Familientragödie

Benefiz-Vorstellung im Lumen fällt aus

Die Menschen in der Hasseldelle rücken in der Not enger zusammen, wie dieses Plakat an der Hasselstraße zeigt. Foto: Christian Beier
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Die Menschen in der Hasseldelle rücken in der Not enger zusammen, wie dieses Plakat an der Hasselstraße zeigt.

Die für Dienstag geplante Benefiz-Veranstaltung für die Spendenaktion „Licht“ entfällt.

Update vom 14. September: Laut Veranstalter sei das Interesse an den Film „Billy Elliot – I will Dance“ zu gering, und man wolle nicht, dass das „traurige Ereignis zusätzlich einen bedrückenden Charakter durch eine Veranstaltung mit sehr wenigen Teilnehmern erhält“. Das Lumen hatte die Filmvorführung als Benefiz-Vorstellung für den Elfjährigen geplant.

Die Stadt Solingen hat ein Spendenkonto für den überlebenden Jungen der Familie eingerichtet. Dieses wird als Treuhandkonto bei der Gerd-Kaimer-Bürgerstiftung geführt. IBAN: DE 97 3425 0000 0001 6633 84. Stichwort: „Licht“. Die Stiftung wurde von der Stadt Solingen gegründet, unter anderem mit Mitteln aus dem Nachlass des Solinger Alt-Oberbürgermeisters Gerd Kaimer (1926 bis 2016). red

Artikel vom 10. September

Welle der Solidarität für überlebenden Jungen

Nach dem Familiendrama in der Hasseldelle möchten viele Solinger helfen.

Von Kristin Dowe

Solingen. Während die letzten Reporter der Boulevardmedien fürs Erste ihre Beobachtungsposten an der Hasselstraße geräumt haben, beginnt die Trauerbewältigung für die Menschen in der Hasseldelle erst jetzt. Noch immer zünden Anwohner Kerzen vor dem Hochhaus an, in dem sich in der vergangenen Woche eine Familientragödie abgespielt hatte. Neben der Bushaltestelle Margaretenstraße prangt an einem Zaun ein Transparent mit der Aufschrift „Mehr Mitgefühl, weniger BILD“ – über die Berichterstattung der Zeitung zu dem Tötungsdelikt haben sich viele Bürger und die Stadt Solingen beim Presserat beschwert.

Am Donnerstag voriger Woche war bekanntgeworden, dass eine 27-jährige Mutter in einer Wohnung des Hochhauses mutmaßlich fünf ihrer sechs Kinder getötet und anschließend versucht hatte, sich selbst das Leben zu nehmen.

„Ich wünsche mir, dass der Junge eine Zukunft hat.“

Detlef Ammann, W. I. R.

Vor allem für die Kinder und die in dem betroffenen Haus lebenden Familien sei die Bewältigung der dramatischen Geschehnisse schwierig, sagt Marina Lehnen, Quartiersmanagerin beim Verein „Wir in der Hasseldelle“. „Wir haben in der Hasseldelle viele kinderreiche Familien und es wird sehr viel über das Thema geredet.“ Doch wüssten viele Eltern nicht, wie sie angemessen mit ihren Kindern über das Thema sprechen – „deshalb bieten wir unsere Hilfe an“.

So setzte der Verein einen in mehreren Sprachen verfassten Brief an die Familien in der Hasseldelle auf, in dem der Verein als Anlaufstelle genannt wird. „Wir sind in der Stadt sehr gut vernetzt und können bei Bedarf Kontakt zu einem Psychologen oder Sozialpädagogen herstellen. Dabei arbeiten wir beispielsweise mit der Diakonie eng zusammen“, berichtet Lehnen.

Die Hilfsbereitschaft der Menschen untereinander sei in dem Stadtteil, der zuweilen als sozialer Brennpunkt gilt, groß. „Psychologen und Traumatherapeuten haben von sich aus Hilfe angeboten. Über solche Gesten freuen wir uns sehr.“ Auf den Brief an die Familien habe der Verein auch das von der Stadt eingerichtete Spendenkonto für den elfjährigen Jungen aufgedruckt. Er ist das einzig überlebende Kind der Familie. „Da wir bei uns im Viertel auch viele ältere Bürger haben, die sich mit einer Überweisung etwas schwertun, können sie ihre Spende einfach beim genossenschaftlichen Supermarkt Beroma abgeben“, so Lehnen. Der Junge solle so auf seinem weiteren Lebensweg unterstützt werden.

