Hersteller von Krananlagen

Belgische Gruppe übernimmt Solinger Unternehmen Spiess

Stephan Radke bleibt auch nach dem Verkauf seiner Wilhelm Spiess GmbH & Co. KG an die belgische Timmers-Gruppe Geschäftsführer des Unternehmens. Im Hintergrund fertigen seine Mitarbeiter eine 31 Meter lange Kranbrücke für Thyssen-Krupp. Foto: Michael Schütz
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Stephan Radke bleibt auch nach dem Verkauf seiner Wilhelm Spiess GmbH & Co. KG an die belgische Timmers-Gruppe Geschäftsführer des Unternehmens. Im Hintergrund fertigen seine Mitarbeiter eine 31 Meter lange Kranbrücke für Thyssen-Krupp.

Entwickler und Hersteller von Krananlagen bleibt dem Standort erhalten

Solingen. Es sind beeindruckende Bilder. Ein 30 Tonnen schwerer Vollportalkran fährt ein etwa 400 mal 28 Meter großes Feld ab. An der Stahlkonstruktion ist modernste Kameratechnik befestigt, die die Pflanzen vollautomatisch scannt. Zehn Terabyte Datenmenge kommen dabei zusammen – pro Tag. Die Forscher der University of Arizona möchten auf dem Feld nahe der US-amerikanischen Stadt Phoenix herausfinden, unter welchen Bedingungen Hirse am besten gedeiht. Bei der Auswertung der Daten kann Stephan Radke den Wissenschaftlern zwar nicht behilflich sein. Dafür ist er auf andere Weise maßgeblich an dem Projekt beteiligt: Seine Wilhelm Spiess GmbH & Co. KG hat die gigantische Krananlage produziert – in Gräfrath.

Der 2015 umgesetzte Auftrag war einer der Höhepunkte in der fast 100-jährigen Unternehmensgeschichte. 1924 gründete Wilhelm Spiess den Betrieb in Solingen. 45 Jahre später übernahm Harry Radke, seit 2004 ist sein Sohn Stephan Eigentümer und Geschäftsführer. Geschäftsführer bleibt er auch in den kommenden Jahren. Allerdings hat er die Firma jüngst an die Timmers-Gruppe verkauft. Auch Hallen und Grundstück am Dycker Feld sollen bald an die Belgier übergehen. Stephan Radke wertet das als Bekenntnis der neuen Eigentümer zum Standort Solingen.

Trotz Corona boomte das Geschäft

Es waren keine wirtschaftlichen Überlegungen, die den 58-Jährigen zu diesem Schritt bewegt haben. Vielmehr ging es ihm darum, sein Unternehmen rechtzeitig in gute Hände zu übergeben. Innerhalb der Familie zeichnete sich keine Nachfolgelösung ab. Über einen gemeinsamen Lieferanten kam der Kontakt zur Timmers-Gruppe zustande. „Natürlich ist mir die Entscheidung nicht leicht gefallen, und ich hätte mir einen späteren Zeitpunkt für den Verkauf gewünscht“, räumt Stephan Radke ein. Doch er wollte sich die Chance, den Betrieb und die 30 Arbeitsplätze über sein Berufsleben hinaus langfristig zu sichern, nicht entgehen lassen. „Es ist schwierig, Firmen dieser Größe zu übergeben.“

Die Übernahme erfolgt in einer Phase, in der das Geschäft Radke zufolge brummt – trotz Corona-Krise. „Es ist fast gespenstisch. Wir erleben aktuell den höchsten Auftragsbestand der Firmengeschichte“, sagt der Diplom-Kaufmann und Maschinenbautechniker. Aktuell fertigt Spiess eine 31 Meter lange Kranbrücke für Thyssen-Krupp an. „Echte Arbeitstiere“, die rund um die Uhr funktionieren müssen, entstehen in den Hallen am Dycker Feld, sagt der Geschäftsführer schmunzelnd.

Die Produktpalette reicht von kleinen Kränen bis hin zu riesigen Anlagen mit 130 Tonnen Tragkraft

Die Produktpalette reicht von kleinen Kränen, die körperlich eingeschränkte Menschen in die Badewanne heben, bis hin zu riesigen Anlagen mit 130 Tonnen Tragkraft. Viele Kunden kommen aus dem Stahlhandel. Doch im Grunde gebe es beinahe keinen Industriezweig, den Spiess nicht beliefert. Hinzu kommen Wartung, Reparaturen, Service und Prüfungen. Diese Bereiche machen rund 25 Prozent des Umsatzes aus.

Stephan Radke sieht sein Unternehmen in einem Punkt im Vorteil gegenüber größeren Konkurrenten: „Wo es keine Lösung von der Stange gibt, kommen wir ins Spiel.“ Mit dieser Stärke hätte er den Betrieb in den vergangenen Jahren noch stärker auf Wachstum trimmen können, vermutet der 58-Jährige. Das sei jedoch nicht sein Ziel gewesen. „30 Mitarbeiter kann ich als Geschäftsführer gut überblicken und mich gleichzeitig weiterhin technisch einbringen“, erklärt Radke. Das möchte er auch weiterhin, wenngleich er davon ausgeht, dass die neuen Eigentümer ein größeres Augenmerk auf Expansion legen.

Geschichte

1924 gründete Wilhelm Spiess in Solingen den nach ihm benannten Hersteller von Krananlagen. 1969 übernahm Harry Radke das Geschäft, 2004 ging es an seinen Sohn Stephan über. Seit 1990 hat die Wilhelm Spiess GmbH & Co. KG ihren Sitz am Dycker Feld in Gräfrath. Zuvor war sie unter anderem im Gewerbegebiet Scheuren angesiedelt. Das Unternehmen fertigt laut eigenen Angaben für Kunden in mehr als 30 Ländern.

www.spiess-krane.de

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