangriffen der russischen Armee: „Kein Geräusch mehr. Nichts. Das ganze Leben hat sich an einem Tag geändert“, erzählt Bazhenova. Und Roy betont: „Das Leben, das wir hatten, werden wir nie wieder haben. Als Künstler hielten wir Corona für die Apokalypse. Aber die haben wir jetzt.“

Sie wollten eigentlich nicht fliehen – und beide betonen, dass sie sich auch nicht als Flüchtlinge sehen. „Wir wollen so schnell es geht zurück.“ Angesichts der schrecklichen Bilder in der Ukraine könnte das allerdings noch dauern. Für die Unterstützung, die sie auf der Flucht erhalten haben und jetzt in Deutschland erleben, sind beide sehr dankbar, wie sie mehrfach betonen.

Solingen stellt sich auf weiteren Zustrom aus der Ukraine ein

Wir sind am Leben und können das tun, was wir lieben.

Kateryna Bazhenova

Viele ihrer Kollegen sind noch in der Ukraine – vor allem Männer, die nicht ausreisen dürfen. Einigen Freunden und Verwandten wurde die Wohnung zerbombt, andere starben. „Unser Leid scheint so klein im Vergleich zu dem, was andere erleben“, sagt Tamara Roy. Doch auch sie trauert, kurz nach Kriegsbeginn starb ihre Mutter. Ihr Herz habe den Stress nicht ausgehalten. „Ihr ist Leid erspart geblieben. Es ist gut, dass sie das nicht mehr mitbekommt.“

Tamara Roy, Querflötinistin.

Beide sind dankbar für die Möglichkeit, wieder zu musizieren – wobei das anfangs sehr schwergefallen sei. Schnell habe sich ein Gefühl der Sinnlosigkeit eingestellt, berichtet die Querflötistin Roy. „Aber wenn wir Musik spielen, dann können wir und die Besucher Emotionen erleben, die uns alle verbinden.“ Und Pianistin Bazhenova sagt: „Wir sind am Leben und können das tun, was wir lieben.“

Firmen können Karten für Flüchtlinge kaufen

Am Ostersonntag treten sie in der Evangelischen Stadtkirche auf (siehe unten). Spielen wollen sie unter anderem ein Werk von Maxim Beresowski, dem russisch-italienischen Komponisten ukrainischer Abstammung, der zur Zeit Mozarts lebte – „eine strahlende Sonate“ wie Tamara Roy sagt. Und etwas von Wolfgang Amadeus selbst, denn: „Mozarts Musik heilt.“ Zusätzlich sollen Stücke von modernen ukrainischen Komponisten auf dem Spielplan stehen. Nach dem Konzert wollen die Künstlerinnen dann Fragen beantworten.

Eventberater René Splitthoff stellt das Konzert auf die Beine – das Tageblatt ist Medienpartner. Er will alles dafür tun, dass die Stadtkirche voll wird. „Unter anderem bieten wir Firmen an, Kontingente ab zehn Karten zu kaufen, die wir dann an Flüchtlinge weitergeben. Damit diese wieder einmal einen schönen Abend erleben können.“ Splitthoff hat mit dem Rotary Club Solingen bereits Geld- und Sachspenden für das Blau-Gelbe Kreuz gesammelt, über den Verein kam jetzt auch der Kontakt zu den Künstlerinnen zustande.

Es werden noch mehr Spenden gebraucht

Marina Onneken vom Verein Blau-Gelbes Kreuz berichtet von der Not in der Ukraine: Ihr Vater leitet ein Krankenhaus in Kiew. Sie nutzt Spenden zum Kauf von Medikamenten – in großen Mengen und mit Rabatt der Hersteller. „Die Hilfsbereitschaft ist groß, aber der Bedarf ist noch größer“, erklärt sie. Neben Medikamenten und Verbandsmaterial gebe es in Krankenhäusern einen Mangel an Geräten zur Beschleunigung von Wundheilungsprozessen für die vielen Verletzten. Die will sie nun beschaffen. „Es ist ein tolles Gefühl, einen Lkw da hinzuschicken, aber es werden noch viel mehr Spenden gebraucht.“ Über das Konzert freut sich Onneken besonders. Denn der Krieg sei auch einer gegen die Kunst und die Musik. „Das soll vernichtet werden. Aber das ist unsere Kultur, das sind unsere Wurzeln, und die wollen wir zeigen!“

So können Sie jetzt helfen

Die Evangelische Stadtkirche Solingen stellt das Gotteshaus kostenlos zur Verfügung. Pfarrerin Jutta Degen betont: „Ohne Frieden in der Welt kann kein Mensch auf dieser Erde leben. Unser Herz ist offen und wir wollen helfen. Deshalb war sofort klar, dass wir unsere Türen öffnen.“

Kontakt für Firmenkontingente: rene.splitthoff@web.de

Auch der Kulturmorgen stand im Zeichen des Krieges

Benefizkonzert

  • Wann: Das Konzert am Ostersonntag, 17. April, beginnt um 18 Uhr – Einlass ist um 17.15 Uhr bei freier Platzwahl.
  • Wo: In der Stadtkirche am Fronhof.
  • Karten: Sind ab sofort im Tageblatt-Haus an der Mummstraße sowie an der Kasse des Theater und Konzerthauses erhältlich.
  • Eintritt: Karten kosten 15 Euro, der Erlös geht komplett an das Blau-Gelbe Kreuz, Deutsch-Ukrainischer Verein, Köln.
  • www.bgk-verein.de

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