Umweltschutz

Beirat fordert Tempo bei Naturschutz

Enrique Pless vom Beirat Untere Naturschutzbehörde sieht Naturschutzbelange bei der Stadt vernachlässigt – beispielsweise die Renaturierung der Ohligser Heide.
+
Enrique Pless vom Beirat Untere Naturschutzbehörde sieht Naturschutzbelange bei der Stadt vernachlässigt – beispielsweise die Renaturierung der Ohligser Heide.

Für wichtige ökologische Projekte wie den Waldumbau und die Renaturierung fehlten Geld und Personal.

Von Kristin Dowe

Solingen. Fichtensterben, anhaltende Dürreperioden, Borkenkäferbefall und schwindende Lebensräume für Tiere und Vegetation – die Liste der Umweltprobleme, die auch die Natur in der Klingenstadt belasten, ist lang. Geht es nach dem Beirat Untere Naturschutzbehörde, investiert die Stadt Solingen zu wenig, um diesen Entwicklungen nachhaltig entgegenzuwirken. „In den vergangenen Wochen und Monaten waren sowohl beim operativen Geschäft als auch bei Investitionen im konsumptiven Bereich aufgrund von Personalmangel bei der Unteren Naturschutzbehörde Vollzugsdefizite bei Umwelt- und Naturschutzprojekten feststellbar“, kritisiert der Beiratsvorsitzende Enrique Pless. „In den Etats für die Zukunft muss der Umwelt- und Naturschutz daher wieder eine angemessene Berücksichtigung finden.“

Ob die finanziellen und personellen Ressourcen aus Sicht der Verwaltung ausreichend sind, um die vielfältigen Aufgaben rund um den Naturschutz zu bewältigen, beantwortet diese auf ST-Nachfrage nicht konkret. Nur so viel: „Vakanzen gibt es in der Organisationseinheit Naturschutz, Stadtklima, Grün- und Umweltplanung derzeit nicht“, teilt Rathaussprecherin Sabine Rische dazu knapp mit. Ob weitere Stellen geschaffen werden müssten, um dem eigenen Anspruch im Sinne der Nachhaltigkeitsstrategie gerecht zu werden, bleibt offen.

Stadt ist bei Kataster für Ausgleichsflächen im Verzug

Der Beirat nennt derweil weitere Beispiele, in denen der Naturschutz in Solingen aus Sicht der Mitglieder auf der Strecke bleibt: So muss die Untere Naturschutzbehörde etwa bereits seit 2016 ein sogenanntes Kompensationsverzeichnis für Ausgleichsflächen veröffentlichen – dies schreibt das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) im Rahmen des neuen Naturschutzgesetzes vor. Mit der Erstellung und Veröffentlichung eines solchen Katasters ist die Untere Naturschutzbehörde noch nicht ausreichend vorangekommen – dies sei auf die „grundsätzliche Auslastung mit anderen Pflichtaufgaben“ und auf den hohen Abstimmungsbedarf in Bezug auf datenschutzrechtliche und technische Fragen mit anderen Stadtdiensten zurückzuführen, begründete die Verwaltung den zeitlichen Verzug zuletzt gegenüber dem Beirat.

Mehr Tempo fordert das Gremium auch bei Maßnahmen zur Wiederaufforstung von Waldflächen, die durch den Borkenkäfer stark geschädigt wurden, bei der Planung von Rückhalte- und Überschwemmungsflächen für künftige Hochwasser und dem Schaffen von Blühstreifen. Zudem stehe Personal für das Erarbeiten von Förderanträgen rund um naturschutzbezogene Projekte „nicht in dem Maße zur Verfügung, wie es nötig wäre“, bemängelt Pless weiter.

So würden die administrativen Aufgaben rund um das Schafbeweidungsprogramm für die Ohligser Heide, das mit Geld des Landes im Rahmen des Vertragsnaturschutzes finanziert wird, aktuell als „Nachbarschaftshilfe“ vom Kreis Mettmann übernommen. „Da machen wir uns einen schlanken Fuß“, findet der Beiratsvorsitzende und sieht bei der Haushaltsplanung teilweise falsche Prioritäten: „Die Beiratsmitglieder wundern sich, dass in den kommenden Jahren bis 2026 offenbar mehr als 5,5 Millionen für die Attraktivierung des Heidebades ausgegeben werden sollen, für eine Renaturierung der Heidemoore Verlach und Ohligs jedoch weder Gelder für Planungen noch Eigenmittel bei Förderung und Personal zur Verfügung stehen.“ Dabei müsse gerade jetzt, nach mehreren Trockensommern, dem Klima geholfen und seltene Arten besser geschützt werden.

Im Bergischen sind 180 Arten gefährdet

„Die Mitarbeiter in der Unteren Naturschutzbehörde arbeiten am Anschlag, zumal die Anforderungen in diesem Bereich seit den 90er Jahren stark gestiegen sind“, bestätigt auch der Leiter der Biologischen Station, Dr. Jan Boomers, den Eindruck des Naturschutzbeirats. Die Einrichtung entlastet die Stadt bei bestimmten Aufgaben, doch auch unabhängig von dieser Unterstützung sei bei der Behörde mit Blick auf Naturschutzbelange „die Personaldecke zu dünn“, so Dr. Boomers. Auch wünsche er sich, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter häufiger Gelegenheit haben, die Stellen im Stadtgebiet für Naturschutzfragen vor Ort zu erkunden – beispielsweise bei der Baumschutzsatzung. „Man sollte sich nicht nur das Luftbild anschauen.“

Hintergrund

Deckungsvorschlag: Der Beirat Untere Naturschutzbehörde regt an, die Maßnahmen mit Hilfe der voraussichtlich verminderten LVR-Umlage zu finanzieren. Die Fraktionen von SPD und CDU hatten im Landschaftsverband einen entsprechenden Antrag gestellt. Dies würde für die Stadt Solingen eine Ersparnis von circa 2,5 Millionen Euro bedeuten.

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Lachse verenden in der Wupper
Lachse verenden in der Wupper
Lachse verenden in der Wupper
Modeunternehmen Walbusch muss Rückschlag hinnehmen
Modeunternehmen Walbusch muss Rückschlag hinnehmen
Modeunternehmen Walbusch muss Rückschlag hinnehmen
Ohligs: Parkplatz Grünstraße soll wieder öffentlich werden
Ohligs: Parkplatz Grünstraße soll wieder öffentlich werden
Ohligs: Parkplatz Grünstraße soll wieder öffentlich werden
Freizeitpark Aufderhöhe benötigt Hilfe
Freizeitpark Aufderhöhe benötigt Hilfe
Freizeitpark Aufderhöhe benötigt Hilfe

Kommentare