Dafür setzt sich auch Detlef Ammann, Sprecher des Werbe- und Interessenrings Solinger Innenstadt (W.I.R.), ein. „Ich bin selbst Opa von zwei Enkeln und die Geschichte ist für mich ein wahrer Alptraum. Um so mehr wünsche ich mir, dass der Junge eine Zukunft hat“, begründet Ammann sein Engagement, bei dem auch Mandelbaum Naturkost und die Metzgerei Heinzmann mit im Boot sind. Konkret verkaufen diese Geschäfte Gesichtsmasken, welche die Solingerin Bärbel Lütgering ehrenamtlich angefertigt hat. Der Erlös aus dem Verkauf wird zugunsten des Jungen gespendet.

Eine besonders rührende Idee, um dem Elfjährigen zu helfen, hatte der Solinger Patrick Völtzke. „Meine liebe Tochter ist flügge geworden und hat im vergangenen Monat die elterliche Wohnung verlassen“, schreibt er bei Facebook. „Was mir geblieben ist, ist ein Berg von etwas mehr als 80 kleinen und großen Kuscheltieren, die zum Wegwerfen zu schade sind.“ Diese wolle er nun am kommenden Sonntag (13. September) zwischen 13 und 18 Uhr frisch gewaschen im Garten der Familie, Dahlerfeldstraße 7 in Merscheid, zum Verkauf anbieten. „Die Resonanz ist jetzt schon sehr groß“, sagt Völtzke. Viele Solinger zeigten sich von der Idee begeistert. Die Einnahmen will der Merscheider ebenfalls an die Stiftung spenden.

Auch das O-Bus-Museum Solingen möchte die Not des Jungen mit Spenden lindern. So startet am kommenden Sonntag wieder die „Ritter-Tour“, bei der die historischen O-Busse 59 und 42 unterwegs sein werden. Die Einnahmen der Fahrten kommen ebenfalls der Spendenaktion zugute. Die erste Fahrt vom Graf-Wilhelm-Platz zur Drehscheibe nach Burg startet um 11.50 Uhr. Alle Fahrtzeiten gibt es auf der Homepage des Museums.

www.obus-museum-solingen.de

Das Lumen in Solingen zeigt eine Benefiz-Vorstellung für den Elfjährigen. Am Dienstag, 15. September, zeigt das Kino um 19.30 Uhr den Film „Billy Elliot – I will Dance“. Die Ticketerlöse (9 Euro je Ticket) dieser Vorstellung sowie alle weiteren Spenden in Rahmen dieser Veranstaltung werden komplett der Spendenaktion „Licht“ zur Verfügung gestellt.

Spendenkonto

Die Stadt hat ein Spendenkonto für den überlebenden Jungen der Familie eingerichtet. Dieses wird als Treuhandkonto bei der Gerd-Kaimer-Bürgerstiftung geführt. IBAN: DE 97 3425 0000 0001 6633 84. Stichwort: „Licht“. Die Stiftung wurde von der Stadt Solingen gegründet, unter anderem mit Mitteln aus dem Nachlass des Solinger Alt-Oberbürgermeisters Gerd Kaimer (1926 bis 2016).

Für die Kinder an der betroffenen Solinger Grundschule ist es schwer zu begreifen, dass zwei ihrer Klassenkameraden nie mehr zurückkehren. Nach der Familientragödie in der Hasseldelle gibt es auch bei den Mitschülern der verstorbenen Kinder und des überlebenden elfjährigen Jungen Gesprächsbedarf, um die Geschehnisse zu verarbeiten. Darauf hat die Stadt jetzt reagiert und unterstützt zwei Solinger Schulen mit insgesamt zwei Schulpsychologen und einem Seelsorger.

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